Sonne Kälte Sonne

Der April ist flink vergangen.

Begonnen hat er mit einer glücklichen Sonnenstunde im kleinen Gartencafé im Russischen Viertel von Potsdam, auf einer Holzbank neben dem liebsten Freund, mit kühlem Wasser und den Namen alter Apfelsorten im Mund, während der vom Andrang der an diesem plötzlichen warmen Wochenende zahlreichen Gäste überforderte Caféangestellte Kaffemaschine, Tortenheber und Kasse jonglierte und dabei den Flammkuchen in der Mikrowelle schwarzbruzzeln ließ; mit einer Abendstunde im Barberini-Museum bei den Seerosen von Monet und dem Muschelengel von Sam Francis, in dessen bunte Farben man so viel hineindeuten kann, wie man eben Zeit hat, davor zu verweilen.

Weiter ging der April mit dem ins-Warme-und-wieder-hinaus-Tragen der Balkontöpfe; mit Besuchen von der großen und der ganz großen Schwester; mit einem Schwimmbadtag zu Beginn der Osterferien, bei dem der Achtjährige mich damit überraschte, dass er plötzlich sieben Bahnen schwimmen und bis zum Grund des 2-Meter-Beckens tauchen konnte und mit einem Schwimmbadtag am Ende der Osterferien, bei dem der Zwölfjährige die fürs Bonzeabzeichen notwendigen acht Schwimm-Bahnen in viel weniger als den 15 vorgeschriebenen Minuten hinter sich brachte und ich mich soweit unter Wasser wagte, dass wenigstens meine Füße durch die Eingangsguckscheibe des Schöneberger Stadtbades zu sehen gewesen sein müssen. –

Weiter ging der April mit Ostertagen bei der Besuchsfreundin in Brandenburg, Katzenstreicheln, Töpfermarktschlendern und viiiel Schokolade; mit einer großangelegten Motten- und Milbenschutzaktion in den Kinderzimmern und der Wiederanmeldung in der nun schon lange in den Nachbarkiez verzogenen und daher nicht mehr so leicht besuchbaren Bibliothek, von der ich etliche Kilogramm Lesevorfreude nach Hause trug: Quarks! Hawkings Nussschalenuniversum! Acrylmalerei und Collage! Eine Hasenwuschelgeschichte für den Achtjährigen und haufenweise Fragezeichen fürs große Kind! –

Der April endet, wie er angefangen hat: mit Sonne. Ich löse ein, was ich dem Zwölfjährigen zum Geburtstag geschenkt habe – wir fahren nach Lübbenau ins Spreeweltenbad. Diesmal sind die Pinguine garnicht so wichtig, die brüten sowieso, sondern die Rekorde, die wir im Wasserball-hin-und-her-Schießen aufstellen und die verrückten Sprünge, die der Zwölfjährige macht, wenn er es geschafft hat, auf den großen bunten Ringen im Wasser aufzustehen, während ich auf einem Fleck stehe, auf dem die Sonne zwischen den hölzernen Dachstreben ins Wasser herunterscheint, ihr mein Gesicht entgegenstrecke und glücklich bin.

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