Pilgernotizen 5

Was eigentlich unterscheidet das Pilgern vom Wandern?
Dass das ‚Warum‘ immer ein bisschen größer ist als nur ‚Bewegung an der frischen Luft‘? Dass man eine Frage stellt, versucht, eine Krise zu bewältigen;  das Leben in Bewegung zu bringen, indem man die Füße sich bewegen lässt – und, wenn man es so formulieren mag, Gott zu begegnen hofft? Dass man ein Ziel hat – Rom, Santiago – auch wenn man selbst die Bedeutung setzen muss, die man dem Erreichen dieses Ziels beimisst? –   Pilgerwege haben jedenfalls ihre Besonderheiten: sie haben eine Richtung und sind auch nur in diese eine Richtung beschildert. Ach, wir freuen uns über jede der freundlichen blau-gelben Muscheln! – inzwischen erkennen wir sie schon von weitem.
Pilgerwege sind ‚vorgeschrieben‘ und nehmen den, der sie geht, damit – wie alte Kirchenlieder oder Gebete – in die Gemeinschaft derjenigen hinein, die schon früher hier waren, hier gegangen sind.
Und die Belohnung für den, der sich an den Weg hält, sind die Stempelstellen. Jedes kleine Feld auf unseren Pilgerausweisen, das wir mit dem Stempel einer Kirche, eines Gasthofes oder einer Pilgerherberge füllen, macht uns schon am zweiten Tag – nachdem Plan G uns 16km weitergebracht hat – auf sonderbare, beinahe kindische Weise froh und stolz.

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