Am Ende der Kraft noch so viele Pläne übrig

Zurückkommen aus dem Waldurlaub hatte ich mir leichter vorgestellt, einfach nur traurig – aber dazu kam dann ein absolutes Stimmungs- und Körperverfassungstief, Extrem-PMS vielleicht, was auch immer. Also Streit mit dem Sechzehnjährigen (mein Umgang mit seinem eher nicht überaufgeräumten Zimmer kann geradezu als Gradmesser für meine Stimmung dienen, ich sollte morgens jeweils einmal hineinschauen und könnte gut vorhersagen, wie mein Tag wird); und dann musste ich meine Pläne für die zwei „kinderlosen“ Tage am Anfang der Woche ziemlich zusammenschmelzen, nix mit Sauna, nix mit Second-Hand-Bummel, dabei waren beides langgehegte Wünsche von mir gewesen. Wenigstens die sozialen Aktivitäten auf kleiner Flamme gerettet, ein Spaziergang mit dem liebsten Freund, ein kleiner spontaner Kaffee mit der Mitmutter, ein langes Telefonat mit einer Studienfreundin. Und natürlich Arbeit.

Mittwoch war dann viel besser. Zwar erschien der Reinigungshelfer nicht, sagte auch vorher nicht ab; schnippelte die Friseuse eher lieblos und mit mäßigem Wow-Effekt meine Haare auf präsentable Länge zurück; rutschte ich auf nassem Laub aus und stürzte aufs linke Knie – aber ich fühlte mich nicht mehr so schlecht. Und der Hannoverliebste reiste an, das war auch sehr schön; übernahm den Einkauf und bestellte schon mal Essen beim Lieblingsinder (schon fast eine Tradition für seine ersten Abende in Berlin), während ich noch am Online-Sportkurs teilnahm, zum Glück ohne größere Einschränkungen vom Sturz.

Zwei Tage gemeinsames Homeoffice, Alltagseinüben, gemeinsames Kochen und Reden und Fernsehen und Einschlafen; draußen Sturm, der die Hinterhofbäume zaust, ich bange um den herrlichen Spitzahorn, dessen Blätter gerade all das Licht zurückstrahlen, das sie im Sommer aufgefangen haben. Aber er hält. An der Straße, eine Ecke weiter, bricht die Krone einer großen Kastanie ab; wir sehen die Äste, als die Polizei sie schon zur Seite geräumt und mit Absperrband gekennzeichnet hat; hoffentlich ist außer dem Baum niemand zu Schaden gekommen.

Es dämmert, als ich gegen Abend den Kater der anderen Mitmutter versorgen gehe; in ihrer Wohnung muss ich schon Licht machen, auf ihrem Balkon hat der Sturm einen Blumentopf vom Tisch gewischt und eine Haltestange vom Katzennetz aus der Verankerung gerissen. Es ist dunkel, als ich mich auf den Heimweg mache. Von der Straße aus sehe ich das Licht in den Fenstern meiner Wohnung, das fühlt sich warm und gut an.

Fürs Wochenende schon wieder sehr, sehr viele Pläne. Die schönste Jahreszeit fürs Wandern an Brandenburger Seen, die letzte Gelegenheit in diesem Jahr für die langverschenkte Draisinentour. Mehr Pläne als angekündigte Wärmegrade. Aber vielleicht reicht die Kraft dieses Mal aus.

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