Ankommen

Meine Söhne und ich sind ein eingespieltes Reiseteam. Das fängt morgens schon an, der Elfjährige bringt alle Mülleimer raus, trägt alle Grünpflanzen in die Küche und trocknet Geschirr ab, der Siebenjährige hilft, auf dem Balkon zu gießen. Ich habe am Ende noch Zeit, um ein bisschen Willkommensaufräumen zu machen und wir kommen rechtzeitig los, um noch eine GeoMini zu kaufen. 200 Minuten lang schippert die Regionalbahn nach Norden; wir stellen uns die vielen anreisenden Mütter und Kinder als Linien auf der Landkarte vor, Strahlen, die von überallher aif einen Punkt zulaufen ; wir steigen um und freuen uns über den ersten Blick aufs Meer. Dann steht da der Klinikbus und von diesem Moment an sind wir ein Teil einer wunderbar wohlgeordneten Routine, die den Mitarbeitenden der Klinik, so stelle ich mir das vor, wie ein endloser dreiwöchiger Murmeltiertag vorkommen muss.

Es sind noch nicht besonders viele Mütter da, vorsichtige Hallos werden ausgetauscht; erste Namen, die wir sofort wieder vergessen, erste Kinder-Krankheitsbilder. Die jungeren Mütter haben sich vorab längst auf Facebook kennengelernt, ich staune, so ist das also heute.

Wir haben Zeit, ans Meer zu gehen; der Siebenjährige muss beim Reingehen noch über den angespülten Tang getragen werden und hat Angst vor den Muschelschalen auf dem Grund; beim Rausgehen stapft er schon selber durch die braune Bandnudelsuppe am Ufer – ich bin glücklich, ich hoffe, dass er hier noch viel mehr Angst verliert. Die Bolognesesauce zum Abendessen kriegt der Siebenjährige nicht über die Nudeln gegossen, sondern extra in einem Schälchen, so freundlich geht man hier auf Wünsche ein. Dafür ist der Elfjährige ganz unglücklich, als er die Schwimmbadzeiten sieht: Nicht wie beim letzten Mal nach Häusern, sondern nach Alter der Kinder sind die organisiert, ohne Mütter, ohne Geschwister sollen die Kinder ab sieben Jahren gehen, dabei wollten wir doch so gerne und gaaanz viel zusammen…

Später sehen wir vom Balkon aus die Sonne über dem Meer untergehen. Von den Nachbarbalkonen werden Hanfyfotos gemacht und an Ehemänner geschickt, die bis eben noch Gepäck durch die Gänge getragen und Kindern Abschiedsküsse gegeben haben. 

Mit der Dämmerung senkt sich Frieden übers Gelände. Keine Pflichten. Stattdessen einladend: Dusche, Strickzeug und Bücher. 

Advertisements

2 Gedanken zu „Ankommen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s