Tagebuchbloggen… im April

WmdedgT fragt Frau Brüllen wie immer am 5. – letzten Monat habe ich den verpasst, aber diesmal bin ich wieder dabei. Wer noch mitgeschrieben hat, findet sich hier.

Der Wecker klingelt heute erst um Viertel nach sechs, denn der Achtjährige hat mittwochs erst zur zweiten Stunde Schule und der Zwölfjährige ist heute morgen noch bei seinem Vater. Ich lese – wie gerade jeden Morgen, das hat sich als Fastenzeit-Ritual bewährt – auf der Toilette einen kleinen Text aus Susanne Niemeyers Buch „Soviel du brauchst“. Sachen zum Anziehen liegen schon bereit, dann mache ich Frühstück, ein hochroutinierter Vorgang: Nachrichtenradio an, Wasser aufsetzen, Trinkflasche für den Achtjährigen füllen, Obst und Gemüse schneiden, Tee aufgießen, Brettchen auf den Tisch, Lebensmittel, Brot schneiden, Brote schmieren, Schuldose zuklappen und mit der Flasche bereitstellen. Meine eigene Tasche packen.

Zwischendurch kommt der Siebenjährige aus seinem Zimmer und umarmt mich kurz; um sieben klopft er vorsichtig am Wohnzimmer an, in dem meine ganz große Schwester schläft. Wir frühstücken zusammen. Nebenher rufe ich kurz den Vater meiner Kinder an und sage dem Großen Bescheid, dass er am Nachmittag zum Klassenraum des Achtjährigen kommen kann; schreibe dem Achtjährigen ins Heft, dass die ganz große Schwester ihn heute abholt, schreibe eine Einkaufsliste.

Kurz nach halb acht gehen wir los, denn der Achtjährige spielt mittwochs gerne noch ein Weilchen mit seinen Freunden, bevor der Unterricht anfängt. Wir trainieren den selbständigen Schulweg: Vor der letzten zu überquerenden Straße verabschiede ich mich und schaue meinem kleinen Sohn noch einen Moment hinterher, weil Loslassen garnicht so einfach ist.

Zehn vor neun bin ich im Büro.

Viertel nach drei fahre ich meinen Rechner runter und schließe die Tür hinter mir wieder ab.

Weil die ganz große Schwester die Jungs abholt, kann ich einen kleinen Umweg fahren und an der Pforte der Arbeitsstelle des liebsten Freundes ein paar am Wochenende bei mir vergessene Dinge für ihn abgeben. Leider ist sein Terminkalender heute so voll, dass an eine Pause zum gemeinsamen Kaffeetrinken nicht zu denken ist. Umso schneller bin ich wieder in der überfüllten S-Bahn und sogar noch vor meiner Schwester und meinen Kindern zu Hause, gerade lange genug, um meinen seeeeehr langsam gewordenen Laptop hochzufahren und – während die drei ankommen – meinen „Im April werde ich…“-Text zu schreiben.
Hinterher hat die ganz große Schwester Malzkaffee für alle gekocht und wir sitzen ein paar Minuten mit dem Zwölfjährigen in der Küche auf den wunderschönen neuen Stühlen, die ich am Wochenende mit dem liebsten Freund aus Lichterfelde Ost herbeigeschleppt habe (…jaja, genau, die beiden mit den vier Kiefernholzstühlen in der S-Bahn am Freitagnachmittag waren wir…). Der Achtjährige hat sich in sein Zimmer verkrochen und bockt, er ist sauer auf den Zwölfjährigen, weil der unterwegs gedrängelt hat, was er allerdings bestreitet. Zwar lässt der Achtjährige sich dazu herab, mit uns zwei Runden Canasta zu spielen – und gewinnt zweimal – aber an einen Friedensschluss mit seinem Bruder ist nicht zu denken. Also schnappe ich mir den Zwölfjährigen und gehe mit ihm einkaufen, während die ganz große Schwester mit dem Achtjährigen untersucht, wie seine Stimme „von außen“ klingt, in einer ins Handy gesprochenen Whatapp-Nachricht.

Dann schon wieder Tischdecken. Um halb sieben sitzen wir beim Abendessen. Hinterher muss der Achtjährige noch zehn Minuten Keyboard üben – dafür lese ich dann auf dem Sofa noch ein paar Seiten aus dem Dschungelbuch vor. Der Achtjährige würde hinterher am liebsten gleich liegenbleiben. Oder aber garnicht ins Bett gehen, bitteschön! Als das maulende Kind ins Bett verfrachtet und besungen ist, scheuche ich den Zwölfjährigen auf, der in seinem Zimmer einen Comic liest und mit dem – wie vereinbart – noch ein paar Englisch-Vokabeln zu üben sind. Auch das auf dem Sofa (ach, ich bin faul), auch er ist hinterher kaum dazu zu bewegen, nochmal aufzustehen und sich Richtung Bett zu bewegen – und weil ich mich zum Schreiben hinsetze, schafft er es, sich in seinem Zimmer noch ein Weilchen still zu beschäftigen, so dass ich das Schreiben immer mal mit – folgenlosen – Rufen wie „Zwölfjähriger? Hast Du deinen Schlafanzug an?“; oder „Zwölfjähriger, bist du jetzt endlich bettfertig?“ unterbrechen muss.

Dann nochmal: Singen, Beten, Gutenachtsagen. Mein Tastengeklapper hat die ganz große Schwester so ermüdet, dass sie schon von Zähneputzen spricht. Und ich fange auch nix großes mehr an. Noch ein Schlückchen Wein vieleicht… Gute Nacht!

 

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2 Gedanken zu „Tagebuchbloggen… im April

    1. Greta Autor

      Ja, das war… interessant. Aber der durchschnittliche Berliner bleibt da ja sehr gelassen, guckt mal vorsichtig hin und dann wieder weg; und sogar der Busfahrer hatte nichts dagegen, dass wir noch mit einsteigen… Ein herzlicher Gruß zurück von Greta

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