Tagebuchbloggen im Mai

WMDEDGT – Frau Brüllen sammelt wie an jedem 5. eines Monats Beiträge zu der Frage „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ – Hier ist meiner.

5.45 Aus Gewohnheit – gestern hat um diese Zeit ja der Wecker geklingelt – werde ich wach, bedrückt von ein paar ungeklärten Fragen rund um meine Arbeit, Konflikten mit Kollegen, Abgrenzungsschwierigkeiten gegenüber Aufgaben, die zu erfüllen meine Kapazität derzeit einfach nicht zulässt. Menno, heute ist Feiertag, ich will keine Arbeitssorgen…

7.30 Diesmal wecken mich meine Kinder, das ist besser. Obwohl… sie streiten sich, ordentlich laut. Der Elfjährige knallt seine Zimmertür zu, der Siebenjährige kommt zu mir ins Bett und kuschelt sich unter die Decke. Nach ein paar Minuten kommt der Elfjährige dazu und lehnt zwei eiskalte Füße an meine Waden. Der Siebenjährige in der Mitte zwischen uns zappelt und lacht: Hilfe, ich stecke in der Müllpresse!

8.00 Wir stehen auf, ich teile eine Runde Heftpflaster aus. Der Elfjährige hat seit gestern abend ein schwer entzündetes Nagelbett am Daumen und kriegt vorher noch ein Fingerbad in gelber Desinfektionslösung; der Siebenjährige hat so ein Ding am Finger, das mich unangenehm an seine Dellwarzen vom vorletzten Jahr erinnert und deshalb dringend abgedeckt werden muss, damit sich da nix ausbreitet.

8.15 Müslifrühstück. Lecker! Hinterher verschwinden die Jungs zu einer Partie Schach und ich im Bad; und dann krame ich „nach Art eines freien Vormittags“ einfach so herum. Wäsche abnehmen. Steuererklärung und Belege endlich eintüten. Mülltüten an der Wohnungstür zusammentragen. Geschirr wegräumen. Waschbecken im Bad putzen. Blumengießwasser auf den Balkon tragen.

9.30 Ich rufe bei meiner neuen Mitmutterbeinaheschonfreundin an und wir verabreden uns auf dem Obenkran-Untenkran-Spielplatz. Der Elfjährige setzt den Siebenjährigen matt und die beiden ziehen sich an. Der Elfjährige bringt den Müll weg und pumpt im Keller den kleinen Fußball auf; der Siebenjährige trägt ehrfürchtig (ich habe ihm erklärt, dass der Umschlag viel Geld wert ist) die Steuererklärung bis zum Briefkasten; ich habe den Beutel mit der Tomatenpflanze, die ich der Mitmutter mitbringen will und den Rucksack mit der Erdbeer-Rhabarber-Grütze fürs Mittagessen.

10.15 Der Elfjährige schlägt mich vernichtend beim Tischtennis. Dann spielt er zehn Runden gegen die Mitmutter, die ein besserer Gegner für ihn ist. Ich liege derweil in der Nestchenschaukel und lasse mich von der Tochter der Mitmutter und dem Siebenjährigen anschaukeln. Dann liegen wir alle drei auf dem Rücken im Nestchen und gucken in den blauen Himmel hoch. Das fühlt sich nach Urlaub an! Wir zeigen der Tochter der Mitmutter wie man kickert. Dann gehen wir zur Mitmutter nach Hause und essen Nudeln und trinken Kaffee.

16.30 Wieder zu Hause. Wir sind erschöpft. Der Elfjährige kriegt ein neues Daumenbad und dann neue Salbe und ein neues Pflaster. Sieht nicht gut aus, dieser Finger. Ich rufe in der Chirurgiepraxis an, die hat aber keinen Anrufbeantworter, ich kriege also nicht raus, ob da morgen Brückentag ist. Ich rufe in der Kinderrettungsstelle an und frage, ob wir morgen früh vorbeikommen dürfen, wenn die Chirurgiepraxis Brückentag hat. Wir dürfen. Ich rufe die Besuchsfreundin an und verschiebe unseren Besuch bei ihr von Freitag auf Samstag, weil ich nicht weiß, wie lange wir beim Arzt brauchen werden, so ohne Termin. Dann lege ich mich auf mein Bett und lese ein paar Blogbeiträge. Der Siebenjährige kuschelt sich neben mich. Du weißt, dass Du heute noch Keyboard üben musst, oder?, frage ich ihn. Ja klar Mama, sagt mein Sohn, schließt die Augen und schläft ein.

18.00 Der Elfjährige hat sein Zimmer aufgeräumt. Weil der Siebenjährige schläft, gab es keine Ablenkung; und er hat sich ohne mein Zutun oder Schimpfen immer wieder selbst daran erinnert, dass er aufräumen sollte – das ist für ihn eine ziemliche Leistung – und hat es in seinem eigenen Tempo geschafft, das ganze Zimmer in Ordnung zu bringen. Super! Ich gieße die Balkonpflanzen und die Blumen in der Wohnung, krame noch ein bisschen herum und mache Abendessen.

18.30 Ich wecke den Siebenjährigen zum Essen, aber mein kleiner Sohn hängt wie ein Schluck Wasser am Tisch und darf sich deshalb wieder hinlegen. Der Elfjährige hat auch keinen Hunger, gut, dass ich nix gekocht, sondern nur Brote hingestellt habe.

19.00 Ich setze mich zum schläfrigen Siebenjährigen aufs Sofa, der Elfjährige ist am Tisch beschäftigt. Seit wir in „Geolino“ einen Artikel über Shakespeare gelesen haben, habe ich vor, den Kindern den Mittsommernachtstraum in der alten Nacherzählung für Kinder von Franz Fühmann vorzulesen. Heute mache ich das endlich, auch wenn der Elfjährige erstmal die Augen rollt, weil er lieber Fernsehen würde. Es dauert nicht lange, bis er laut über das Durcheinander lacht, das Puck mit dem Blümchen Liebnurmich anrichtet.

20.15 Ich lasse die Kinder noch ein bisschen spielen und telefoniere kurz mit dem liebsten Freund.

21.00 Zähneputzen; Singen und Beten beim Siebenjährigen; Singen und Beten beim Elfjährigen. Ich dusche und nehme mein Laptop zum Bloggen mit ins Bett. Stimmung wieder bedrückt. Das mit dem Arbeitssorgen geht nicht weg. Und auf den Arztbesuchstag morgen habe ich auch keine Lust.

 

 

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3 Gedanken zu „Tagebuchbloggen im Mai

  1. bisschendazwischen

    ach schön, dass ich deinen blog gefunden habe. mal abgesehen davon, dass meine drei kinder schon groß sind, aber noch zu hause wohnen, habe ich ähnliche tagesabläufe.
    und auf der arbeit läuft es leider auch nicht so rund…wünsche dir einen schönen freitag..
    lg würfelzucker

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  2. lieblingsblau

    Wie gut ich das kenne… War am freien Tag 5 Uhr hellwach und sofort bei all den Fragen und Sorgen im Job… Hoffe, du hattest nach dem Arztbesuch noch ein bisschen den Kopf frei für die schönen Dinge. LG

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