Zweite Schulwoche

Auf die erste Schulwoche folgte sehr dichtes Wochenende: mit Besuch der ganz großen Schwester, einer Spielerunde, einer Wanderung, Essengehen, Schwimmen, einem Balkonstündchen am Abend, einem lustigen Film, dem Downloaden der Sprachlernapp, weil die ganz große Schwester ein wenig Italienisch lernen möchte. Dann noch eine Fahrt aufs Land zur Geburtstagsfeier des Patenmädchens, die kurzerhand zu einem Schwimmausflug umdeklariert wurde, weil die halbwüchsigen Mädchen keine Lust auf Erwachsene hatten. Zitronenhühnchen mit der Patenmädchenmama und ihrem Mann und schwierige Heimfahrt mit diversen Bahnen.

In der Nacht zum Montag passierte irgendwas mit meiner Halswirbelsäule, der Montag war dann kein besonders großartiger Tag. Kopfschmerzen, Homeoffice, erschöpfte Schulkinder.

Am nächsten Morgen zum Glück Entspannung von Nacken, Kopf, Zahn und Gesicht. Ich konnte ins Büro fahren, Kolleg:innen treffen, im Schreibwarenladen Buchumschläge in allen benötigten Größen und Ringhefter in allen benötigten Farben besorgen. Abends dann Elternabend bei der Leistungskurs-Tutorin des Sechzehnjährigen, die ist nett, das könnte gut werden.

Mittwoch nochmal ins Büro, andere Kolleg:innen treffen, viel Austausch. Meinem Mittagessen mit einer lange nicht gesehenen Kollegin schließt sich ein Kollege an und nutzt eine ihm höflicherweise gestellte Frage, um den Rest der Mittagspause über das angeschnittene Thema zu monologisieren. Sehr ermüdend. Gerne nicht wieder.
Nach der Arbeit und dem langen Schultag zwingen der Zwölfjährige und ich uns, nochmal loszugehen, der Zwölfjährige muss nämlich ein Herbarium mit zwölf einheimischen Baumarten anfertigen und dafür Blätter sammeln. Ich lerne, dass es in unserer Nähe Ulmen gibt – trotz Ulmensterben – und wie die aussehen; dass Platanen nicht einheimisch sind und überhaupt viele Bäume ein „americana“ im lateinischen Namen tragen, das sie für das Herbarium vermutlich ganz ungeeignet macht.
Hinterher noch ein bisschen Ärger mit dem Vater meiner Kinder, der mittwochs die Sachen der Kinder nicht mehr abholen will, was aber bei seinem Umzug extra so vereinbart war, der beste Kompromiss, damit die Kinder beide trotz unterschiedlicher Wechseltage ihre Sachen zur richtigen Zeit am richtigen Ort haben und das Wechselmodell funktioniert. Jetzt hat seine Frau den Mittwoch irgendwie anders verplant und ich bekomme keinen Lösungsvorschlag geboten, sondern ein Problem aufgetischt, für das nun tunlichst ich eine Lösung finden soll. Nope.
Später am Abend muss ich dringend mit der ehemaligen Nachbarin telefonieren, bei der wir zum 14. Geburtstag des älteren Sohnes eingeladen sind. Party mit vielen Leuten kann ich noch nicht wieder angstfrei, außerdem ist die einladende Familie aus heftiger Überzeugung ungeimpft gegen Corona. Zum Glück beruhigt mich die ehemalige Nachbarin, die Party wird im Garten stattfinden und die eingeladenen Verwandten seien auch geimpft.
Trotzdem kann ich nicht gut schlafen und träume die ganze Zeit von der Party.

Donnerstag früh verabschiede ich den Zwölfjährigen zu seinem Vater. Nach der schlechten Nacht gehe ich nicht – wie eigentlich geplant – zum Auffrischen meiner Di-Ke-Wu-Impfung, sondern mache piano-piano nur mein Homeoffice. Abends geht es mir zum Glück besser, ich erfülle mir einen Wunsch von der Sommerwunschliste und gehe in die Sauna, in einem Spa, in dem es ganz viel Außenfläche gibt und ein großes Außenbecken zum Schwimmen. Unter der Annahme, dass eventuelle Viren hohe Temperaturen nicht überleben, ist das eine Unternehmung, die sich ok und sicher anfühlt. Es ist herrlich, nach fast 19 Monaten wieder einmal zu saunieren.

Freitag nochmal Homeoffice, dann abarbeiten aufgelaufener Kleinigkeiten: Die Krankenkasse will ein Foto für die Chipkarte, Rechnungen sind zu bezahlen, Briefwahlunterlagen zu beantragen (falls man am Wahltag in Quarantäne säße), ein Geburtstagskuchen zu backen, eine Karte zu schreiben, eine Einkaufsliste zu machen. Abends dann mit der Patentante des Sechzehnjährigen im Treptower Park unterwegs, wir setzen uns in den Biergarten auf der Insel der Jugend und genießen einen Sommerabend, der sich beinahe normal anfühlt.

Samstagmorgen Einkauf, Wäsche und Haushaltskram, Hühnersuppe für nach-der-Zweitimpfung-des-Sechzehnjährigen vorkochen, nachmittags Geburtstagsparty. Bin nach wie vor kein Partymensch, schaffe es aber, niemandem mit meiner Angst vor einer Ansteckung mit Corona den Tag zu verderben und meine Kinder feiern unbeschwert den Geburtstag ihres Freundes. Vermutlich sind doch mehr Erwachsene ungeimpft als gedacht, aber es gibt keine Grundsatzdiskussionen und ich bleibe die ganze Zeit im Garten. Abends bringe ich meine Kinder noch bis zur Straßenbahn, mit der sie zu ihrem Vater zurückkommen. Zur Belohnug für den anstrengenden Tag hinterher noch ein seichter Film. Unangenehme Entdeckung: das LAN-Kabel scheint den Geist aufzugeben. Muss bis zum nächsten Homeschoolingblock ersetzt werden, sonst klappt das hier nicht mit dem Videounterricht.

Dann endlich Sonntag. Die Sonne scheint, ich könnte am Vormittag schwimmen gehen, aber ich entscheide mich dagegen, mache den Balkon schön und gieße die Blumen, fange an, den kaputtgeliebten Hasi des Zwölfjährigen zu reparieren, und Sachen für den Radelurlaub mit dem Hannoverliebsten zusammenzutragen. Um 11.30 treffe ich den Sechzehnjährigen und wir gehen zum Impfzentrum in der Arena Berlin. Leider haben wir einen Termin erwischt, an dem sich halb Treptow noch schnell impfen lassen möchte. Weil man auch ohne Termin kommen kann, ist die Personalplanung im Impfzentrum suboptimal, wir brauchen anderthalb Stunden, von denen wir die meiste Zeit in Wartebereichen sitzen oder in Schlangen stehen. Aber hej: Kind geimpft. In zwei Wochen ist der Sechzehnjährige geschützt! Dank der deutschen Bürokratie müssen wir Krankschreibung – falls er Fieber bekommt – und Sportbefreiung – auf alle Fälle – dann doch beim Arzt besorgen. Da hätten wir zum Impfen eigentlich auch gleich zum Arzt gehen können. Auch die Erstellung des digitalen Impfpasses funktioniert im Impfzentrum ausgerechnet heute nicht, so dass wir noch einen zusätzlichen Weg zur Apotheke vor uns haben.

Wenig Hoffnung, dass die kommende Woche ereignisärmer wird, dabei wäre das schön. Immer (meistens, zum Erinnern reichen fünf Minuten Radionachrichten) im Hinterkopf, wie dankbar ich sein kann, diesen ganz normalen, superanstrengenden Kleinkramalltag zu haben.

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