Beinahe manische Frühlingsaktivitäten

Noch vor wenigen Tagen trödelten unentschlossene Schneeflocken vor dem Bürofenster Richtung Boden, und ebenso unentschlossen versuchte ich, nach dem Tagwerk einer Winterwoche-mit-Kindern – mit ihren verlorenen Mützen, Schniefnasen, anstehenden Klassenarbeiten und schlechte-Laune-Anfällen beim Doppelkopfspielen – noch ein paar Minuten in meinem Flur das große Renovier-Projekt vorzubereiten.

Inzwischen habe ich die Wände – mit Unterstützung von der ganz großen Schwester – wunderschön „arktisweiß“ gemalert, die Kindergarderobe aus Kindergartenkind-Höhe auf Gymnasiasten-Höhe umgehängt und dafür höchstpersönlich 1a Löcher gebohrt (immer wieder eine Mutprobe, zumal in meiner Wohnung die Elektrokabel in den Wänden nicht verlässlich nach Standard verlegt sind); ich habe meinem alten Schuhregal mit 10 Schrauben das Wackeln ausgetrieben und beim Anschrauben des Schuhschrankes gerade noch den Ärmel meiner Fleecejacke davor bewahrt, mit an der Wand verankert zu werden.

Zwischendrin schenkt der Frühling der Welt einen Sonnentag, und ich springe im T-Shirt auf den Balkon, um da zu putzen, Hornveilchen zu pflanzen, die etwas angewitterte Sitzbank zu lasieren und die Wasserschäden am Blumenbänkchen dilettantisch mit einer weiteren Schicht Bootslack abzudecken.

Dass ich in den letzten Wochen dann und wann auf Minimalismus-Blogs gestöbert habe, ist nicht ganz ohne Folgen geblieben – ich packe mit Feuereifer drei Tüten Kleidung für das drk zusammen, rangiere alte Dosen mit Lasuren aus, deren Reste sich in sonderbare feste und wässrige Bestandteile zersetzt haben und sammle in der Aussortier-Ecke Dinge, die sich vielleicht über das Nachbarschaftsnetzwerk verschenken lassen.

Die Tage können mir gerade nicht lang genug sein, so viel möchte ich tun. Zum Glück liegt ein unterhaltsamer Krimi an meinem Nachtlager – unter dem Hochbett des Dreizehnjährigen (der ist ja nicht da) weil es im Wohnzimmer mal wieder nach Lack riecht und im winzigen Schlafzimmer sämtliche leeren Blumentöpfe und Untersetzer und Blumenkästen und Blumenstäbe aufgetürmt sind und alles etwas erdig machen – so dass ich dann doch zur Ruhe komme.

Unter kleinen Tüten mit aufgeschnittenen Ecken keimen derweil am hellsten Fenster der Wohnung schon Tomaten, Sonnenblumen, roter Basilikum, Dill und Petersilie vor sich hin.
Auf dem Wohnzimmertisch beschnuppern sich zwei Schokoladenhasen; und draußen singen – ganz früh am Morgen, der jetzt schon hell ist – die Amseln.

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