Im Advent (6)

Je weiter die Woche – eine ziemlich ereignislose Schul- und Arbeitswoche – fortschreitet, desto müder werden wir. Das mit den Vorsätzen für eine gaaaanz ruhige Adventszeit gelingt mal wieder nur bedingt.

In meiner halbstündigen Mittagspause möchte ich mich ein Stündchen auf einen Kaffee mit dem liebsten Freund treffen.
In den 50 Minuten zwischen meinem Arbeitsende und der Abholzeit des Sechsjährigen muss ich einen halbstündigen Umweg zur Lungenärztin machen, um ein neues Rezept für das Kortisoninhalat zu holen, das mein kleiner Sohn noch braucht und das ganz plötzlich „nach nichts mehr schmeckt“.
Sowieso ist es eine dieser Wochen (es muss an der Mondphase liegen – oder daran, dass ich am letzten Wochenende vor allem Plätzchenzutaten eingekauft habe), in der jeden Tag irgendetwas plötzlich alle ist, Brot, Saft, Gurke, Äpfel, Streichkäse -.  Also schleppe ich nachmittags nicht nur den Ranzen des immer noch angeschlagenen Sechsjährigen, sondern auch noch einen Einkaufsbeutel nach Hause.
In der einen Abendstunde zwischen Zuhauseankommenunderstmalspielen und Abendessen muss der Sechsjährige eine unübersehbare Zahl von Seiten in seinem Buchstabenheft nacharbeiten – warum auch immer, es kann nicht allein an seiner Krankheitswoche liegen – und der Zehnjährige eine wie immer unübersehbare Zahl an losen Blättern in seine Hefter einheften und fast genausoviele Tests vorbereiten oder von mir unterschreiben lassen.
In der Stunde zwischen dem Abendessen und der Schlafenszeit des Sechsjährigen müssen die Kinder den Tisch abräumen und muss der Sechsjährige am Keyboard zwei Weihnachtslieder üben; wollen die beiden aber auch die Sendung mit der Maus nochmal sehen, mindestens zwei Kapital aus dem Vorlesebuch hören, und laaaange spielen, ohne dass ich mit genervtem Blick auf die Uhr in der Tür stehe.
Und in der Stunde zwischen dem Gutenachtkuss für den Zehnjährigen und meiner eigenen diese-Woche-aber-mal-eher-Schlafenszeit mag ich noch zwei Stunden mit der großen Schwester oder der Besuchsfreundin telefonieren.

Wenn wir, sinniert Max Frisch ein klitzekleines bisschen altklug in meinem „Anderen Advent“-Adventskalender, mit dem ich mich morgens um dreiviertel Sechs in den fünf Minuten zwischen Aufstehen und Waschen für zehn Minuten aufs Klo verziehe, doch aufhören würden, uns mit den kleinen Hoffnungen aufs Wochenende und auf den Urlaub zu trösten, dann würden wir bestimmt ganz grundlegend die Welt verändern.

Lieber Max, hattest Du mal Grundschulkinder? Oder einen Bürojob? Weißt Du wirklich, wovon Du da schreibst?
Ich weiß nicht genau, was ich tun würde, wenn ich mich nicht aufs Wochenende freuen könnte.
Um mir das auszumalen, fehlt mir die Muße, irgendwie.

Vielleicht denke ich am Sonntag mal drüber nach…

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