Reste

Nach der Konfirmation hängt noch die Schürze der großen Schwester am Haken und die Augentropfen der ganz großen Schwester stehen im Kühlschrank. Mehrere fremde Paare Gummihandschuhe tummeln sich am Abwaschtisch und die Müslischälchen sind alle verräumt. Nach der Konfirmation purzeln im Wäschekorb Tischkärtchen, halb abgebrannte Kerzen und Gläser mit getrockneten Tomaten und Kräuteroliven durcheinander. Nach der Konfirmation liegt der ganze Wohnzimmertisch voller Gratulationskarten und Geschenke; sammeln sich Links zu in Clouds gespeicherten Fotos und Foto-CDs; quellen Tischdecken und Bettwäsche aus dem Wäschekorb.

Im Kühlschrank sind sieben Päckchen Kräuterbutter, fünf Schachteln Frischkäse, drei offene Milchpackungen, vier offene Packungen Toastbrot; Ajvar, Humus, eine Tupperdose mit Lammbraten und Bohnen, eine mit einem Stück Lasagne und eine mit Gemüsesuppe; ein nicht genutzter Tortenboden steckt hinter den vier offenen Saftpackungen, die noch einen Platz in der Kühlschranktür ergattert haben. Auf dem Kühlschrank stehen mehr offene Flaschen Wein, als ich sonst in einem Jahr anbreche, und die restlichen offenen Saftpackungen und Wasserflaschen.

Nach der Konfirmation essen wir Toast mit Tortenguss, Lammbraten mit Kräuterkartoffeln und tagelang Thüringer Mohnkuchen, der gut gehaltvoll ist und deshalb nur in kleinen Mengen verzehrt werden kann. Dann bin ich ein paar Tage alleine und speise mich langsam von vorne nach hinten durch die Kühlschrankfächer. Beim Pesto und beim Schokoladenkuchenkanten bin ich auch nach anderthalb Wochen noch nicht angelangt; der Vierzehnjährige kommt jetzt wieder zu mir und wir belegen kurz entschlossen den schon etwas hart gewordenen Tortenboden mit Puddingcreme und Erdbeeren. Weil es keinen Tortenguss mehr gibt, rühre ich Himbeergötterspeise an und löffle sie über die fest in den Tortenring gespannte Torte. Kurz danach haben wir Götterspeise auf der Tortenplatte, in der Tortenschachtel, im Kühlschrank und auf dem Küchenfußboden. Nur auf der Torte ist keine.

Ja, wir hatten ein schönes Fest. Mit einem gelungenen Gottesdienst, leckerem Essen, schönen Spielen und Texten, einem über die vielen Geschenke ganz verzückten Vierzehnjährigen und mit Liedern zum Ausklang in der Sommerabenddämmerung.

Und ganz langsam kehrt wieder Normalität ein.

Ein Gedanke zu „Reste

  1. Susanne Haun

    Liebe Greta,
    herzlichen Glückwunsch zur Konfirmation deines Großen und auch ein Gruß mit den besten Wünschen an den selbigen.
    Ach ja! Das Resteessen, das gehört doch zu einer gelungenen Feier dazu 🙂 🙂
    Liebe Grüße und einen schönen Wochenbeginn von Susanne

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    Antwort

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