Reisen, Lernen, Trubel und Alleinsein

Bunt waren die letzten beiden Wochen.

Ich habe auf einer Kurzreise nach Weimar den Zugtoiletten-Handtuch-Auffüllmann kennengelert und weiß jetzt, dass Seife ausschließlich von der Nachtschicht mitgeführt und nachgefüllt wird. Ich habe Weimar-Heimweg bekommen, als ich den betagten Fleurop-Boten liebevoll mit Karten versehene Sträuße von der Floristin habe entgegennehmen sehen und noch mehr Weimar-Heimweh, als an der zentralen Umsteigestelle im Stadtzentrum die Fleischereiangestellte in der gelben Kittelschürze aus ihrem Laden kam, um dem Busfahrer einen Kaffee ans Steuer zu bringen.

Ich habe eine Weiterbildung über das „Learning-Management-System“ meiner Firma absolviert, das eine Kursdatenbank mit tausenden von Weiterbildungsangeboten zur Verfügung stellt, und mein Versuch, in meinem „persönlichen Lernprofil“ meine persönlichen Lern-Interessen anzulegen, endete auf sympathisch unvollkommene Weise (denn vollkommene Technik mit vollkommenen Algorithmen wäre mir äußerst unheimlich) mit Empfehlungen für Outlook- und Excel-Einführungen auf Spanisch oder Französisch – für Programme also, die ich beherrsche, in Sprachen, die ich nicht beherrsche.

Wir hatten die ehemalige Nachbarin zu Gast und haben am großen Tisch gemeinsam herrlich zu Abend gegessen; jetzt stehen auf demselben Tisch die regenbogenbunten Kerzen, die wir mit der Patentante des Neunjährigen aus Wachsresten produziert haben – erstmals sind auch welche dabei, für die wir Klopapierrollen als Gußformen verwendet haben, man muss es beim Verschenken ja nicht verraten.
Mit dem Zwölfjährigen habe ich für ein Schulprojekt die Feinheiten der britischen Küche recherchiert; auf dem Balkon ein Ameisennest in der überwinterten Erde entdeckt und vorsichtig – vorsichtig! – auf den Kompost umgesiedelt; den Wecker für Montagmorgen zähneknirschend auf Viertel nach Fünf gestellt, weil der Zwölfjährige für die Abreise zur Klassenfahrt ausgerechnet so dicht nach der Zeitumstellung ausgerechnet schon um 7.15 in der Schule sein musste.

Jetzt ist mein großer Sohn fort – auf der letzten Klassenfahrt der Grundschule. Das Programm ist schön, aber was nützt es dem, der keine Freunde in seiner Klasse hat? Mal wieder suche ich nach Rat für mein mal wieder trauriges Kind, recherchiere über ADHS, hohe Intelligenz und soziale Schwierigkeiten und bange, ob ich genug Zeit, Kraft und Unterstützung (zum Beispiel vom Vater des meiner Kinder – ) aufbringen kann, um meinem Sohn Hilfe zu organisieren.

Weil der Zwölfjährige auf Klassenfahrt ist, ist meine kinderfreie Woche in dieser Woche tatsächlich kinderfrei. Der Vater meiner Kinder kann selber mit dem Achtjährigen zum Arzt gehen, weil kein zweites Kind da ist, das weder mitwill noch den ganzen Nachmittag allein sein möchte. Und schulische Abendtermine gibt es auch nicht. Solche Wochen sind selten.

Zwei Tage lang lasse ich die Finger von der langen Liste all der Dinge, die ich jetzt unbedingt erledigen sollte (wann sonst?), und verbringe die Nachmittage ganz allein. Gehe ein Stück in der Sonne. Setze mich auf den Balkon, bis es kühl wird. Mache mir die Wohnung schön, beziehe mein Bett frisch, telefoniere sehr nett mit der alleinerziehenden Nachbarin, die nur einmal im Jahr Zeit für ein gemeinsames Schwimmengehen, aber auch zwei Söhne hat und vieles so gut versteht. Denke nach. Schlafe, bis die Müdigkeit mir nicht mehr in den Knochen weh tut.

Und freue mich auf die nächste Trubelwoche mit meinen Söhnen.

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