Das Balkongartentagebuch: Bestandsaufnahme

Noch halb krankheitsgebeutelt setze ich mich mit meinem Hustentee und mit meinem Teller mit aufgewärmten Nudeln vom Vortag in die offene Balkontür, dahin, wo die Sonne hinscheint, aber nicht der Wind langpustet. Herrlich.

Sofort bekomme ich Lust, auf dem Balkon die ersten Frühlingsvorbereitungen zu treffen. Etliche Töpfe mit verdorrten Resten von Blumen oder Kräutern stehen noch rum, mit denen fange ich heute mal an. Die alte Erde will ich in diesem Jahr mit Humus (angeblich gibts den zu kaufen, wenn nirgendwo sonst, dann bestimmt im Internet) mischen und wiederverwenden. Eine von den großen blauen IKEA-Tragetaschen wird ganz voll damit.

Nebenbei stelle ich fest, was alles überlebt hat.

Die Rapünzchen unter der Tannenzweigabdeckung scheinen fast erntereif zu sein – gleich vormerken für das nächste Wochenende mit meinen Kindern. Dafür sehen die Erdbeerpflanzen dahinter ganz schön vertrocknet aus.
Der Blaubeerstrauch setzt Knospen an; den Topf mit den Lilienzwiebeln rücke ich schon mal aus dem Schatten in ein wärmeres Eckchen. Der Salbei kommt bestimmt wieder. Die Rosenkohlpflanze hat den Winter auch überlebt, sich vom Raupenfraß erholt und viele winzige Rosenkohlperlchen angesetzt. Was wohl im Frühling mit ihr passieren wird?

Im Blumenkasten haben sich die roten Melden selbständig ausgesät und beginnen zu keimen. Auch der Rucola scheint das geschafft zu haben. Vier von den letztjährigen Petersilienpflänzchen haben ganz kleine grüne Triebe. Der Oregano, der sonst immer erfroren ist, hat den ganzen Winter über dann und wann eine kleine Handvoll Blätter zum Essen beigesteuert. Der Schnittlauch treibt winzige Spitzchen. Und die Chrysantheme ist auch nur halbtot – es hat sich gelohnt, im Herbst stehenzulassen, was noch grün war.

Gleich fange ich mit dem Pläneschmieden an: Unbedingt Paprikasamen besorgen und auf dem sonnigen Bürofensterbrett vorziehen. Vielleicht wieder Basilikum aussäen? Die blauen Winden diesmal nicht an die Metalltrennwand zum Nachbarbalkon, die sich immer so aufheizt, sondern auf der anderen Seite am Geländer hochranken lassen? Dafür Stangenbohnen an die heiße Wand? Nochmal Asiasalate säen – und am besten überhaut viel, was wir vor dem Sommerurlaub schon aufessen können? Sonnenblumen (weil das so schön war!) und Kapuzinerkresse und frische Hornveilchen? Und wohin mit der Bienen-Blumen-Mischung, die ich neulich einfach kaufen musste?

Den Kindern habe ich schon beiden je eins der großen Kastenbeete versprochen. Und Kartoffeln wollen sie unbedingt wieder haben, na gut.

Zum ersten Mal nach langer Zeit wieder Erde von den Händen bürsten. Wie gut das tut, es endlich zu merken: Da kommt wieder ein Frühling! Bald wird alles zu wachsen anfangen! Bald ist es aus mit Kälte, Dunkelheit und kahlen Zweigen!

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