Im Advent (7)

Die Kisten, in denen der Schrank mit Türen steckt, den der Sechsjährige bekommen soll, gucken mich schon seit Tagen auffordernd an.

Also fange ich am Samstagmorgen an, die Wohnung in Chaos zu stürzen, räume diverse Regale leer, hole einen Rest Wandfarbe und Gips aus dem Keller und die Bohrmaschine vom Vater meiner Kinder.

Der Zehnjährige ist absolut dagegen, dass ein Möbelstück aus seinem Zimmer entfernt wird, wenn das große Bücherregal aus dem Zimmer des Sechsjährigen zu ihm wandert – wir müssen eine Weile diskutieren, bis wir eine gute Lösung gefunden haben; ein kleines Wandregal kommt in den Keller, die anderen Möbel spielen Bäumchen-Wechsel-Dich.

Der Sechsjährige beginnt herzzerreißend zu weinen, als ihm klar wird, dass er seinen neuen Schrank nicht zusätzlich bekommt, sondern sein Regal hergeben muss. Wenn das nicht mehr in meinem Zimmer ist, schluchzt er, will ich nie wieder in dieser Wohnung sein! – Das ist eine finstere Drohung von meinem Wechselmodellkind. Und ich weiß noch nicht mal, wie ich ihn trösten soll. Keiner von uns hat Lust auf diese Hausstaubmilbenallergiemaßnahmen!

Lasst und doch erstmal gucken, was wir unter dem Regal für Schätze finden, schlage ich irgendwann vor, als er lange genug auf meinem Schoß gesessen und geweint hat – und das zieht. Leider finden wir nicht die fehlende Karte vom Verrückten Labyrinth (dabei hätte ich darauf gewettet!), sondern nur jede Menge Steckblumen, die wir doch eigentlich schon lange der Kita gespendet haben, und ein paar vermisste Lego-City-Teilchen. Aber jetzt ist es ok, dass wir das Regal ins Zimmer des Zehnjährigen schieben.

Die Kinder quirlen mir im Weg herum, bis ich sie energisch zum Spielen ins Zimmer des Sechsjährigen schicke, dann mache ich mich unter Ach und Weh daran, die Löcher zuzugipsen, die die Schrauben hinterlassen haben, mit denen die umgestellten Regale gesichert waren; Flecken auf der Tapete auszubessern; Möbel zu verrücken und an neuen Standplätzen zu sichern. Abends sieht das Zimmer meines großen Sohnes richtig schick aus – sein Arbeitsplatz ist schöner als vorher, das neue Regal sieht aus, als hätte es schon immer neben seinem Bett gestanden, der Teppich ist frisch gesaugt und die Staubmäusepopulation deutlich zurückgegangen.

Und zwischendurch waren wir sogar noch im Pfefferberg-Theater, „Des Kaisers neue Kleider“ gucken (sehr nett, sehr spielfreudig, großes Vergnügen). Und große, gelbe oder orange Bälle bestaunen, die vor dem Theater wie Monde leuchtend – zauberschön – in den kahlen Bäumen hängen.

Jaaaa… und morgen mache ich dann die Kisten mit den Einzelteilen des neuen Schrankes auf. Bestimmt…

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2 Gedanken zu „Im Advent (7)

  1. lieblingsblau

    Oh ja, hier müsste auch noch einiges geräumt werden, allein die Zeit und Lust… Aber in kleinen Schritten geht es vorwärts. Neben all dem Alltag. Ich bewundere, wie du all das meisterst. Und danke wieder einmal für die Einblicke in euer Leben. LG Jela

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    1. Greta Autor

      Und Dir noch ein Danke für die TCM-Mail – liegt unbeantwortet in meinem Postkasten und wartet auf bessere Zeiten. Habe schon zeitweise nach der chinesischen Lehre gekocht, aber sonst nicht viel mit TCM zu tun gehabt – da frag‘ ich Dich bei Gelegenheit nochmal genauer! Ein lieber Gruß! Greta

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