Das Balkongartentagebuch: Herbstprojekte

Wenn der Schulzeitwecker morgens um dreiviertel sechs klingelt, ist es jetzt schon noch dunkel, und durch die Balkontür kommt so kalte Luft, dass ich kaum noch Lust habe, als erstes rauszugehen und nachzusehen, wie der Tag wird und wie viele Windenblüten sich gerade öffnen. Auch Abends bleibt weniger Zeit, noch bei Licht auf den Balkon zu kommen.

Aber ich sehe zu, dass ich das hinkriege, denn ich bin dabei, Samen zu ernten. Frau Pingaga hat ein Samen-Kreiselei-Projekt initiiert, bei dem ich begeistert mitmache. Die Aussicht, dass die Samen meiner Winden und Ringelblumen, die ich selber aus den Thüringer Gärten meiner Familie nach Berlin gebracht habe, nicht jahrelang ein trauriges Dasein in einer Vorratstüte führen, sondern vielleicht schon im nächsten Jahr irgendwo anders wachsen und blühen werden, beflügelt mich. Und in meinem Kopf wächst und blüht die Wunschliste, welche Samen ich im Austausch besonders gerne bekommen würde. Tomaten mal selbst ziehen – auf dem sonnigen Fensterbrett im Zimmer des Sechsjährigen könnte das gelingen. Oder Paprika! Dill hätte ich gerne. Und Studentenblumen und diese herrliche gelbe Staude, die mein Vater immer Mädchenauge nannte und deren gekaufte Version auf meinem Balkon einfach keine Samen tragen will…

In meinem Schlafzimmer stehen inzwischen alle meine Kompottschälchen – unterschiedlich hoch gefüllt mit verschiedenen Körnern und Körnchen. Zur Zeit ist es besonders der Samen meiner doch noch in Blüte gegangenen Rucola-Pflanzen, um den ich mich kümmern muss. Regelmäßig schaue ich nach, ob an den wild durcheinanderliegenden Blütenstängeln wieder Schoten gelb geworden sind – denn warte ich zu lange, dann öffnen sich zu viele von alleine. Die paar, die ich übersehe, reichen schon und werden mir im nächsten Jahr wieder Rucolapflanzen in allen Beeten bescheren, in denen ich die Erde nicht ausgetauscht habe.

Nicht nur der Rucola, sondern auch anderen Kräuter sind in diesem Jahr so schön geworden, dass ich zum Abendessen meistens eine Hand voll Grün vom Balkon hole. Ansonsten gibt es nur noch wenig zu ernten. Dass die letzten Tomaten an der riesigen Staude im Beet des Zehnjährigen noch reif werden, kann ich nur hoffen. Die beiden Paprika, die noch draußen hängen, werden sicherlich nicht mehr orange – aber die lassen sich ja auch grün essen. Der große Topf mit den Kartoffeln steht noch in seiner Ecke, bisher ist das Kraut nicht ganz vertrocknet, also warten wir mit dem Ernten noch ein wenig.

Und dann ist da noch die lästige Metallwand, die meinen Balkon von dem der Nachbarn trennt und die Sonneneinstrahlung so stark reflektiert, dass die Rankepflanzen, mit denen ich sie Jahr um Jahr zu begrünen versuche, im Hochsommer immer verbrennen. Eine ganz dünne Sperrholzplatte möchte ich vor die Metellwand setzen – vielleicht gelingt das in diesem Herbst, endlich.

samenkreiselei2015

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