Auszeit mit Herbstlaub

Waldhäuschenurlaub, die 10. Schön war das wieder. Aufreibende Anreise allerdings, wir wollten schlau sein und mit unserem vielen Gepäck nicht in zehn Minuten vom Bahnhof Templin fünfhundert Meter zum ZOB Templin laufen müssen; die Bahn-App versprach einen viel kürzeren Weg bei längerer Umsteigezeit in Hammelspring – ja, das heißt da so – Bahnhof, dort aber fuhr der Bus nicht die in der Bahn-App auf der Straßenkarte von Hammelspring deutlich eingezeichnete Haltestelle an, sondern auf der etwas entfernten Landstraße einfach an uns vorbei. Trotz Winken und Rufen. Merke: Immer der Wirklichkeit mehr vertrauen als dem Internet, wenn da kein Haltestellenschild steht, ist da vielleicht keine Haltestelle, egal was die App behauptet. Eine sehr nette Frau hätte uns beinahe die letzten 20 Kilometer in ihrem Berliner-Umlandleben-E-Auto gefahren, hatte dann aber doch nicht mehr genug Strom in der Batterie und hätte erstmal nach Storkow fahren müssen, zum Laden. Also mussten wir in den nächsten Zug nach Templin steigen, wo etwa drei Stunden später nochmal ein Bus gefahren wäre. Internet war in dem Moment dann wieder nützlich, nämlich um herauszufinden, dass Templin über einen Taxibetrieb verfügt; es gab sogar einen Fahrer, der Zeit hatte.

In unserem Häuschen war es dann schön wie immer. Ich habe ja nichts dagegen, neue Orte kennenzulernen, aber ich erhole mich am besten, wenn ich irgendwo ankomme und mich zu Hause fühle, die Jacke an den vertrauten Haken hänge, eine Tasse aus dem Schrank nehme und mir Kaffee koche, mit den Jungs den Weg um den See gehe, auf dem wir quasi jeden Baum kennen, an der Badestelle vorbei, wo es die schönsten Fliegenpilze gibt, ums Eck bei der guten Maronenstelle, an den drei Butterpilzen entlang zurück auf den Weg ins Dorf, wo die Steinpilze am liebsten wachsen. Und genau so war es dann auch.

Zum ersten Mal waren wir in diesem Jahr die ganze Zeit über zu dritt alleine, das war aber ok. Morgens in den Wald, die vertrauten Strecken gehen, neue Wege erkunden. Nachmittags Fußballplatz für die Jungs und Sofa für mich, sogar Briefeschreiben war drin. Abends gemeinsames Spielen und Reden und Rätseln und Matheolympiadeaufgaben-zur-Übung lösen und Reinhören in Brehms Tierleben, dazu hatte mich der wunderbare Buddenbohm-Blog inspiriert. Frühstück und Abendessen im Speisesaal, 3G war die Vorgabe, Masken nur am eigenen Tisch absetzen, wir haben darauf vertraut, dass das funktioniert; ich wollte endlich einmal wieder keine Angst haben, sondern einfach nur Urlaub.
Der Sechzehnjährige hatte sein Ladekabel zu Hause vergessen und der Zwölfjährige sich sowieso einen handyfreien Urlaub vorgestellt, also haben wir gleichmal digital entgiftet, jedenfalls die Kinder.

Jetzt wieder zu Hause. Gefühlt sehr, sehr weit weg gewesen, mindestens im Kopf.

Gelernt: Was ich für Stechäpfel hielt, sind Igelgurken. Pilze sind keine Pilze, sondern die Fruchtkörper von Pilzmyzelen, wusste ich ja auch schon und erkläre ausgiebig, was der Unterschied zwischen Umgangs- und Fachsprache ist. Kinder, die mich trotzdem verbessern, wenn ich „Pilz“ sage, sind Wortpolizisten. So ist das.

2 Gedanken zu „Auszeit mit Herbstlaub

    1. Greta Autor

      Ja, das finde ich auch beides sehr gut. Und die Sternenhimmel… hab ich in meinem Text ganz vergessen, dass wir auch Sterne gucken konnten… ach, bin immer traurig, wenn wir wieder in die Stadt müssen. Die Natur fehlt mir sehr. Ein Gruß zurück für Dich!

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