Stockholm-Reise (5): Müde Füße

Heute ist ein kalter Tag, aber daran haben wir uns gestern und vorgestern abend ja schon gewöhnt, ziehen also an, was wir so mithaben und machen uns auf ins Stadtzentrum. Den Weg zur U-Bahn kennen wir schon gut; mir fallen immer wieder die breiten, gut beschilderten Radwege auf und wie bunt und vielsprachig Stockholm ist. Und die Bettler: unter der Brücke, am Eingang zur U-Bahn, an den Straßenecken im Zentrum. Über die Altstadtinsel wollen wir rüber nach Södermalm, aber das ist nicht so einfach, weil wir noch ein paar Postkarten und Mitbringsel brauchen und deshalb den einen oder anderen Postkarten- und Mitbringselladen besuchen müssen. Da drin ist es ja auch warm, und aufwärmen tut ungefähr alle fünf Minuten sehr, sehr gut.
Die Schweden sind richtig gut bei Mitbringseln, wir denken ganz schön viel nach, ob wir nicht jemandem einen Emaillebecher mit Mumin-Motiv, einen mit roten Pferden bedruckten Stoffbeutel, Blaubeertee, einen Elchregenschirm, filigranen Christbaumschmuck aus Metall, eine Kuscheleule, ein gelbes T-Shirt mit blauen Krönchen oder eine teelichtbetriebene Mini-Pyramide schenken könnten. Leider nein.
Langsam, mit einem kleinen Abstecher in die deutsche Kirche mit ihren schönen bunten Glasfenstern, arbeiten wir uns doch Richtung Södermalm vor, und den Aufzug zu der höhergelegenen Ebene der Stadt finden wir ganz leicht. Ein schöner Ausblick von da oben, auf das Panorama alter Häuserfassaden, Kreuzfahrtschiffe am Kai und die Riesenbaustelle Slussen.
Später am Nachmittag betreten wir eine weitere Insel, Skeppsholmen, wo sich viele Museen befinden. Wir freuen uns auf das Moderna Museet, wo es freien Eintritt, Kaffee mit Refill und Kunst von Picasso und Mirò bis Duchamp und Warhol und zur Gegenwart gibt. Und wir haben dort viel Spaß: Bestimmen die mannshohen Pilze im Korridor, stellen fest, dass einige Zeichnungen aussehen, als ob – so die große Schwester – „die Mathestunde langweilig gewesen wäre“, freuen uns an einem Kleiderbügelmobile (die große Schwester pustet nach oben, bis es zu schwingen beginnt, während ich mich umschaue, ob das Aufsichtspersonal Einwände dagegen hat), an leuchtenden Farben und an den detailreichen Bildern in der Sonderausstellung  von Moki Cherry, die ganze Geschichten erzählen.
Schade, dass wir um 18 Uhr rausgeworfen werden, das Museum schließt, der Bus fährt uns vor der Nase weg, es ist schon wieder immernoch kalt, wir schleichen auf müden Füßen über ungefähr sieben Brücken zurück zum zentralen Busterminal, wo wir noch recherchieren wollen, wie wir am Montagmorgen vor Tau und Tag zum Flughafen kommen. Die gefühlten 300 Stufen hinunter zu unserer U-Bahn geben meinen Füßen den Rest. Ab aufs Bett, Beine hochlegen, Kassensturz machen und Souvenirtütchen auspacken. Mein bestes Mitbringsel stammt allerdings aus dem Supermarkt: ein rundes,  wagenradgroßes Paket Knäckebrot für meine Kinder.

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Ein Gedanke zu „Stockholm-Reise (5): Müde Füße

  1. lieblingsblau

    Dein Reisebericht liest sich (wie sonst auch immer alles) so schön! Danke dafür! Ich werde die Stationen notieren und diese (und andere) vielleicht im Sommer erleben. Wir werden 5 Wochen in Schweden sein, vielleicht können wir ein paar Tage in der Hauptstadt verbringen… Obwohl ich auch schon überlegt habe, ob wir das mal als Paar allein machen. Da schafft man eventuell ein paar Stationen mehr. Euch noch viel Spaß und viele warme Sonnenstrahlen! LG

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