Auf ein Neues…

Sehr schöne Jahreswechselverreisetage mit der Familie liegen hinter uns.

In Weimar gibt es Umzugspläne – altersgerechtes Genossenschaftswohnen, mein Vater und seine Frau haben den Mietvertrag unterzeichnet, überraschend schnell auf einmal, es muss jetzt in Windeseile ziemlich viel ausgemistet werden, weil es ein Zimmer weniger geben wird. Ich lasse zwei Backsteinkrimis von Elizabeth George für mich beiseitelegen und höre mir Geschichten davon an, wer die alte Bowleschüssel aus geschliffenem Kristall nun doch haben möchte und wie mein Vater alte Muscheln, Mitbringsel aus allerlei Urlauben, auf dem Spielplatz im Sandkasten vergraben hat – um noch ein wenig Freude mit ihnen zu stiften.
Der Weihnachtsmarkt ist noch auf, ich jubele ein bischen, weil er in Berlin am 23. Dezember, als ich endlich Zeit hatte, schon wieder zugemacht hatte. Ich schlendere mit dem Zehnjährigen ein Stündchen herum, wir kaufen weder die bunten Kerzen noch die Ausstechförmchen in Leuchtturmform noch die Schokolade in Schraubenform noch die herrlichen Namensstempel (es gibt sogar „Greta“!) noch eines der lustig bemalten Insektenhotels und auch keine Strickstulpen, sondern nur ein paar gebrannte Walnüsse. Und drehen ein paar Runden auf der kleinen Eisbahn vor dem Theater, immer rund um Goethe und Schiller, denen auf ihrem Denkmal ganz schwindelig von dem Gekreise und ganz schlecht von der eher zweitklassigen Musik sein muss.
Ins Schlossmuseum muss dann auch der hustende Sechsjährige mit. Die sind ja alle kaputt, meint er zu den mittelalterlichen Heiligenschnitzfiguren in den Goldmänteln, und dann jammert er von den Neoimpressionisten, die ganzen Weimarer Impressionisten entlang bis zu den riesigen Jugendstil- und Symbolismusgemälden, vor denen ich mit dem Zehnjährigen so gerne ein wenig staunen möchte, dass er dringend nach Hause will.

Dann Gera. Die ganz große Schwester erleidet einen Hexenschuss, während wir im Zug zu ihr unterwegs sind, ach, mehr Sport steht auch auf meiner Vorsatzliste fürs neue Jahr, ob es wohl einen Online-Yoga-Kurs gibt, den ich bequem zu Hause wenn es grad mal passt… –

Wir haben auch hier Zeit; kaufen dem Zehnjährigen Schuhe, die ersten, die ich vielleicht erben werde, wenn er aus ihnen rausgewachsen ist – schöne Lederboots also, das lohnt sich jetzt. Am Silvesterabend spielen wir (Baptistenskat kann nun endlich auch der Sechsjährige), sehen Loriot-DVDs an und lassen die Kinder mit verbundenen Augen Wunderliches aus dem Fühlkorb der ganz großen Schwester erraten, eine Kokosnussschale, das Skelett eines alten Wischmops, ein Stückchen Taubenschutz. Um Mitternacht geschlafen meine Söhne, vielleicht zum letzten Mal an einem Silverster, und wir drei Schwestern liegen auf dem Sitzsack der Tochter der ganz großen Schwester und schauen raus zum Feuerwerk, Sektgläser in der Hand.
Am müden Neujahrsnachmittag nimmt meine ganz große Schwester die große Schwester und mich und die ganze Großfamilie mit ins Kino -„Heidi“ mit meinen Söhnen anzusehen, wäre mir nicht im Traum eingefallen – aber der Film gefällt allen.
Mehr oder weniger an den Haaren zerre ich meine Kinder am zweiten Januar morgens noch in einen Friseursalon. Aus den unwilligen Wuschelköpfen schneidet die junge Frau mit Nasenring und Wangenpiercings geschickt zwei strahlende, hübsche Jungs heraus, die stolz ihre Spiegelbilder angucken.

Und dann wieder zu Hause. Nochmal die Kerzen am Weihnachtsbaum anzünden (und schonmal notieren, wann der späteste Weihnachtsbaumabholtermin der BSR in diesem Januar sein wird); noch ein paar Spielrunden und zwischendurch schon mal Wäsche anstellen. Bei klirrender Kälte dem Sternenkind ein Licht aufs Grab bringen, heute vor acht Jahren, so lange ist das schon her.

Am Abend nochmal an die guten Vorsätze erinnern, mehr bewegen und mehr unter Leute kommen; mehr Stille und vielleicht wenigstens ein bisschen für andere engagieren. Jedem Tag irgendwas Gutes abgewinnen.
Morgen beginnt der Test unter Alltagsbedingungen, meistens hälts ja nicht lange vor, nicht die Jahreswechselentspannung und nicht die Vorsätze. Aber wer weiß.

Advertisements

2 Gedanken zu „Auf ein Neues…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s