WmdedgT – März 2018

Der März beginnt – und schon ist wieder einmal was-machst-du-eigentlich-den-ganzen-Tag-Tag. Frau Brüllen sammelt – nun schon seit 4 Jahren! – wie an jedem 5. die Geschichten und Berichte auf ihrem Blog.

Montagmorgen. Der Wecker klingelt kurz vor sechs, steht leider außerhalb meiner Reichweite und macht auch beide Kinder wach, ehe ich ihn unschädlich machen kann. Der Dreizehnjährige klagt, dass er die halbe Nacht nicht habe schlafen können, weil der Neunjährige ihn am Abend zuvor beim Toben in die Nase gekniffen habe. Da wir ein kleines Montags-in-die-Schule-gehen-Issue haben, atme ich tief durch, verabreiche Arnikakügelchen und rate dem Dreizehnjährigen, sich doch jetzt nochmal hinzulegen und noch eine halbe Stunde zu schlafen.

Bad, Anziehen, Küche. Ich mache Frühstück – zwei Flaschen, zwei Dosen, Obst, Petersilie, Brote zum Mitnehmen; und für unseren gemeinsamen Tagesbeginn Toast, Multivitaminsaft und Vitamin-D-Tabletten. Der Dreizehnjährige kriegt Häppchen geschmiert, damit er trotz Müdigkeit etwas isst, und ich schlage ihm vor, dass ihn ja sein Vater ausnahmsweise zur Schule fahren könnte. Würde er wahrscheinlich auch machen, wenn er nur ans Telefon gehen würde – aber seinen Morgenschlaf in der Woche ohne Kinder lässt er nur ungern ausfallen. Der Dreizehnjährige macht sich also murrend zum Bus auf und ruft keine drei Minuten später an, er sei bei all dem Glatteis nun auch noch hingefallen. Ich atme tief durch und schlage vor, dass er es mit der Schule trotzdem probiert.

Inzwischen muss auch der Neunjährige los, den begleite ich wie immer noch auf dem ersten, ungesicherten Wegstück am Wasser und verabschiede mich dann.

Die 25 Minuten S-Bahn-Fahrt gehören mir. Ich tauche in mein Buch ab – „Die Brandungswelle“ von Claudie Gallay – und möchte um mich herum nichts und niemanden sehen oder hören.

Im Büro gibt es komplizierte und stupide Aufgaben. Ich verbringe den halben Tag schwitzend über einer Frage, von der ich nicht sicher bin, ob meine Lösung die Situation verbessert oder verschlimmert; die andere Hälfte mit copy-and-paste-Vorgängen, bei denen meine Tastatur, seit ich mein Büro mit einem Gast teilen muss, unverschämt laut klappert. Zwischendurch Mittagspause mit Kolleginnen, Hirsepuffer, Gemüse und Geschichten über kranke oder erstaunlicherweise nicht kranke Kinder.

Am Nachmittag ist die Luft draußen mild wie lange nicht mehr.

Ich lese nochmal 25 Minuten in der Bahn, kaufe unser Lieblingsbrot und bin ungefähr zehn Minuten vor dem Neunjährigen zu Hause. Schnell schlüpfe ich in meine Heimwerkerhose und einen alten Pulli und trage den Stuhl auf dem Balkon, den ich gestern abgeschliffen habe und neu lackieren will. So lange die Sonne wärmt, verarbeitet sich der verdächtig flüssige Superduper-Bio-Lack prima; aber als sie nach ungefähr dreieinhalb Minuten hinter dem Hinterhofbaum verschwindet, sinkt die Temperatur und der Lack beginnt am Pinsel zu klumpen. Ich ziehe ins Wohnzimmer um, lasse den Neunjährigen ins Haus, lackiere ein weiteres Stuhlbein und dann noch eins, lasse den Dreizehnjährigen ins Haus und lese dann doch noch mal nach, ob sich der Pinsel irgendwie reinigen lässt.

Während die Kinder auf dem Smartfon des Dreizehnjährigen spielen, räume ich ein bisschen auf, wasche mir die Haare, lege etwas Wäsche, sauge den Staub vom Stuhlabschleifen von der Balkonbank, stelle eine neue Maschine Wäsche an und mache Abendbrot. Hinterher wünschen die Jungs sich noch ein bisschen gemeinsames Fernsehen, also wasche ich noch schnell ab und dann kuscheln wir uns aufs Sofa. Weil auf dem Wohnzimmertisch aber der klebrige Stuhl steht und schrecklich nach frischem Lack stinkt, mache ich hinterher das Fenster wieder auf und flüchte mit meinem Laptop in die Küche. Der Neunjährige muss noch ein Lied für den Musikunterricht üben, der Dreizehnjährige hüpft derweil um uns herum und muss sich für die Projektwoche in seiner Schule in eine Gruppe eintragen – garnicht so leicht, weil – von Biotop-Pflege über „musikalische Farben“ und „physikalische Klänge“ bis hin zur chemischen Analyse von Limonaden und dem Züchten von Kristallen – sooo viele interessante Themen dabei sind.

Ich bringe den Neunjährigen ins Bett und fange an zu schreiben. Der Dreizehnjährige soll sich eigentlich auch schon hinlegen – Schlaf nachholen – muss aber gerade jetzt nochmal dringend in seiner Whatsapp-Klassengruppe nachfragen, ob es nicht doch eine Französischhausaufgabe gibt. Nach mehreren Neins und Weißnichts stellt sich heraus, dass doch noch etwas zu tun ist, und der Dreizehnjährige setzt sich mit seinem Buch und Hefter zu mir an den Küchentisch.

Dann sage ich ihm Gute Nacht.

Aus dem Bad ruft die noch aufzuhängende Wäsche; neben mir liegt meine Näharbeit, ich werde später noch ein paar bunte Blätter aus Filz auf Taschen aus grünem Stoff applizieren, die sich an der Wand befestigen lassen und genauso wie der frisch glänzende – hoffentlich wird das was… – Stuhl demnächst meinen Flur verschönern sollen.

Und dann stelle ich meinen Wecker für morgen, 5.50.

Ein Montag – ganz friedlich, ganz unspektakulär…

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Ein Gedanke zu „WmdedgT – März 2018

  1. Susanne Haun

    Ich sende dir einen kleinen Gruß aus dem Wedding – solche Montage kenne ich noch, wenn ich zwischen den Projekten Zeit habe, vielleicht kann ich mal die Beschreibung meiner jetzigen Montage bloggen 😉
    Liebe Grüße von Susanne

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