Eine Woche voller Nachrichten

Man kann doch keine Trauer um Menschen empfinden, die man garnicht kennt, sagen Freunde, Betroffenheit, ja, aber Trauer? – und vielleicht ist das nur ein Streit um Worte, die alle nicht richtig passen.
Und dass jeden Tag so viele Kinder sterben, dass dieser Flugzeugabsturz nur ein kleiner Peak in dem großen Elend der Welt ist.
Und das ist ja richtig.

Trotzdem nimmt dieses große Unglück von vor ein paar Tagen mich sehr mit. Der Gedanke an die Eltern, die da Kinder verloren haben, der am allermeisten –

Nein, inzwischen mag ich die Medienberichte nicht mehr hören oder lesen, ich mag keine weiteren Details wissen. Aber das Gefühl von Trauer ist noch da.

Vielleicht überfordert uns das immer gegenwärtige Leid in der Welt – das, zu dem man aktiv hinschauen müsste; das, wegen dem wir uns diffus schuldig fühlen, ohne es wirklich ändern zu können, Ökostrom hin, Spendenbeleg her.
Vielleicht sind unsere Gefühle bei einer „fassbareren“ Katastrophe – einer, die man hätte verhindern können, einer, die sich nicht täglich wiederholt – deshalb stärker? Weil sie sich – für uns Nicht-Betroffene – dann doch noch irgendwie verarbeiten lässt?
Oder weil sie auch uns treffen könnte?

Selbst wenn die Gefühle, die ein Unglück dieser Art in uns auslöst, auch mit uns selbst zu tun haben (mit unserer Angst, unsere eigenen Lieben zu verlieren, mit dem Wissen, dass wir alle verletzlich sind), und auch wenn wir die Menschen garnicht kennen, die da wirklich gelitten haben und leiden – wir sollten gut mit diesen Gefühlen umgehen. Deshalb finde ich es wichtig, dass Menschen Kerzen aufstellen; deshalb finde ich es richtig, dass Fahnen auf Halbmast geweht haben, und sogar, dass die Nationalmanschaft mit Trauerflor gespielt hat.

Wie unbeholfen sie auch wirken mögen, solche Rituale – sie helfen uns beim Mitfühlen, glaube ich.
Und wer mit seinem Mitgefühl umgehen kann, wer Formen hat, um es auszudrücken, der wagt ja vielleicht das Mitfühlen auch an anderer Stelle. Da, wo das Leid weniger spektakulär ist. Wo man helfen könnte.

Meine Kinder werden – bei ihrem Vater, in der Schule – sicherlich etwas von diesem Flugzeugabsturz mitbekommen haben. Heute abend kommen sie wieder zu mir. Vielleicht erzählen sie davon. Dann werden wir gemeinsam auch eine Kerze anzünden. Und an die Menschen denken, die jetzt um ihre Lieben trauern.

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3 Gedanken zu „Eine Woche voller Nachrichten

  1. wortmutter

    Ich glaube ja dass das was diese Trauer entstehen/größer als zB die um verhungerte Kinder sein lässt ziemlich wesentlich mit der Berichterstattung zu tun hat.
    Ich glaube dass es weniger die geografische Nähe als viel mehr die mediale Präsenz ist.
    Ich glaube bei täglicher Medienpräsenz auf allen Kanälen über Kinder die Opfer im Bürgerkrieg in Syrien werden, wäre diese Tragödie halt auch einfach „näher“.

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    1. Greta Autor

      Ja, je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr glaube ich das auch. Aber es hat ja auch Gründe, warum die Medien sich auf so ein Unglück so viel mehr stürzen als auf die Kinder in Syrien. Und da scheint mir schon, es liegt daran, dass dieses Unglück sowohl „näher“ als auch „begrenzter“ und „fassbarer“ ist. Das war schon wirklich seltsam, wie sehr das in allen Medien dominiert hat. Liebe Grüße! Greta

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      1. wortmutter

        Hm… ich will garnicht in wilde Verschwörungstheorethischwirkende Kommentare verfallen aber die Verwunderung ob dieser medialen Präsenz (im Gegensatz zu Syrien) kann ich garnicht so teilen.

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