Schwapp

Über meinen vorfrühlingsbeflügelten Tatendrang schwappt eine Woche mit den Kindern wie eine Ostseewelle über eine Sandburg.

Die Heimwerkerprojekte liegen auf Februareis, die Winterschuhe des Neunjährigen gehen aus den Fugen und müssen aus dem Restbestand irgendeines längst für die warme Saison bevorrateten Schuhladens ersetzt werden, der Konfi-Unterricht des Dreizehnjährigen beginnt mit einer Mappe voller Ausfüllzettel und einer langen Terminliste, die in den Kalender übertragen werden möchte. Außerdem müssen wir gleich zum Konfirmanden-Vorstellungsgottesdienst gehen.

Dass das große Patenmädchen auf dem Rückweg von Lissabon bei uns Station machen will, habe ich mir aus Versehen für März in den Kalender geschrieben, aber so ganz spontan einen Monat früher ist es eigentlich noch schöner – ich nehme mir einen halben Tag frei, bummle mit ihr durch Kreuzberg, das ich vermutlich vor 15 Jahren zum letzten Mal bei Tageslicht an einem Dienstag gesehen habe; wir kaufen Postkarten, essen am Sonnenfenster in der Marheinekemarkthalle, und etwas Zeit für eine Spielrunde mit den Jungs ist am Nachmittag auch noch.

Den nächsten Abend verbringe ich mit dem Vater meiner Kinder, wir wollen uns mal auszutauschen, ohne dass es um Termine und Erziehungsfragen geht. Noch immer können wir beide so leicht beim anderen die Muster abrufen, wegen denen es damals mit uns nicht funktioniert hat. Trotzdem hoffe ich, dass unser gerade entspannteres Verhältnis anhält.

Was noch?

Auch meine Fastenvorsätze, die sich in diesem Jahr ohne viel Nachdenken angefunden haben, geraten zusammen mit allen anderen Ideen ein wenig in den Hintergrund.
Keine Süßigkeiten zu essen funktioniert zumindest gut, solange keine im Haus sind.
Nur einmal am Tag Fleisch zu essen – um mir bewusst zu machen, wie viel davon ich eigentlich gewöhnlich zu mir nehme und ob es auch mit weniger geht – klappt an den meisten Tagen.
Jeden Tag ein paar Minuten zusätzlich draußen zu sein, ein Stück spazieren zu gehen, mich zu bewegen, kriege ich nicht hin, das ist schade. Dafür war das Fahrrad endlich – endlich – zur Durchsicht und scharrt nun im Keller ungeduldig mit den frisch aufgepumpten Reifen.
Möglichst wenige neue Dinge zu kaufen, scheitert an den kaputten Kinderschuhen und dem lecken Waschmaschinenschlauchende; Teelichtgläser für das traditionelle Kerzengießen mit der Patentante des Dreizehnjährigen müssen auch besorgt werden.

Aber meinen Flur möchte ich renovieren und schön machen, ohne irgendwelche neue Möbel anzuschaffen. Stattdessen wird – so der Plan – ein heruntergewirtschafteter Stuhl abgeschliffen und neu lackiert; der hässliche Rahmen vom Spiegel gleich mit angestrichen und der etwas improvisierte Schuhschrank aus der Familie Ivar mit Kommodenschubladengriffknöpfen aufgehübscht.

Wenn ich… mal wieder Muße habe.

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