Das Balkongartentagebuch: Milder Winter, kühles Frühjahr

In diesem Jahr habe ich auf dem Balkon in den dort über den Winter verbliebenen Töpfen allerhand Pflanzen entdeckt, die überlebt oder die sich selbst ausgesät hatten. Die kahlen Stängel der kleinen Malven, die der Vierzehnjährige im letzten Jahr in seinem Kistenbeet hatte, begannen neu auszutreiben. Gleich daneben gab es jede Menge Kornblumenkeimlinge. Im Tomatenkübel standen ein paar winzige Pflänzchen Bienenweide, in den alten Töpfen mit Sonnenhut gab es viele neue kleine Pflanzen, und zwei der Ringelblumen vom letzten Jahr hatten noch Blätter und – tatsächlich – auch jeweils eine Knospe. Auch Pfefferminze, Salbei und Oregano wirkten äußerst lebendig. All das habe ich Anfang März in neu mit Humus gemischte Erde umgepflanzt. Besonders die Bienenweidepflanzen und die Ringelblumen vom letzten Jahr sind seitdem riesig geworden und beginnen zu blühen – jeden Tag warte ich darauf, dass die eine oder andere Biene vorbeikommt. Auch die Kornblumen sind ihren erst im Frühjahr ausgesäten Geschwistern weit voraus und haben schon  Knospen.

Dank eines Serientermins im Handykalender habe ich es im letzten Winter zum ersten Mal hingekriegt, einigermaßen regelmäßig auch die im Keller eingelagerten Pflanzen zu gießen. Die Walderdbeere hat deswegen überlebt, das Wandelröschen (das allerdings eine Sonderbehandlung verlangt und in Nächsten mit unter fünf Grad auch im Mai noch gern in der guten Stube schlafen möchte), auch die Zitronenmelisse und die Fuchsie, von der auch einer der im letzten Herbst beim Zurückschneiden angefallenen Stecklinge Wurzeln geschlagen und auf dem hellen Fensterbrett im Zimmer des Zehnjährigen im April die ersten Blüten bekommen hat.

Wie üblich habe ich viel zu früh mit dem Säen und Vorziehen begonnen und musste manches dann auch zu früh rauspflanzen – die Zinnien, die ich seit dem letzten Jahr zu meinen Lieblingsblumen zähle, sind immernoch mickrig und klein; der Basilikum nimmt irgendetwas übel und kümmert – ungefähr einen halben Zentimeter hoch – seit Wochen vor sich hin. Aber die Tomaten stehen schön gerade, die Petersilie wächst, eine – wenigstens eine! – der kleinblütigen Studentenblumen hat das Keimlingsstadium überlebt und die erste Sonnenblume hat eine kleine Knospe angesetzt. Was sich selbst in der Jahr um Jahr weiterverwendeten Erde aussät, ist immer eine schöne Überraschung: Die Brunnenkresse kommt nun schon seit vielen Jahren unverdrossen ohne mein Zutun wieder; Asia-Salat habe ich entdeckt, Rukola und Kornblumen sprießen in allerlei Töpfen – und die Blätter des Löwenzahns im Lilentopf ernte ich einfach zusammen mit den anderen Kräutern.

Und wir haben gekaufte Pflanzen: Hornveilchen wie jedes Jahr, die herrlich nach Honig riechen; Verbene, Mini-Petunie und Schneeflöckchen im Kastenbeet des Zehnjährigen; Nelke und Portulak-Röschen beim Vierzehnjährigen; zwei Extra-Töpfe Männertreu, weil das leuchtende Blau beiden Kindern so gut gefallen hat und eine herrliche Hängepetunie mit weiß-rosa Blüten, die ich unbedingt über den nächsten Winter bringen und vermehren möchte. Hach!

Die Spatzen übrigens haben seit dem letzten Jahr nicht vergessen, wie gut ihnen rote Melde schmeckt. Die zuerst ausgesäten Pflanzen sind ihnen komplett zum Opfer gefallen. Wir haben nachgesät und auf den Topf ein Gerüst aus diesen Plastikdingern gebaut, mit denen hängende Pflanzen im Blumenladen in ihrem Topf stabilisiert werden. Bisher haben die Spatzen es nicht umgeworfen – aber sie geben auch nicht auf. Immer flattert es, wenn ich die Balkontür aufmache; und bücke ich mich auf dem Balkon und richte mich danach auf, muss ziemlich oft ein Spatz zeternd abdrehen, der meinen Rücken nicht erst genommen hat und im nächsten Moment auf dem Balkongeländer gelandet wäre, um finstere Pläne zur Eroberung der roten Melden zu schmieden.

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Ein Gedanke zu „Das Balkongartentagebuch: Milder Winter, kühles Frühjahr

  1. Nicole

    Wunderbar, die Balkontexte… ich freu mich und staune mit.

    Liebe Grüsse aus Finnland, wo ich mich grade über die endlich aus dem Winterschlaf erwachenden Blümchen freue.
    Nicole

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    Antwort

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