Sonntag, 5. Juni

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? – Das fragt Frau Brüllen heute wieder und sammelt sehr viele sehr schöne Beiträge auf ihrer Seite. Schon wieder der 5. also! Der letzte Monat ging schnell um, kein Wunder bei all den Feiertagen.
Und so ein Tag war heute:

Obwohl es gestern später geworden ist, ist der Elfjährige um halb sechs wach. Aber leise. Halb sieben kommt der Siebenjährige dazu, von da an höre ich die beiden im Zimmer des Elfjährigen schwatzen. Ich kann mich nochmal umdrehen und weiterdösen. Von Hof ist die Amsel zu hören und ein Schwarm lärmender Spatzen.

Halb acht stehe ich auf und sage der Frühschichtbiene auf dem Balkon guten Morgen. Dann Sonntagsfrühstück vorbereiten, mit einem gekochten Ei für jeden, wir machen das noch immer so, wie früher. Aus irgendeinem Grund fangen wir am Frühstückstisch an, Wörter auf -eis zu reimen, davon gibt es erstaunlich viele und es wird eine richtige kleine Reisegeschichte (leider natürlich nur im Kreis…) daraus.
Meine Söhne haben feierlich versprochen, am Sonntagmorgen ihre Schulranzen durchzusehen und müssen das jetzt einlösen. Ich nehme mir derweil den Topf vor, in dem wir am Freitagabend nochmal Holunderblüten in Wasser versenkt haben. Es duftet herrlich. Ich setze die zwei Tüten Gelierzucker entsprechende Menge Saft auf den Herd und koche Gelee. Das restliche Holunderwasser wird nochmal zu Sirup verarbeitet. Weil vor drei Tagen der Elfjährige den Sirup kochen und abfüllen durfte, ist heute der Siebenjährige dran, dem allerdings nach dem Einrühren des Zuckers der Arm sooo wehtut, dass er bis zum Abfüllen Pause machen muss.

Ein garstiger Abwasch hat sich während all dem angesammelt und muss schnell erledigt werden. Hinterher ist der Tag schon halb um, deshalb bleibe ich gleich in der Küche und mache Quicheteig. Der kommt in den Kühlschrank, dann habe ich Zeit, um mit dem Siebenjährigen Keyboard und Lesen zu üben.
Danach hilft der Elfjährige mir, den Quicheteig mit Birnen und Gorgonzola zu belegen. Eierschmand drüber – und ab in den Ofen.

Und dann… gehe ich endlich ins Bad.

Um Viertel nach Zwölf sind wir alle angezogen und essen, und dann ist es auch schon Zeit, aufzubrechen, denn wir haben noch Sonntagspläne. Wir verlassen das Haus bei strahlendem Sonnenschein; aber als ich an der ersten Ecke meine Sonnenbrille aufgesetzt habe, ist der Himmel plötzlich voller grauer Wolken und es tröpfelt, der Regen beginnt zu strömen, Donner rollt. Statt zum Eisessen ins Café kommt die befreundete Mitmutter mit ihrem Töchterchen gleich an die S-Bahn; der Elfjährige flitzt nochmal nach Hause und holt Regenschirme. Mit drei total überdrehten Kindern und vier Regenschirmen fahren wir nach Kreuzberg zum Colulmbia-Theater, wo ein Liedermacherkonzert für Kinder stattfindet. Das Columbia-Theater kennen weder die Mitmutter noch ich, aber es ist leicht zu finden und wir sind begeistert von dem kleinen Garten, in dem die Kinder noch eine halbe Stunde abwechselnd Fange spielen und um Mini-Muffins und kalte Getränke von der Bar betteln können. Die Luft im Saal ist stickig, die Stimmung angespannt. Es gibt Gedrängel um die Sitzplätze auf den Stufen; der Siebenjährige ist schon völlig fertig, ehe der erste Ton von der Bühne gekommen ist. Aber dann geht es endlich los. Nachdem alle, die die Hitze nicht aushalten, den Saal verlassen haben und alle Türen weit geöffnet worden sind, wird es ein richtig gutes Konzert mit sieben verschiedenen Liedermachern, die Lieder für Kinder und Erwachsene singen. Den Elfjährigen bekomme ich kaum zu Gesicht, er steht weit vorne und rockt und passt ein bisschen auf die Schulkameradin des Siebenjährigen auf, während der manchmal vorne mittanzt und manchmal (ich verspreche meinem Beckenboden alles, was er hören will, sieben Stunden Training täglich, gleich ab morgen, ganz bestimmt – ) von meiner Schulter aus über die Köpfe der Erwachsenen vor uns zur Bühne guckt und begeistert seinen Kuschelhasen in die Luft wirft.

Irgendwann gehe ich mit den Kleinen raus, während der Elfjährige und die Mitmutter noch die schönen Abschlusslieder mitbekommen. Irgendwann ist das Konzert zu Ende und wir gehen nach Hause, und irgendwann kurz vor der U-Bahn fällt es uns ein, dass unsere Schirme noch in der Garderobe neben dem Konzertsaal liegen. Die Mitmutter läuft zurück, ich lenke unterdessen die drei Kinder, die sehr laut und sehr textsicher die im Konzert aufgeschnappte Zeile – „Immer! muss ich! alles! sollen!“ – singen, vom sehr lauten Singen ab, in dem ich eine Suche nach Glücksklee in der Rabatte anrege. Dann fahren wir wirklich nach Hause.

Der Siebenjährige und der Elfjährige sind so verschwitzt, dass sie sich ohne Murren in die Badewanne begeben; ich stelle den Rest von der Quiche und ein paar Streichkäsebrote auf den Tisch; dann bringe ich den Siebenjährigen ins Bett. Schon wieder hat sich ein unerfreulicher Abwasch angesammelt. Ich spüle, nehme Wäsche ab, habe noch ein Weilchen Zeit für den Elfjährigen. Als der Große auch schläft, gieße ich die Kästen und Kisten und Töpfe auf dem Balkon und setze mich mit dem Laptop auf die Bank zwischen den Blumen.

Abendstille.

 

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5 Gedanken zu „Sonntag, 5. Juni

  1. wildgans

    Da fehlen mir die Worte.
    Eh weiß ich nicht mehr, wie ich es geschafft habe, mit drei Kindern voll berufstätig zu sein und dennoch richtig voll im Leben zu stehen.
    So sehe ich das jetzt bei dir!
    Geht doch, nicht wahr.

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    1. Greta Autor

      Liebe tikerscherk, danke für Deinen Gruß und die Nachfrage! Der Greta-Blog hat eine Erschöpfungspause; ich weiß noch nicht, wie lange, die Texte bleiben halbfertig. Aber es ist sonst alles ok mit uns. Schöne Sommerzeit wünsche ich Dir! Ein lieber Gruß von Greta

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      1. tikerscherk

        Da bin ich aber beruhigt, liebe Greta.
        Ich freu mich dich wieder zu lesen. Mag Deine Texte und Deine Familie, unbekannterweise, so gerne.
        Bis dahin einen schönen Sommer Euch!

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  2. Regine Franck

    Liebe Greta
    gestern Deinen Blog gefunden (in der Schweiz ist es DER Blog) und von vorn bis hinten durchgelesen. Dota Kehr gehört. Die Elfjährige und den Achtjährigen bei Filmen erkannt. Sehnsucht nach Berlin gekriegt.
    Mehrlesenmöcht
    r

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