Party-Time

Am Wochenende gab es bei uns gleich zwei Kindergeburtstagsparties.

Freitagnachmittag die erste, mit dem Sechsjährigen und seinen Freunden im Indoorspielplatz. Es ist garnicht so voll, wie es an einem Freitag in einem Indoorspielplatz sein könnte. In der „Geburtstagslaunch“ stelle ich Kuchen auf den Tisch und hole an der Bar Getränke. Die Kinder toben schon mal los. Klettern, Riesenrutsche, Softballkanonen – wunderbar. Die Rutsche ist so schnell, dass der Sechsjährige nur auf meinem Schoß rutschen mag, also kriege ich meinen Teil Bewegung auch ab. Der Vater meiner Kinder spielt Kletterffange mit den wilden Jungs, das einzige Mädchen amüsiert sich (zum Glück!), meine Engel-Freundin, die einfach angeboten hat, nicht nur ihre zwei Söhne zum Geburtstag kommen zu lassen, sondern auch selbst mitzufahren, sammelt verlorene Kinder wieder ein; der Neunjährige schießt nur einmal mit einem Softball in die Geburtstagslaunch und trifft trotzdem sofort einen vollen Becher Apfelschorle. Der Sechsjährige sitzt immer mal wieder still am Tisch und hat am Abend tatsächlich das erste Legoauto fertig aufgebaut – das erst von mehreren, seine Wünsche an seine Gäste sind sehr klar gewesen. Ein Kind wird abgeholt, auf die anderen verteilen wir Berge von Mützen, Schals und Jacken, es gibt eine Runde Überraschungseier und je zwei Leuchtstäbe, die zu Armbändern oder – unter die Mütze geschoben – witzigen Leuchtbrillen werden. Und dann zockeln wir zum Bus. Ein gelungener Tag. Erschöpfung am Abend.

Am Sonntag dann mit dem Neun- äh… Zehnjährigen und seinen Freunden ein Ausflug in den Zoo. Die Führung ist großartig: eine junge Frau, die alle Fragen beantwortet; die auch mal schimpft, als zu viele von den Pellets auf den Boden fallen, die eigentlich zu den Mantelpavianen ins Außengehege geworfen werden sollen; die sich vom Gegröle der vorpubertären Jungs angesichts der nackten Affenhinterteile nicht einschüchtern lässt; die kopfschüttelnd was von „Mädchengeburtstag“ vor sich hinmurmelt, als zwei der Jungs vor dem Fleischgeruch in der Futterküche der Raubtiere nach draußen flüchten, wo der vegan lebende Vater meiner Kinder schon steht und hyperventiliert (zum Glück hat er das mit der Futterküche nicht vorher gewusst – ) und die dann mit dem strahlenden Zehnjährigen zu den Zwerg-Mangusten ins Gehege klettert, die sich Mehrwürmer aus Löchern in einem Baumstamm pulen dürfen, die die Kinder – so war der Plan – eigentlich in ebendiese Löcher hätten reinstecken sollen. Was sich nur auch keiner getraut hatte, machte aber nichts, hat unsere Zoo-Führerin es halt schnell selbst gemacht.
Im Zoo-Restaurant überlassen uns freundliche Menschen einen ausreichend großen Tisch, das Essen ist fettig und teuer, die Jungs fangen an, vom Spielplatz zu schwärmen, und auf dem Weg dahin kriegt der Sechsjährige endlich auch noch Wölfe zu sehen, ein langgehegter Herzenswunsch erfüllt sich. Auf dem Heimweg in der S-Bahn müssen wir die drei Gastkinder durch je einen dazwischensitzenden Erwachsenen trennen, sie sind außer Rand und Band (merke: Nie wieder Cola auf Kindergeburtstagen!), zerren an der von Oma selbstgestrickten Mütze, bis sie ganz ausgeleiert ist, reißen einander die Ohren vom Kopf und fallen ringkämpfend von den Sitzen. Gesegnete Großstadtanonymität, niemand in der Bahn kennt mich oder diese Kinder.
Das war die schönste Party, auf der ich jemals war, sagt der eine Gastjunge immer wieder. Na, das ist doch mal was. Entsetzliche Erschöpfung am Abend.

In den Kinderzimmern stehen noch die Geschenktische. Wissensbücher, autoförmige Nudeln, Legobausätze, Trinkhalme, Knetseife – und die Rollschuhe und Inliner, die ich meinen Söhnen schon so lange schenken wollte. Heute haben wir sie ausprobiert, bei Schneeregen im Stadtwald, wo der Weg auch bei Matsch noch schön glatt ist und einsame Spaziergänger – nicht mit der Fähigkeit des spontanen Lächelns gesegnet – uns verkniffen betrachteten, wie wir da juchzend und ungelenk durch die feuchtkalte Dämmerung rollten.

Nein, meine Laune verdirbt heute kein seltsamer Blick. Ein Jahr lang keine Kindergeburtstagsparties! Hejho, jetzt kann der Frühling kommen!

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