Tagesnotizen: 19.4.17

Überall in der Wohnung stehen Schokotiere. Der dicke Borkenhase auf dem Fensterbrett hat goldene Kinder bekommen, ein grünes Huhn duckt sich in ein Filznest, rosa Schafe weiden unterm Osterstrauß. 
Übellaunig sind meine Kinder am Morgen wieder zur Schule gegangen.

Übellaunig werde ich am Abend, weil nichts von dem, was ich gern nicht mehr erledigen müssen würde, mir gelingt: Die Schrauben, die zu dem zu verkaufenden Tripp-Trapp-Stuhl gehören, sind verschwunden; die Datensicherung an meinem maroden Laptop läuft nicht, wie sie soll; die Lieblingsferienwohnung für das Meer-Wochenende im Mai hat sich arg verteuert; auf dem neuen Bewerbungsfoto ist mir die Brille auf der Nase verrutscht und der Blazer schlägt unschöne Falten und den Antrag auf Festsetzung einer verringerten Hortkostenbeteiligung verstehe ich von vorne bis hinten überhaupt nicht.

Der Zwölfhährige soll schlafen gehen, erinnert mich aber im letzten Momenz an die Minuszahlen in der Wetterapp und hilft mir, Sonnenblumen, Dahlienspross, Pelargonienkästen und Kräutertöpfe im Zimmer – rund um mein Bett – in Sicherheit zu bringen.

Zwischen den Kissen wartet mein Buch, „Reading Lolita in Teheran“, von Azar Nafisi. Nur noch die Einkaufsliste fürs Wochenende schreiben, nur noch das Foto bereitlegen, das für die Schule kopiert werden muss, nur noch den warmen Pulli aus dem Bügelkorb ziehen und glattstreichen, das muss reichen. Dann darf der Kopf auf Reisen gehen.

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