Back at school

Die ersten Schultage! Hurra… oder lieber doch kein Hurra. Nach dem zweiten Schultag möchte ich jedenfalls in die Schule des Zehnjährigen gehen und mit der Faust auf irgendeinen Lehrertisch schlagen, bis ich mir die Hand verstauche.

Zwischen dem Erstellen der Materialliste für das fünfte Schuljahr und dem Schuljahresbeginn hat sich die Zuordnung der Lehrer in einigen Fächern verändert. An sich nicht schlimm – nur dass die neuen Lehrer wieder neue, andere Materialwünsche haben. Verschwunden ist zum Beispiel die Englischlehrerin, die gerne genau fünf linierte und zwei weiße Blätter in einem Hefter aus Pappe haben wollte. Wozu haben wir uns in den Ferien eigentlich all die Mühe gemacht?

In einen „Lernmittelfonds“ habe ich jede Menge Geld einbezahlt, mit dem die Bücher und Arbeitshefte für das neue Schuljahr besorgt werden sollten. Nun stellt sich heraus, dass die Kinder nur ihre Arbeitshefte bekommen – die Bücher aber anscheinend ausschließlich in der Schule ausgeteilt und nach jeder Stunde wieder eingesammelt werden und nur in begründeten Ausnahmefällen mit nach Hause genommen werden dürfen. Hallo? Wozu dann noch ein Schulbuch? Ach, früher, in der guten alten Zeit… da las man zu Hause nochmal was nach. Lernte mit Hilfe eines Buches für Klassenarbeiten. Bekam Fernweh über den Karten im Atlas. Die Lernmittelfondskinder werden das nicht so leicht hinbekommen.

Der Zehnjährige wird am ersten Schultag mit Informationen bombardiert, bis er nicht mehr kann. Alles wird jetzt anstrengender! verkündet er; wir müssen viel mehr lernen und selbständig zum Unterricht kommen und uns richtig anstrengen. Seine ersten Arbeitszeitstunden verbringt er brav mit der ersten Englischhausaufgabe – dem Ausmalen des Deckblattes für den Hefter. Das Deckblatt für NAWI (Naturwissenschaften) ist auch schon fast fertig. Liebevoll hat der Zehnjährige eine Rankepflanze und ein Eselchen gezeichnet. In das große „N“ soll auch noch ein Bildchen. Das sieht richtig schön aus, aber… mich packt angesichts dieser Malaufgaben der Zorn. Anstrengend wird die fünfte Klasse, wie? Warum werden dann nicht ein paar Vokabeln wiederholt, damit es am Ende nicht gar so eng und stressig wird? Warum wird nicht mit einem spannenden NAWI-Thema begonnen? Ausmalen ist irgendwie sowas von Schuleingangsstufe… kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass ich meine fünfte Klasse damit verbracht habe.

Mama, schimpf doch nicht so rum, klagt mein Sohn, ich kann doch auch nix dafür! Ich gebe ihm recht und knirsche nur noch leise mit den Zähnen.

Aus der Elternpostmappe flattern am ersten Tag drei (!) Elternbriefe. Für den dritten Schultag wird zu einer Informationsveranstaltung eingeladen – es geht um den Übergang an weiterführende Schulen. Wohl dem Elternteil, das in der Schulzeit seiner Kinder seine Abende nicht verplant hat: zwei Tage Vorlauf müssen eben reichen. Gut, dass der Vater meiner Kinder in dieser Woche – weil „kinderlos“ – für sowas zuständig ist. Und noch besser, dass ich ihn  – er kriegt das mit dem Verdrängen ganz schön gut hin – am zweiten Schultag nochmal an den Termin erinnere.

Am ersten Schultag kriege ich den Zehnjährigen halb neun ins Bett. Seine Müdigkeit am nächsten Morgen ist groß. Nein danke, Mama, sagt er, als ich ihn wecke, heute stehe ich mal nicht auf.
Heute abend geht er früher ins Bett, nehme ich mir vor, aber daraus wird nix, in der Papawoche hatten sie nämlich viel zu viel vor, um mal im Internet das Essen für den September zu bestellen. Also muss der Zehnjährige das noch machen. Der Schulcaterer hatte in den Ferien leider, leider Zeit, seine Bestellmaske zu verändern – jetzt muss der Zehnjährige bei jedem der drei Wahlessen für jeden einzelnen Tag erst ein Kästchen öffnen, um zu lesen, was es zu „Fischfilet“ oder „Hähnchenschnitzel“ oder „Gemüsepfanne“ für Beilagen gibt. Das dauert! Während mein Sohn seine Zähne putzt, ergießt sich mein gesammelter Tagesfrust ins Kontaktformular des Schulcaterers.

Um neun sammelt der Zehnjährige endlich seine Kuscheltiere zusammen. Mama, weißt du eigentlich, warum „motivieren“ „motivieren“ heißt?, fragt er mich plötzlich. Nee, wieso? Na weil die Muttis immer die Kinder muttivieren müssen.

Wisst ihr was? Mir reichts für heute mit dem Muttivieren. Aber sowas von.

Und ab nächste Woche habe ich dann zwei Grundschulkinder. In Worten: ZWEI.

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6 Gedanken zu „Back at school

  1. Marie

    🙂
    Das Deckblatt-Gestalten fand hier auf dem Gymnasium noch in Klasse 8 statt und wird über die mündliche Mitarbeitsnote abgerechnet.

    Ich desillusioniere dich jetzt mal so richtig und schreibe, dass ich die verbleibenden Schuljahre nur noch aussitze. Die Kinder übrigens auch.

    Ein grauenvolles Thema.

    Allerdings – um dich nicht völlig runterzuziehen – die Grundschule war gut. So hast du noch etwas Gnadenfrist …

    Trotzdem viele liebe Grüße,

    Marie

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    1. Greta Autor

      Liebe Marie, wie alt sind Deine Kinder denn? Das klingt traurig, Schuljahre nur noch auszusitzen. Ich hoffe sehr, dass wir andere Erfahrungen machen werden – auch wenn die Schule anstrengend und manchmal langweilig und manchmal einfach zu viel und manchmal blöd ist. Liebe Grüße! Greta

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      Antwort
      1. Marie

        Einmal Klasse 9 und einmal Klasse 11.
        Ja, es ist streckenweise sehr freudlos und ich frage mich manches Mal, warum (zum Donner) so wenig Geld für gute Bildung fließt. Deutschland ist da teilweise noch in der Steinzeit.

        LG
        Marie
        (Zum Ausgleich eher nicht freudlos)

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  2. Pingback: Wir lernen, wir lernen | gretaunddasleben

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