Engel

Manchmal ist eine Entscheidung so schwierig, dass sich in meinem Kopf alles verknäult. Da wird die Mutter-Kind-Kur genehmigt, anstandslos, große Freude – bloß in den Ferien dürfen wir nicht fahren, sondern erst hinterher, weil andere Mütter schneller waren als ich und schon alle, alle Kurplätze im Juli belegt haben, was ein mehrfaches Problem ist, weil ich dann in den Ferien keinen Urlaub sparen kann, weil die sechseinhalb Wochen ja trotzdem gefüllt werden müssen und die Hortverträge zu Ende Juli auslaufen und der Hort im August Urlaub macht und die Notbetreuung für die Kinder immer so schrecklich ist und der Vater der Kinder gerade wieder eine Stelle in Aussicht hat und dann keinen Urlaub bekommt, so dass die Kinder sowieso ganz viel in den Hort müssen, und außerdem bekomme ich einen neuen Chef, der vielleicht unangenehm berührt die Augenbrauen hochzieht, wenn ich im August zwei Wochen Urlaub mache und dann im September drei Wochen zur Kur gehe und außerdem verpasst der Elfjährige dann so viel Schule, wo es doch gerade um eines der entscheidenden Zeugnisse für den Übergang auf eine weiterführende Schule geht und dann kommt er wieder und alles stürzt in doppeltem Tempo auf uns ein und außerdem werden wir doch am Ende der Ferien so erholt sein wie sonst nie, weil wir ja gerade Sommerferien gehabt haben werden, müssen wir denn ausgerechnet dann zur Kur fahren?

Aber es wäre unser Lieblingskurort vom letzten Mal. Und es wäre so schön und warum sollen die Kinder nicht mal zehn Wochen Ferien haben, dann wären wir mal richtig gut erholt …

Und dann schreibt die Klassenlehrerin des Elfjährigen, die ich panisch um einen Termin gebeten habe, weil ich wissen will, ob wir in den Ferien schon die wichtigsten Themen gesagt bekommen können, die in der 6. Klasse in den Kernfächern in den ersten Wochen bearbeitet werden –

Dann schreibt sie mir einfach: „Ich freue mich für Sie und den Elfjährigen und sehe nur Positives darin“.

Und dann sieht alles plötzlich wieder einfacher aus.


 

Nachtrag: Jedenfalls bis die Dame beim Kurplätzezuordnungsservice mir erklärt, dass der Kurdurchgang, den sie mir immerhin am Vortag selber angeboten hat, erst nach Ablauf meiner Kurzusage beginnt und die Krankenkasse erst gefragt werden muss und vielleicht nein sagt und wir dann eine Alternative schon im Frühjahr finden müssen (oh nein… das passt da so schlecht… – Weitere Gedankenknoten ad libitum et cetera).

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