neu

Draußen vor dem Zugfenster wird der Himmel abendblau und die Wolken über dem westlichen Horizont sehen aus wie ein blankgefegter heller Sandstrand mit dunklen Wellen dahinter. Das ist perfekt. Vor mir liegt die Zeitschrift „Pflege und Familie“ – mehr unbekannte Wörter in einem Text habe ich lange nicht mehr gelesen, aber vielleicht wird es Zeit, sie alle zu lernen. Hinter mir liegen – gefühlt ein kleiner Urlaub – ein Tag mit meinem Vater und seiner Frau und ein Tag mit der ganz großen Schwester; Gespräche über Politik und Sinus-Milieus und Beziehungen, über Sofa-Farben und die-jungen-Leute-von-heute und Beziehungen; ein ausgiebiger Besuch im Second-Hand, weil Flanell benötigt wird* und einer im Garten der ganz großen Schwester, um gemeinsam nach Handyvideo-Anleitung die roten Johannisbeeren zu verschneiden; und ganz frisch ein im Leipziger Bahnhofscafè verschwatzter Nachmittag mit dem neuen Leipziger Online-Bekannten, der Komplimente whatsappt, so dass ich stillvergnügt, aber etwas ratlos in den blauen Abend lächele. Ich wünsche mir so oft Dinge, die sich als zu groß für mich herausstellen: einen Garten, obwohl ich geradeso meinen Balkon pflegen kann; einen Sprung vom Dreimeterbrett, obwohl mir schon auf dem Einmeterbrett die Knie so weich werden, dass ich beim ersten Versuch beschämt die klitzekleine Leiter wieder heruntersteige; eine Beziehung mit „immer“ und „zusammen“ und „fest“ im Kleingedruckten, obwohl ich nicht weiß, wo ich sie unterbringen soll zwischen Wechselmodell und Arbeit und Terminen und To-Do-Listen und Gernealleinsein.
Aber die Welt ist heute ein guter Ort. In Magdala wurde -geradenochrechtzeitig – ein Zufahrtsweg zum geplanten Rechtsrockkonzert entdeckt, der sich sperren ließ und der Hambacher Forst darf weiterwachsen, für jetzt. Mein Handy brummt, der Himmel leuchtet noch immer, in der Schwärze darunter fahren gelbe Lichtpunkte vorbei und in meinem Kopf singt Dota eins meiner brandneuen Lieblingslieder: „ich sing und tanz‘ und spring umher/denn die Schwerkraft hält uns fest/doch nicht zu sehr“.
Schon wird Berlin Südkreuz angesagt und heute, das weiß ich, wird das Nachhausekommen schön sein.

*Für eine Aktion dieser Art, mal wieder

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