Das Balkongartentagebuch: Von Blumen und Bienen

Es wächst – üppig wächst es!
Die Töpfe und Kisten, in denen vor einigen Wochen erst die Keimlinge aus der braunen Erde kamen, sind voller Pflanzen, denen man beim Wachsen beinahe zusehen kann.
Die Dahlie sprießt aus ihrer Knolle. Blattläuse haben sich auf einer ihrer Triebspitzen eingenistet und werden von einer regen kleinen Ameisenschar besucht. Die Bohnen ranken am Spalier; die erste, die neugierig über die Trennwand zu den Nachbarn gucken wollte, habe ich mit einer kleinen Haarklammer so am Spalier befestigt, dass die Ranke parallel zur Oberkante der Trennwand verläuft. Das muss ich jetzt sicher alle paar Tage wiederholen, dann darf sie meinetwegen vorne am Pfosten zum nächsten Balkon hochranken. Neben der Sonnenblume ist tatsächlich eine kleine Sojabohne gekeimt und entfaltet interessante Dreifachblätter, die ein bisschen an Klee erinnern. Eine Sojapflanze habe ich noch nie gesehen und bin gespannt, wie sie sich entwickeln wird.
Weil ich die alte Erde – angereichert mit Humus – nun zum dritten Mal verwende, wachsen in den meisten Töpfen auch Pflanzen, die sich selbst im letzten Herbst ausgesät haben: Rucola und rote Melde und Brunnenkresse; Buchweizen und Ringelblumen.
Die Pflücksalatkiste liefert alle zwei bis drei Tage einen kleinen Salat. Ein bisschen Melde dazu und ein paar Blätter vom Asia-Salat, der ganz schnell geschossen ist und schon in Blüte steht – lecker.

Vermisst habe ich bisher die Bienen, die im letzten Jahr so gerne unseren Balkon besucht haben. Traurig hat mich das gestimmt. Ich habe ans Bienensterben gedacht; die Diskussion um die Wiederzulassung von Glyphosat im Kopf gehabt; mich an die Schwierigkeiten erinnert, die der liebste Freund bei dem Versuch hatte, eine Bio-Gärtnerei in Berlin zu finden, die Blumen anbieten würde, die nicht mit Pestiziden behandelt sind. –
Aber übers warme Wochenende sind die ersten Blüten des Bienenfutters aufgegangen, das dicht und üppig in derselben Kiste wie im letzten Jahr steht; und jetzt sind die Bienen da. Erst nur eine, die wählerisch in den blauen Blüten herumstöbert; dann zwei und an diesem Nachmittag schon drei Bienen gleichzeitig. Wenn sie einmal da sind, werden sie doch wohl auch einen Moment Zeit für die kleinen gelben Blütchen der Tomaten haben? Dem Schnittlauch einen Besuch abstatten und beim Asia-Salat vorbeischauen? Die Kornblumen und Ringelblumen brauchen noch ein bisschen; auch Sonnenblumen wird es wieder geben und Kapuzinerkresse und Majoran…

Weil ich mich so sehr über die Bienen freue, setze ich endlich um, was wir eigentlich schon im letzten Jahr vorhatten. Mit dem Siebenjährigen baue ich eine Bienentränke, weil es in der Stadt für die Bienen zu wenige Möglichkeiten zum Trinken gibt: Ein Blumenuntersetzer wird mit etwas Wasser gefüllt, hinein kommen ein paar Steine, auf denen die Bienen sitzen können. Voila!

Und dann können wir uns hinsetzen und genießen.
Naja: Sobald der Hausmeister fertig ist, der unten mit der Elektrosäge auf die Hecken losgeht wie Don Quichote auf die Windmühlen. (Sooo laut! Wir essen dann doch mal lieber in der Küche.)
Aber dann!
Naja: Sobald das Gewitter vorbei und die Holzbank wieder getrocknet ist.
Morgen. Bestimmt morgen.

 

Advertisements

Ein Gedanke zu „Das Balkongartentagebuch: Von Blumen und Bienen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s