24.06.2021 – Häkchen machen

Wunderbarer Morgen: Werde vom Regen geweckt statt vom Wecker, kein Kind muss irgendwohin, nur 12 Uhr zum Orthopäden, aber das zählt nicht. Bleibe genüsslich im Bett liegen, lese ein paar Blogbeiträge aus dem Reader, freue mich für die verdurstende Berliner Pflanzenwelt.

Der Orthopäde weiß nichts mehr davon, dass er vor zwei Monaten die Knick-Senk-Füße des Zwölfjährigen für operationsbedürftig hielt und hält uns einen Vortrag darüber, dass so eine OP ja auch gefährlich wäre und nach anderthalb Jahren die eingebrachten Schrauben wieder entfernt werden müssten; so, als wären wir Eltern auf die Idee mit der Operation gekommen und er müsse uns nun wieder davon abbringen. Ich wünschte, ich könnte sicher sein, dass der Sinneswandel des Arztes vom Erfolg der Fußgymnastik ausgelöst wurde, die der Zwölfjährige seit dem Arztbesuch mit der Operationsdrohung täglich gemacht hat, aber der Arzt wirkt leider so, als wäre er heute einfach nicht mit seinem Operationsempfehlungsbein aufgestanden.

Hinterher guckt er die Röntgenbilder meines Fußes an; da ist nichts gebrochen, dafür lerne ich, dass ich drei Sesambeine unter dem linken Fuß habe, was anscheinend ungewöhnlich ist, aber ganz sicher nicht die Ursache meiner Schmerzen, die eindeutig oben auf dem Fuß sitzen und nicht unten drunter. Ein Sesambein, lerne ich im Internet, ist ein in eine Sehne eingebetteter Knochen, der der Sehne mehr Hebelwirkung verleiht. Auch die Kniescheibe ist ein Sesambein, man hat also mehrere davon im Leibe, nur unter dem Fuß normalerweise eben nicht drei.

Fast das gesamte Team ist schon im Urlaub und der erschöpfte Kollege ist krankgeschrieben. Kaum noch etwas zu tun, ich kann in meiner Zielvereinbarung nach erwünschten Einarbeitungen-zu-Vertretungszwecken Ausschau halten und einen Termin mit der jungen Kollegin vereinbaren, die mein Backup für eine bestimmte Analyse werden soll.

Mein beharrliches telefonisches Nachfragen führt dazu, dass mein Fahrrad nun endlich repariert ist und aus der Werkstatt abgeholt werden kann, es hat eine Woche statt der versprochenen zwei Tage gedauert, aber in der sms, die mir mitteilt, dass es nun repartiert worden ist, steht, dass ich das Rad angesichts der gehäuften Reparaturanfragen bitte umgehend abholen soll. Nun gut, hatte sowieso heute Nachmittag nicht viel vor. Ich nicke lächelnd zu den Ausführungen des Fahradreparateurs, der mir nahelegt, dass sich Reparaturen an meinem Rad kaum noch lohnen und ich lieber ein neues kaufen soll und weiß genau, dass ich das noch lange nicht tun möchte. Dann fahre ich mit meinem wunderbaren Rad eine Runde um den Kiez, ein Stückchen Mauerradweg und durch Park und Stadtwald zurück.

Auf dem Tisch liegt ein Fragebogen von der Polizei, denn wir haben auf der Berliner Internetwache eine Online-Anzeige aufgegeben, nachdem der Sechzehnjährige auf dem Weg zur Schule von einem anderen Radfahrer gestreift wurde, der weiterfuhr, ohne anzuhalten und nach dem unsanft vor einem Baum gestrandeten Sechzehnjährigen zu schauen. Glücklicherweise ist nichts weiter passiert, so dass die Anzeige sich eigentlich erledigt hat, das wussten wir zu dem Zeitpunkt – eingedeckt mit Terminen vom Unfallarzt – aber noch nicht.

Esse die vorletzten Kartoffeln und Gemüsepfanne aus dem letzten Gemüse, das noch im Kühlschrank verblieben war.

Häkchen machen.
Noch zwei Tage bis zum Meer.  

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