Glasglocke

Wir Kurfrauen sitzen – nein: walken, schwimmen, reden, schlafen, saunieren – hier wie unter einer Glasglocke; haben Auszeit im besten Sinne: kein Bedürfnis nach Nachrichten, weder nach den politischen noch nach welchen von zu Hause; der Handy-Empfang ist sowieso schlecht, WLAN gibt es nur an zwei Stellen im Haus. Ich schreibe – ganz entschleunigt – Papierbriefe und – fast genauso altmodisch – Mails an den liebsten Freund vom Laptop aus, das ich dafür umständlich zur Rezeption schleppen muss. Telefonieren mag ich mit der Besuchsfreundin. Das reicht aus, ansonsten möchte ich weit weg von allem und allen sein.

Als wir in einer Gesprächsrunde unsere Alltagsrollen zusammentragen, kommt viel mehr zusammen als „Mutter“, „Berufstätige“und „Haushaltsfrau“, ein ganzes Riesenblatt voll. Ja, auch die Rollen kosten Kraft, die wir gern ausfüllen, die uns etwas geben. Sie geraten in Zeitkonkurrenz, verlangen uns unterschiedliches zur gleichen Zeit ab, zerren hierhin und dorthin. Hier ist es einfach; den Tag aufteilen zwischen Kuranwendungen, Kindern und eigenen Wünschen. Das Spielen mit den Kindern macht wieder Spaß; die Geduld wächst nach; der Muskelkater vom Sport macht nix und die Lust auf Ausprobieren (Wandern am Wochenende? Wassertreten mit der Gruppe? Auf ein Glas Wein zu den anderen setzen?) kommt wieder, langsam.

Weil soooo viel Druck hier wegfällt, unter unserer Glasglocke.

Eine Woche länger wäre so viel besser, sagen wir Kurfrauen zueinander, beim Essen und beim Sport, am Strand und auf der Sonnenliege. Es geht uns allen so. 

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2 Gedanken zu „Glasglocke

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