Nur noch bis zum Fluss

Freitagabend. Schwer zu entscheiden, ob nun schon wieder eine Woche vorbei ist oder ob die Woche nun endlich zu Ende ist. Beides.

Nach dem herrlichen, erholsamen, stillen letzten Wochenende ganz für mich allein kamen die Kinder aus der bei ihrem Vater verbrachten Ferienwoche zurück, in der das Fahrrad des Elfjährigen gestohlen wurde, sein Füller, sein Handy, seine Essenskarte verlorengegangen sind, keine fehlenden Stifte nachgekauft, keine Essen bestellt und keine losen Blätter in Ordner eingeheftet wurden. Wie wütend mich diese Dienstage machen, an denen dann alles nachgearbeitet, wiederbeschafft, in Ordnung gebracht werden muss, der Elfjährige nicht rechtzeitig ins Bett kommt.

Die Kollegen wenigstens werden einer nach dem anderen wieder gesund, das ist gut.

In den Vorgärten beginnt es zu blühen, ein erster mutiger Baum hat schon dicke Blätterknospen, vielleicht weniger wegen der Sonnenstunden als wegen der Frühlingssehnsucht, die mich und alle erfasst hat. Aber um auf dem Balkon zu sitzen oder zu werkeln ist es noch zu kalt.

Erschöpft und zögernd habe ich am Mittwoch die Konzertkarten vorgekramt, die ich vor längerer Zeit besorgt habe, die Kinder wie vereinbart – aber ohne viel Enthusiasmus – über Nacht zu ihrem Vater geschickt. Und dann wurde es eins der schönsten Konzerte, die ich jemals besucht habe, das Abschlusskonzert der aktuellen „Keine Gefahr“-Tournee von Dota Kehr – ich bin schon lange nicht mehr aus einem sooo guten Grund im Büro müde gewesen.
Dotas Lieder sind musikalisch schön. Sie sind klug und politisch und poetisch und lustig…

Deshalb bin ich außerordentlich zufrieden, dass ich meinen Fastenvorsatz, bis Ostern keine Dinge zu kaufen, die nicht absolut notwendig sind, erst nach dem Erwerb der CD mit all den Liedern vom Konzert gefasst habe. Und so sitzen wir abends zusammen und hören unsere Lieblingslieder von Dota, die Kinder fallen ein, wenn sie singt, dass sie „die Blumen weggeworfen und die Katze verschenkt“ hat, und ich weine ein bisschen bei meinem Lieblingslied „Floß“, weil es das schönste Schlaflied für müde Mütter ist, das ich mir vorstellen kann:

„Morpheus, komm und nimm mich mit.
Ich trag Stiefel aus Granit
und ich spür ihre Last,
mühsam wird jeder Schritt.

Ich geh noch bis zum Fluss, doch ich mag
nicht mehr weiter, es reicht für den Tag.
Hier mach ich Rast. Bitte komm! Bitte trag
mich auf Dein Floß!

Wir können weiter flussabwärts
unser Glück neu probieren.
Mach die Leinen los!
Weiter flussabwärts liegt die Welt
wieder offen und groß. (…)“

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Nur noch bis zum Fluss

  1. frausiebensachen

    aaaaah, du warst auf einem dota-konzert! yeah tschakka bum! sie ist so großartig!
    (ich habs noch nie geschafft, wenn sie hier in der nähe war, und jedesmal ärger ich mich krumm.)
    alles liebe und gesundheit wünsche ich dir!

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    Antwort

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