Jahreserstwoche

Silvester scheint schon wieder weit zurückzuliegen. Stimmt doch garnicht, weniger als eine Woche ist es her, seit wir um den großen Tisch saßen, die Schwestern und der eine Schwager und die Mitmutter und meine Kinder und ihres. Pünktlich zum Anstoßen kam der Mann der ganz großen Schwester dann auch dazu; den Siebenjährigen hatte ich gegen halb 11 vom Sofa geklaubt und in sein Bett getragen; der Elfjährige bestaunte bis halb eins das Feuerwerk, das vor und hinter dem Haus über die Dächer aufstieg und war fidel.

Drei Tage später klingt die große Schwester am Telefon schon wieder ganz erschöpft; ihr Arbeitseinstieg glich wegen Krankheits- und Urlaubsvertretung einem Kopfsprung. Meiner ist zum Glück eher ein Hineinwaten, weil die Chefs mit ihren Kindern auf irgendwelchen Schipisten unterwegs sind und auch viele Kollegen noch frei haben.

Es gelingt mir, die Zeit in dieser ersten Woche des neuen Jahres zu dehnen, so dass neben den Arbeitsstunden noch ein gemütliches Abschiedsfrühstück mit den verbliebenen Gästen am 2. Januar, ein Kinobesuch (traurig: „Ich, Daniel Blake“), eine lange Telefonier-Nacht mit der Besuchsfreundin und ein Wiedersehen mit der Studienfreundin nebst Jahresrückblick der „Brauseboys“ hineinpassen. Ich gebe mir Mühe, gesund genug zu bleiben, um die Patentante des Elfjährigen am Wochenende zu ihrem lange ausstehenden Wellness-Geschenk begleiten zu können, freue mich am Schnee, den der Wind von den Dächern stiebt, schaffe es, den Siebenjährigen auf einen der vorderen Plätze der aktuellen Warteliste der Bronze-Gruppe des hiesigen Schwimmvereins gesetzt zu bekommen (Training vielleicht ab April – ), trage ein dickes Buch in der Tasche, in das ich mich in jeder ruhigen S-Bahn-Minute vertiefe (Juli Zeh: „Unterleuten“ – ein sich fein spannend anlassender Uckermark-Roman mit vielerlei Perspektiven).

Der Weihnachtsbaum grüßt mich freundlich, wann immer ich zwischendurch kurz zu Hause aufschlage, die Tasche fallen lasse und schlafen gehe; morgens nach frischen Sachen krame, zwischendurch kurz Rast mache.

Nächste Woche dann wieder Alltag. Jetzt halte ich ihn mir noch ein wenig vom Leib.

Advertisements

4 Gedanken zu „Jahreserstwoche

  1. Mitleserin

    Das hast du schön geschrieben – „sich den Alltag noch ein wenig vom Leib halten“ 😉
    Möge uns das in diesem Jahr möglichst oft gelingen!
    Viele Grüße und weiterhin einen möglichst sanften Einstieg in den „ganz normalen Wahnsinn“…;-)

    Gefällt mir

    Antwort
    1. Greta Autor

      Danke Dir! Der sanfte Einstieg ist geglückt – allmählich darf es losgehen mit dem Alltagswahnsinn. Vielleicht bleibt er ja überschaubar und zu bewältigen. Das wünsche ich uns auch – neben den Pausen… Liebe Grüße!

      Gefällt mir

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s