5. Februar

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? – das fragt Frau Brüllen auch an diesem 5. Februar. Nicht gerade irgendetwas spektakuläres, muss ich erwidern, füge aber zu meiner Verteidigung hinzu, dass die Woche mit einem 11. und einem 50. Geburtstag, einer Erhöhung des Krankenstandes in meiner vierköpfigen Abteilung von 25% auf 75% und nicht ganz ohne Zusammenhang dazu einsetzenden Magenkrämpen meinerseits keine wirklich entspannte war.

6.30. Mein Wecker klingelt. Mein Magen tut weh, das macht er schon seit drei Tagen; mein Kopf tut auch weh, das ist neu. Beim Aufstehen ist mir schwindelig, drei Tage Zwieback und Tee, das war reichlich nährstoffarm. Ich schlappe ins Bad.

6.45 Der Siebenjährige kommt aus seinem Zimmer und umarmt mich innig. Ich schleppe ihn zu meinem Bett und wir kuscheln noch fünf Minuten.
6.50 Der Elfjährige wird wach, kommt aus seinem Zimmer, legt kurz seine knochigen Arme um mich. Dann verschwinden meine Söhne in sein Zimmer und spielen mit dem Geburtstagslego.

7.15 Wir sitzen in der Küche und frühstücken. Hinter meinem Rücken schwanken die Stapel schmutzigen Geschirrs, die noch vom Geburtstag des Elfjährigen herumstehen. Auf meinem Brettchen liegt Zwieback. Ich streiche über meinen schmerzenden Bauch. Wir gucken die prächtig blühende Amaryllis auf dem Fensterbrett an und spekulieren, ob man von den Blüten Samen bekommen und daraus neue Amaryllisse züchten kann. Und wie macht man das eigentlich bei Hyazinthen? Und Tulpen?

8.00 Meine Söhne machen sich auf den Weg zu ihrem Vater. Ich lege mich noch zehn Minuten hin und gehe dann zur S-Bahn.

8.45 Arztpraxis. Lasse mir die letzte Vitamin-B-Spritze der dieswinterlichen Kur geben. Schwatze noch einen Moment mit der Sprechstundenhilfe, wir kennen uns inzwischen ganz gut.

9.05 Komme im Büro an. Keine Wunderheilungen, der Krankenstand liegt auch heute bei drei von vier Teammitgliedern. Nummer vier bin ich, es wäre einfach unoriginell, jetzt auch krank zu werden. Und immerhin kann ich ja sitzen. Meine Büronachbarin spendiert mir Fenchelteebeutel.

12.50 Kurze Mittagspause. Lasse mir im Betriebsrestaurant Kartoffeln und Möhren geben. Nicht so lecker.

14.00 Immernoch Kopfschmerzen. Immernoch Magenschmerzen. Gebe auf. Schreibe dem Chef dass ich heimfahre und meinen Magen auskuriere. Fahre nach Hause und falle ins Bett.

15.45 Wache auf. Etwas besser. Fange an, in der Küche Müll einzusammeln.

16.00 Die Patchworkmama, die mal neben mir gewohnt hat und inzwischen in der Kölner Gegend weiterpatchworkt, ruft mich an. Sie ist auf Berlinbesuch, und eigentlich sollte sie den Siebenjährigen, der ihr Patenkind ist, bei seinem Papa treffen, aber der geht nicht an sein Telefon. Also kommen sie zu mir – die Patchworkmama mit dem neuesten Patchworkbaby im Bauch, der Patchworkmann und mein Patenmädchen. Ich setze Kaffee für die Gäste auf. Zum Glück gibt es noch einen Rest Schokoladenkuchen vom Geburtstag des Elfjährigen.

16.15 Der Vater meiner Kinder ruft an und ist sauer, weil die Patchworkmama jetzt zu mir gekommen ist und nicht zu ihm. Ich muss ein bisschen diskutieren, bis der Siebenjährige rüberkommen darf.

16.20 Wir sitzen zusammen, trinken Kaffee/Kamillentee/Wasser, die Großen schwatzen, die Kinder machen Bilder mit den Pustestiften.

17.30 Der Vater meiner Kinder ruft an und fragt, wann der Siebenjährige endlich zurückkommt. Ich scheuche mein armes Kind auf – hinterher denke ich, dass fünf Minuten mehr ja wohl auch kein Problem gewesen wären. Mein Sohn lässt sein angefangenes Geburtstagsspiel stehen und verabschiedet sich.

17.35 Mein Patenmädchen möchte noch ein Brot essen, plötzlich stehen doch alle in meiner gruselig schmutzigen Küche zwischen den Geschirrbergen, die inzwischen auf sämtliche Flächen übergewachsen sind. Brot, Streichkäse und Gurke gibt es zum Glück noch, auch ein sauberes Brettchen. Dann verabschieden sich die Gäste.

17.45 Ich mache mich über Teil eins des Riesenabwaschs her. Im Radio läuft eine türkische Radiosendung, die ich nicht verstehe, das ist manchmal ganz entspannend.

18.45 Ich stelle eine Teetasse an mein Bett und lege mich hin. Krimi an, Kopf aus. Der tut leider immernoch so weh, dass ich später – wegen meinem Magen geht ja keine Tablette – eins der Schmerz- und Fieberzäpfchen der Kinder nehmen muss.

21.00 Licht aus. Ende der unrühmlichen Vorstellung.

 

 

 

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