05.07.2021 – WmdedgT – Urlaub, yeah!

Ort: Ein schwarz-weißes Ferienhaus skandinavischer Bauart an der dänischen Ostseeküste, Falster. Drei hellhörige Schlafzimmer, zwei davon mit Türen zum Garten, ein Schlafboden unter dem Dach, der große Lebensraum mit offener Küche, eine überdachte Holzterasse, ein vor der Terasse grasiges, ansonsten an zwei Seiten mit großen Bäumen bestandenes Grundstück.

Beteiligte Personen: Die ganz große Schwester, der ganz große Schwager, der Hannoverliebste, meine Kinder und ich, Amseln und andere singende Vögel, das Meer.

Der Sechzehnjährige ist gegen sechs schon wach, knarrt die Leiter vom Schlafboden herunter und fährt mit dem Rad zum Bäcker, wo er vor verschlossener Tür steht, weil der Bäcker erst um sieben Uhr öffnet. Als er wiederkommt und die Leiter wieder hinaufknarzt, werde ich wach und lausche eine Weile dem Konzert der Vögel aus dem Garten. Leise, leise zur Toilette. Leise, leise zurück ins Bett, Handy, Blogreader leerlesen, Wetter checken.

Einschlafen kann ich nicht mehr, also steige ich gegen sieben möglichst lautlos aus dem Bett, greife nach dem bereitliegenden Bademantel und der Regenjacke, nehme die Sandalen in die Hand und steige durch die offene Tür in den Garten. Handtuch und Badehose von der Wäschespinne sind feucht. Ich spähe durchs Fenster, ob die ganz große Schwester sich schon regt, aber alles ist noch still. Unter dem Dachfensterchen des Sechzehnjährigen rufe ich leise, aber der Sechzehnjährige will nicht mit mir schwimmen gehen, sondern nochmal zum Bäcker fahren.

Also gehe ich alleine, den kleinen Weg zwischen den Ferienhäusern, die Stufen hoch zum Deich, durch die Dünen und zum Strand. Der Wind kommt vom Meer und das Meer ist heute übellaunig, mit kleinen, unberechenbaren Wellen. Ich lasse Bademantel und Schlafanzug am Strand und gehe schwimmen. Hinterher setze ich mich auf eine Bank in den Dünen, lasse meine Füße von der Sonne trocknen und freue mich an den Gräsern und Blumen, die auf den Dünen wachsen.

Zurück im Ferienhaus mache ich Kaffee und Frühstück. Der Sechzehnjährige kommt mit der großen Brötchentüte, der Zwölfjährige liest schon lange in seinem Zimmerchen, der Hannoverliebste, der ab heute arbeiten muss, stellt schon mal sein Laptop an, der ganz große Schwager steht auf, kurz nach neun frühstücken wir sehr ausgiebig, mit Müslies und Yoghurts, die es hier in Tetrapacks gibt, Kaffee und Tee und Saft und Marmeladen- und Käsebrötchen.

Die ganz große Schwester kommt später dazu, ich habe inzwischen eine Einkaufsliste geschrieben und gehe mit dem Sechzehnjährigen zum Supermarkt im Ortszentrum. Mit unseren FFP2-Masken fallen wir auf, aber der Sechzehnjährige ist noch nicht geimpft, da ist mir das lieber. Auf dem Rückweg kaufen wir am Straßenrand noch Petersilie und Erdbeeren, die Mischung aus Mobilbezahlungsoption und Kasse des Vertrauens, die es hier häufiger gibt, gefällt mir, die Beeren sehen herrlich aus.

Am und im Ferienhaus wird gearbeitet und Schach gespielt, es herrscht konzentrierte Stille, nach der mir gerade aber garnicht zu Mute ist, also überrede ich den Sechzehnjährigen, mit mir zum Strand zu kommen. Wir gehen ein Stück am Wasser, wir schwimmen.

Die ganz große Schwester kocht, ich helfe noch ein bißchen, es gibt Mittagessen, inzwischen ist es halb zwei. Brokkoli-Gemüse, Linsencurry von gestern, Reis. Sehr fein.

Die Jungs dürfen sich nach dem Essen mit ihren Smartfons zurückziehen, der Hannoverliebste kocht sich einen Kaffee und arbeitet weiter, die ganz große Schwester und ich okkupieren die beiden Liegestühle, müssen sie aber dicht ans Haus auf die Terasse stellen, weil es tröpfelt. Ich schaue in die Bäume und schlafe tief und fest ein.

Als ich wieder wach werde, bin ich ein bisschen neben mir, der Kreislauf schläft noch; kein Wunder, dass ich, als ich den Liegestuhl ein bißchen von der Tür wegstelle, aus Versehen beim Wiederaufsteigen mit dem ganzen Stuhl umkippe, die Stangenkonstruktion über mir zusammenklappt und ich mir den Ellbogen auf dem Boden aufschramme, zum Glück nicht mehr – und wir haben reichlich Pflaster und Jodsalbe.

Meine Schwester verarztet mich und bringt mir Kaffee und Kuchen. Der Hannoverliebste macht Feierabend. Wir spielen eine Runde Doppelkopf mit den Jungs, anschließend wollen die Jungs mit den Männern zum Fußballplatz, was aber dadurch verkompliziert wird, dass der Fußball im Garten der schwedischen Nachbarn liegt, die uns schon seit Tagen kritisch beäugen, weil ihnen, vermuten wir, unser Ferienhaus gehört.

Die ganz große Schwester und ich warten nicht ab, wie der Zwölfjährige und der Sechzehnjährige den Ball zurückholen, sondern gehen ans Meer. Und schwimmen. Wir sitzen noch eine Weile auf der Decke, lesen, schreiben. Mit dem beginnenden Regen kommen wir, fast gleichzeitig mit den Männern und Jungs, zum Ferienhaus zurück.

Vor dem Abendessen lernen der Zwölfjährige und ich noch ein paar Minuten Dänisch mit der Sprachlernapp – wir können schon Sätze wie „Die Enten essen Äpfel“ oder „Trinkst du Milch?“ sagen und freuen uns über jedes neue Wort. Dann Essen. Der ganz große Schwager hat erzählt, dass das Gebäude des Fährhafens Gedser, an dem wir immer ankommen und abfahren, wegen des Films „Die Olsenbande stellt die Weichen“ erhalten wird, der in Teilen dort gedreht wurde, und weil die Jungs den nicht kennen und ich auch nicht, hole ich das Laptop und wir schauen den Film mit viel Freude und ein wenig schwedischer Schokolade an.

Dann abendliches Anstehen vor dem kleinen und dem großen Bad. Jetzt gleich Licht aus.

Alle Beiträge zu WmdedgT finden sich – wie üblich – bei Frau Brüllen.

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