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Work hard, play Wordle, strick Socken.

Die Woche ist vorbeigerutscht, es ist nicht viel von ihr übriggeblieben. Ich habe sehr viel homofficegearbeitet, viele Stunden jeden Tag, so ist das in dieser Jahreszeit. Da es sich sowieso um das zweite Januardrittel handelt – nach dem ersten Drittel, dem der Zauber des Anfangs innewohnt und dem dritten Drittel, dem die Geburtstage meiner Kinder nebst aller mit Lieblingskuchen, Partys ( präpandemisch) und Geschenken verbundenen Vorbereitungen innewohnen, war das auch ok. Das zweite Januardrittel soll ja sowieso nur vorbeigehen, damit am Horizont der lichtere Februar auftaucht.

Wordle bewährt sich als Einstiegsfreude für den Tag, auch der Zwölfjährige rät morgens um Viertel Sieben gern mit. Sockenstricken bewährt sich als abendliche Entspannungstätigkeit, es dürfen Wunschfernsehsendungen der Kinder dabei laufen, das ist ok, ich habe das Gefühl, etwas zu erschaffen, an dem man sich hinterher ganz greifbar freuen kann, das brauche ich gerade. Sollte das ganze noch exzessivere Züge annehmen, muss ich allerdings Leute finden, die noch gestrickte Socken benötigen.

Nach den Samstagsüberstunden reicht die Zeit immerhin für einen Waldspaziergang mit der anderen Mitmutter, es gibt beinahe Sonne, einen trockenen Baumstamm, Kaffee. Nach den Sonntagsüberstunden gehe ich alleine raus, heute ist der Wald so gritzegrau, dass ich lieber an der Straße entlang laufe, immer geradeaus, ich könnte auf dieser Straße immer weiter bis ungefähr zum Fernsehturm laufen, wenn ich bloß nicht so schlimmen Muskelkater von einem Video-Sportprogramm hätte, das eigentlich 22 Tage lang gehen soll, bei mir aber mindestens zwei Monate dauern wird, weil ich mich nach jeder Folge erstmal vom Muskelkater erholen muss. Ich laufe also nur ein Stück geradeaus an der Straße entlang und biege dann ins Wohngebiet ab, suche mir Schleichwege zwischen den Häusern, Wohnblocks aus den 30er Jahren, aus den 40er Jahren, Plattenbauten aus der DDR, mir gefällt es, dass hier die Wohnkonzepte und Baustile aufeinandertreffen, mit viel Grün dazwischen und Gärten. Nur ein neuentstandener Hausklotz – ganz sicher mit teuren Eigentumswohnungen – gefällt mir garnicht, dem fehlt die Bescheidenheit der älteren Wohnblocks, die mit der Gleichförmigkeit ihrer Balkone und Wohnungen für mich auch von der Idee der Gleichheit der Menschen erzählen. In dem neuen Wohnblock hat die eine Wohnung eine Dachterasse, die andere einen großzügigen Balkon, die dritte einen besonders schönen Erker und die Sozialwohnungen unten nichts von alledem, und Gärten für die Bewohner gibt es auch nicht, stattdessen wurde wahrscheinlich eine Grünfläche zugebaut, die es vorher an dieser Stelle gab.

Später komme ich an die Straße zurück. Irgendwer hat an zwei gegenüberliegenden Bushaltestellen Scheiben zertrümmert; irgendwer hat „Wahndemie“ auf den Boden gesprüht. Ich weiß nicht, ob das Zertrümmern von Bushaltestellenscheiben eine kathartische Wirkung hat, ich habe es noch nicht probiert, ich halte ja viel davon, dass Dinge im öffentlichen Raum unbeschädigt sind.
Neben der Freebox in meiner Straße stand gestern ein großer Babykorb aus Weidengeflecht, mit einem Plastiksack und einem Schild „Zu verschenken, Bezüge frisch gewaschen“. Heute ist der Korb verschwunden, der Sack aufgerissen. Der Nieselregen hat die Bezüge durchtränkt.
Berlin deprimiert mich manchmal sehr.

Zu Hause führe ich eine kleine Wohnungsputzaktion durch und koche vor; es geht nichts über ein vorgekochtes Essen, wenn es im Homeoffice nicht für eine ordentliche Mittagspause reicht. Ein Curry aus Rosenkohl und Möhren; ein Salat aus Chinakohl, Lauchzwiebeln, roten Linsen, Ananas und Nüssen. Der Hannoverliebste hat heute auch Homeofficeüberstunden gemacht; als er fertig ist, zeigt er mir am Telefon die Pfanne auf seinem Herd, in der Kassler und Sauerkraut schmurgeln.
Fernbeziehung deprimiert mich manchmal auch. Jetzt zusammen essen, wie viel schöner wäre das. Dieses Wochenende ist neben den Überstunden mal wieder die Pandemie schuld; vor den Geburtstagen meiner Kinder wollte ich das zusätzliche Ansteckungsrisiko einer Zugfahrt nicht eingehen, die rote Kachel vom letzten Mal ist noch nicht mal aus der Warnapp verschwunden.

Ein wenig doomscrolling über die Berliner Corona-Zahlen – alle paar Tage müssen die Grafiken mit den Neuinfektionen nach oben erweitert werden, mein Homeofficeschreibtisch steht im Auge des Omikron-Orkans, sozusagen. Der erste Coronafall im engeren Freundeskreis. Ich würde der Betroffenen gern einen Orden verleihen, denn sie koordiniert aus der Isolation in ihrem Schlafzimmer heraus per Handy das Homeschooling ihrer beiden wegen ihrer – symptomatischen! – Erkrankung quarantänierten Kinder, das muss man sich mal ganz praktisch vorstellen; der Mann ist nämlich geboostert und geht daher weiter zur Arbeit.

Die Geburtstage meiner Kinder noch feiern, ohne Quarantäne.
Die anstrengenden Arbeitswochen noch bestehen, ohne Erkrankung.
Wieder nach Hannover reisen, trotzdem gesund bleiben.
Hoffentlich.

Rote Kachel

Ausgerechnet am Nachmittag nach meinem Büro-Tag – trotz Ansteckungsrisiko in der S-Bahn sehr wichtig für mein psychisches Wohlbefinden, ich lerne in diesem Winter, das in meine Risikoabwägungen mit einzubeziehen – meldet sich zum ersten Mal in all der Zeit die Corona-Warnapp zu Wort.
Anscheinend saß auf der Zugfahrt von Hannover nach Berlin am letzten Wochenende jemand in meiner Nähe, der am Mittwoch ein positives Corona-Testergebnis hatte. Leider sagt die Warnapp nicht, wie nah bei mir die Person saß und wie lange. Auch nicht, ob sie geimpft war, bloß bei einem Routine-Test von ihrer Infektion erfahren hat oder nun richtig krank ist.

Die Warn-App schlägt vor, dass ich mich 14 Tage isoliere und einen pcr-Test mache, dabei muss ich als geboosterte Kontaktperson ohne Symptome ja eigentlich noch nicht mal mehr in Quarantäne – ? Ich durchschaue die Regeln nicht, ich mache einen Selbsttest, der ist negativ, ich rufe in der Apotheke an, aber die macht keine pcr-Tests, ich rufe den Hausarzt an, aber die Sprechstundenhilfe bleibt eisern dabei, dass sie nicht bereit ist, den Arzt zu fragen, ob er in dieser Situation einen pcr-Test bei mir machen würde, sondern dass ich in die Praxis kommen müsse, um diese Frage zu stellen, was ich aber extrem ineffizient finde, weil ich mich und andere vielleicht gefährde und dann noch nicht mal getestet werde. In ein Testzentrum des Berliner Senats möchte ich gleich garnicht, weil dort ja sicherlich alle wirklich coronapositiven Menschen zum Test hingehen.

Weil der Zwölfjährige am übernächsten Tag von seinem Vater zu mir kommen und der Sechzehnjährige am Wochenende geboostert werden soll, möchte ich trotzdem gerne wissen, ob ich mich angesteckt habe. Ich buche mir also einen Selbstzahler-pcr-Test. Der Schnelltest vorab ist auch wieder negativ, das ist beruhigend. Aber für die nächsten roten Kacheln ist das keine Lösung, das ist einfach zu teuer.
Als ich einen Termin beim Orthopäden verschiebe, weil mein pcr-Ergebnis noch nicht da ist, und die Situation am Telefon schildere, meint die dortige Sprechstundenhilfe, dass sie die Warnapp nicht benutzt, um genau in diese Situation garnicht erst zu kommen.

Das pcr-Ergebnis am nächsten Tag ist negativ, ich bin wohl noch einmal davongekommen. Unterdessen steigen die täglichen Neuinfektionen in Berlin auf neue Höchststände, werden Kinder in den Klassen meiner Söhne positiv getestet (hätten sie die Warnapp, würden sie also auch die eine oder andere rote Kachel sehen), guckt der Januar dunkelgrau und selbstzufrieden durch die Fenster zu mir herein und sieht aus, als ob er nie enden würde.

Die Tage füllen sich mit Kleinstereignissen. Eine Leuchte im Flur muss repariert, ein paar Weinachtssachen können weggepackt werden. Ich koche Nudelsauce für den Sechzehnjährigen, ich lege Wäsche zusammen und höre dabei Herrn Drosten zu, der die Omikron-Welle erklärt. Beim Frühstück wordeln der Sechzehnjährige und ich gemeinsam, wir sind nicht besonders gut, aber es macht uns Freude. Der Zwölfjährige kommt nach zweieinhalb Wochen wieder zu mir und ist ein ganzes Stück gewachsen, zwei neue Sweatjacken müssen bestellt werden. Die erste Stricksocke ist fertig, die Erwerbsarbeit wird saisontypisch hektischer; der Weihnachtsbaum verliert Nadeln, wenn man ihn zu fest anschaut.

Es geht uns gut.

Das macht die Pandemie

Die erste Woche des neuen Jahres vergeht sanft und uneigentlich. Eigentlich hätte ich sie ja in Hannover verbracht, aber wegen Erkältung des Hannoverliebsten dann irgendwie doch erstmal die ersten Tage in Berlin, zusammen mit dem durstigen Weihnachtsbaum und dem fast leeren Kühlschrank.

Allmählich ging es dem Hannoverliebsten besser, am Donnerstag – und nachdem er das dritte negative Schnelltestergebnis hatte – wagte ich es dann doch, zu ihm zu fahren, schon weil ich nicht wusste, ob ich es in zwei Wochen noch wagen werde, in einen Zug zu steigen, gerade weiß man ja nicht so viel über in zwei Wochen. Also Büro in den Rucksack, Buch, Strickzeug, Vitamin-B-Kapseln und Wechselwäsche in den Koffer und los. Sie hätten uns sehen sollen, abends auf dem Sofa beim Nachrichtengucken oder in der Küche beim gemeinsamen Hühnersuppekochen: mit Abstand und OP-Masken, sicherheitshalber. Sowas macht die Pandemie mit einem.

Beim Spazierengehen guckte ich sehnsüchtig in alle Restaurantfenster und jammerte, wie gern ich mal wieder essen gehen möchte, mit Drinsitzen und Kerzen und so. Auch das macht die Pandemie. Aber das muss noch warten; immerhin fuhr ich am Samstag ins Stadtzentrum, um einen neuen Reise- und Einkaufsrucksack zu kaufen, nachdem der alte nach 25 Jahren an gleich mehreren Stellen kaputtgeht – und ich habe tatsächlich einen gefunden.

Beim Zurückfahren nach Berlin eine lange Liste all der Dinge geschrieben, die ich dieses Jahr machen möchte. Die Restaurantbesuche stehen ziemlich weit oben, zusammen mit Kino und Sauna; aber da ist natürlich auch meine Weiterbildung und dass ich im Job sehr viel lernen werde, hoffentlch. Da stehen ein, zwei kleine Wäre-mal-nötig-Projekte; einige Selfcare-Punkte – und dass ich meinen Söhnen Stabilität bieten möchte, was bedeutet, dass sich nichts grundlegend verändern wird, nicht Stadt, nicht Job, nicht Wohnung. Es ist noch nicht die Zeit dafür. Um so wichtiger die Reisen, die Auszeiten, mal sehen, was da geht. Und kreativ möchte ich mal wieder sein; das erste Projekt ist in Arbeit, ich stricke Corona-Socken aus Hundertwasser-Wolle, die erste wächst ein wenig, während der Zug durch die Dunkelheit in Richtung Berlin rollt. Auf der anderen Seite des Ganges sitzt ein Mann mit einem kleinen Hund auf dem Schoß; der Hund hechelt vor sich hin und sieht dabei recht unglücklich aus, vielleicht liegt es daran, dass der Hannoverliebste mir etwas Brot und Käse zum Abendessen mitgegeben hat; Bergkäse, der trotz doppelter Verpackung etwas streng aus meinem neuen Rucksack duftet.

Irgendwann ist der Zug in Berlin und dann ist irgendwann die S-Bahn da und dann laufe ich aus dem S-Bahnhof und reiße mir die Maske vom Gesicht und atme die Berliner Luft tief und glücklich ein. Der rauchige Nieselregenduft kommt mir so köstlich vor wie sonst nur die Waldluft beim Waldhäuschen, jeder Atemzug ein Genuss. Auch das macht die Pandemie.

WmdedgT – Januar 2022

Neues Jahr, neues WmdedgT – wieder an jedem 5., wieder bei Frau Brüllen! Obwohl ich eigentlich nichts Erzählenswertes erlebe, mache ich auch wieder mit.

Der Wecker klingelt um sieben, ich bin beim langsamen Rückgewöhnen ans frühe Aufstehen, damit das irgendwann wieder um 5.45 klappt. Heute habe ich guten Grund, früh aufzustehen, weil ich ins Büro gehen möchte. Erstmal Frühstück, Müsli und Tee, dabei Deutschlandfunknachrichten, Stullen für Mittags schmieren, dann Bad, dann Büro einpacken und Stullen einpacken, dann losgehen, es ist inzwischen etwa 7.45.

Der Gedanke an mein schönes Büro lässt mich die relativ volle S-Bahn ertragen, alle tragen FFP2-Masken, heute niemand dabei, der die Nase raushängen lässt. Es sieht auch niemand so aus, als ob er gerne in dieser S-Bahn ist.

Gegen halb neun wünsche ich dem Pförtner ein gutes neues Jahr und einen guten Morgen und zeige mein Impfzertifikat. Beim Pförtner liegt schon wieder das Stirn-Fern-Thermometer, allerdings scheint es keine Fiebermessplicht zu geben, auch Testen ist freiwillig.

Im Büro kümmere ich mich um den durstigen Gummibaum, dann um Salbeitee und Kaffee, die Milch im Kühlschrank ist am 6. Dezember verfallen, ich rieche lieber nicht daran. Dann kümmere ich mich um meine Arbeit, ich übergebe eine Aufgabe an eine Kollegin, ich bereite ein Thema für die nächsten Wochen vor, ich nehme an einem Termin zur Übergabe von Aufgaben an mich und an einen Kollegen teil. Zwischendurch ein Schwatz mit zwei büropräsenten Kollegen, einer hatte Geburtstag und hat tatsächlich Kuchen mitgebracht, obwohl die Etage bis auf uns drei leer ist. Der Kuchen ist sehr lecker. Später mehr Kaffee, mehr Tee und meine Stullen.

Feierabend kann ich relativ pünktlich machen, also kurz nach drei, diese Woche geht das noch, also packe ich mein Büro wieder in den Rucksack und verabschiede mich. Draußen fällt eine Art Schneegriesel vom Himmel, sehr fein, kaum spürbar. Die Luft ist kalt und herrlich, ich laufe zur nächsten S-Bahn-Station. Dort ist der Lieblingsschreibwarenladen, aus dem brauche ich eine Mappe; und ein Copyshop, dort drucke ich mein Blogarchiv der letzten vier Jahre aus. Dann fahre ich nach Hause, die S-Bahn ist voller als am Morgen, ich lenke mich mit Twitter ab.

Kurz vor fünf bin ich zu Hause, alleine. Die Kinder bei ihrem Vater, die ganze Woche; der Hannoverliebste in Hannover heftig erkältungskrank, sonst wäre ich dort, die ganze Woche lang. Im Flur steht mein Koffer, von Tag zu Tag hoffe ich, noch fahren zu können, so richtig bin ich nicht in Berlin in dieser Woche, das fühlt sich seltsam an, Alleinsein mag ich gerade auch nicht, kein bisschen. Lese zur Aufheiterung etwas mehr Twitter, dann ein Telefonat mit dem hustenden Liebsten; ich sprühe den Weihnachtsbaum mit Wasser ein, damit er noch ein bisschen schön ist, wenn meine Kinder nächste Woche wieder hier sind; dann packe ich schon mal die Geburtstagsgeschenke der Kinder ein und hefte mein Blogarchiv ab.

Es ist schon halb acht, ich bekomme Hunger. Im Kühlschrank ist es ziemlich leer – ich bin ja eigentlich garnicht hier – bis auf einen Topf mit Reis und Linsen, den ich mir für mehrere Tage gekocht habe. Es findet sich noch ein Rest Wirsing, den schmore ich mit Sojasauce an; Reis und Linsen werden mit etwas Blauschimmelkäse und Knoblauch aufgepeppt, zusammen mit dem Wirsing schmeckt das sehr gut.

Hinterher lustlos und müde aufs Sofa; ich lese „Sprache und Sein“ von Kübra Gümüşay aus. Dann bloggen. Vielleicht noch Nachrichten, vielleicht noch etwas Fernsehen. Vielleicht auch das Wohnzimmerkonzert von Dota auf Youtube – und ganz sicher dann schlafen.

Begegnungen

Den Heiligen Abend ruhig verbracht, zu dritt, Wunschabendessen, Sternspiel, große Wünsche wurden erfüllt, die Kerzen am Baum leuchteten, es wurden Lieder gesungen. Zur Christvesper hätten wir uns schon Tage vorher anmelden bzw. draußen im Dauerregen stehen müssen, also nochmal ein Online-Gottesdienst, gestaltet von den umliegenden Gemeinden. Am ersten Feiertag dann strahlender Sonnenschein, ein langer Parkspaziergang an der halbvereisten Spree, ansonsten Gänsebrust und Aufbau oder Inbetriebnahme diverser technischer Geschenke. Am zweiten Feiertag konnte die andere Mitmutter nebst Sohn uns besuchen, nachdem der PCR-Test einer vor Weihnachten positiv geschnelltesteten Kollegin dann doch zum Glück negativ war. Ein Nachmittag mit Kaffee und Plätzchen, Spielen und Lachen, vom Sechzehnjährigen vorgekochten Abendessen und einer kleinen Likörverkostung am Ende.

Nach den Feiertagen reiste der Hannoverliebste an, spielte geduldig mit uns Uno und Carcassonne, trieb uns im Monopoly in den Ruin. Abgang die Jungs zu ihrem Vater, dann waren wir ganz überwiegend mit dem Aufessen möglichst vieler Reste beschäftigt und reisten am 30.Dezember Richtung Thüringen zur ganz großen Schwester. Auch dort ruhige Tage, am Silvesterabend ein Film, ein Spiel, ein wenig Musik und gemeinsames Singen, ein paar Wunderkerzen und ein bisschen Feuerwerk, und alles fühlte sich entspannt und richtig an.

Ein Neujahrsspaziergang nahe Ronneburg, wo es auf dem Gelände des ehemaligen Uranabbaugebietes ein BuGa-Naherholungsgebiet gibt. Industriegeschichte finde ich ja immer spannend, die „begehbare Landkarte“, die an die abgebaggerten Orte erinnert, haben wir dann doch nicht erreicht, dafür die kleine Gedächtniskapelle besucht. Der Hannoverliebste leider zunehmend erkältet, möglicherweise bei meinen Söhnen angesteckt, Schnelltest zum Glück negativ. Trotzdem besuchte ich meinen Vater heute alleine.

Nach langer Zugfahrt nun wieder Berlin. Das Herz weit und gefüllt mit der Weihnachtsfreude meiner Kinder, der Wärme meiner Familie, der Nähe des Hannoverliebsten, dem Lachen der anderen Mittmutter.

Wie sehr wir Begegnungen brauchen. Wie gut sie uns tun.

Keine Neujahrsvorsätze, obwohl ich den Gedanken schön finde, jedes Jahr eine neue Fertigkeit zu erwerben. Dafür den Wunsch nach Raum und Weite, vor allem im Herzen.

Ihnen allen wünsche ich ein gutes Neues Jahr.

2021

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Wegen des Sommers dann doch 5. Der war schön. Die Monate bekommen Einzelwertungen zwischen 2,5 und 8.

Zugenommen oder abgenommen? 
Zugenommen, ein wenig.

Haare länger oder kürzer? 
Länger, weil beim Friseur hier im Kiez despektierliche Bemerkungen über meine Haare fielen – und der Lieblingsfriseursalon eine pandemisch schlecht zu verantwortende Öffiweltreise von hier entfernt ist.

Mehr Geld oder weniger? 
Etwas weniger als 2020, weil es da einen Projektbonus gab.

Mehr ausgegeben oder weniger? 
Ein bisschen mehr, unter anderem weil das Dänemarkhäuschen teurer war.

Der hirnrissigste Plan? 
Trotz Dauerregenvorhersage eine mehrtägige Radtour durchzuziehen.

Die gefährlichste Unternehmung?
Wenn man den Zwölfjährigen fragt: Mein Ausflug mit dem Sechzehnjährigen auf die gefrorene Spree, die nicht polizeilich zum Betreten freigegeben war.

Die teuerste Anschaffung?
Neue Teppiche für mein Wohnzimmer. Sehr, sehr schön.

Das leckerste Essen? 
Die Weihnachts-Gänsebrust nach dem Macht-sich-fast-alleine-und-gelingt-immer-Rezept. Mit Rotkohl und Äpfeln und Kartoffeln.

Das beeindruckenste Buch?
„60 Kilo Sonnenschein“ von Hallgrimur Helgason hat mir gut gefallen – sonst sehr wenig gelesen. Die täglichen Fahrten mit der S-Bahn fehlen…

Der ergreifendste Film? 
Ergreifend waren beide (!) Filme, die ich 2021 im Kino gesehen habe: „Nomadland“ und „The Father“. Wegen des Gesamtsettings (Sicheres Gefühl mit 3G, hinterher Essengehen draußen im schönsten sommerabendlauen Kreuzberg vs. Keinerlei Corona-Kontrolle, hinterher Essengehen draußen unter einer Markise im eisigen September-Dauerregen und mittellange Fahrradstrecke im eisigen September-Dauerregen zum Hotel in Göttingen) gewinnt „Nomadland“ den Preis für das schönste Filmerlebnis.

Die beste Serie
Keine gesehen, die ich besonders gut fand – mein Fernsehkonsum ist gerade stark eskapismusgetrieben.

Die beste CD? 
Zwar schon von 2015, aber dieses Jahr erst entdeckt: „Strange Delight“ von Bukahara.

Das schönste Konzert? 
Das einzige Konzert, das ich zu besuchen versucht habe, war ein Klezmer-Freiluftkonzert im Berliner Körnerpark. Wegen eines starken Gewitters sind wir dann in die Galerie geflüchtet und in der ersten größeren Regenpause mit den Fahrrädern nach Hause gefahren.

Die meiste Zeit verbracht mit…? 
Schlafen, Arbeiten, Sorgenmachen, Essenmachen.

Die schönste Zeit verbracht mit…? 
Mit meinen Kindern, dem Hannoverliebsten, meiner Familie, meinen Freunden – im Waldhäuschen, in Dänemark, im Elbsandsteingebirge, beim Wandern, beim Fahrradfahren. Mit meinem Vater beim Äpfelretten, mit der großen Schwester auf Besuch bei uns, mit dem Hannoverliebsten beim Stadterkunden. Mit der anderen Mitmutter am 2. Weihnachtsfeiertag. Mit den Freundinnen auf Draisinentour im Oktober. Bei dem einen Sauna-Besuch im Spätsommer.

2021 zum ersten Mal getan?
Ein Video-Vorstellungsgespräch geführt.

2021 nach langer Zeit wieder getan?
Eine mehrtägige Radtour gemacht.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? 
Auf monatelanges Homeschooling, auf den Widerstand des Vaters meiner Kinder gegen die Corona-Impfung des Zwölfjährigen, auf das Gemucker meines Backenzahnes seit der Erneuerung der Füllung im Mai, auf meinen nächtlichen Sturz vor ein paar Wochen und das seitdem schmerzende Knie, auf meine Dauermüdigkeit. Ja, das waren fünf. Und auf die ganze verflixte Pandemie hätte ich sowieso gerne verzichtet.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? 
Den Vater meiner Kinder davon, den Zwölfjährigen impfen zu lassen. Hat nicht geklappt. Die andere Mitmutter davon, sich impfen zu lassen. Hat geklappt.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? 
Ganz schwer zu sagen. Jedenfalls habe ich mir letztes Jahr gemerkt, dass die andere Mitmutter gerne einen kleinen Herrenhuther Stern hätte. Den hat sie dieses Jahr zum 1. Advent bekommen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?  
Die Weihnachtsgeschenke meiner Kinder, ganz eindeutig: Eine Fliegenpilz-Kugel für den Weihnachtsbaum und ein volles Dutzend Kugelschreiber, weil die hier immer in Dimensionslöchern verschwinden. Das Schöne und das Nützliche, und vor allem: das liebevolle Bedachtwerden vom Zwölfjährigen und vom Sechzehnjährigen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Ich kümmere mich darum.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Wenn man den Sechzehnjährigen fragt: „Ja, du bekommst ein neues Handy zu Weihnachten.“

Besseren Job oder schlechteren?
Den gleichen. Im neuen Jahr neue Aufgaben, das wird anstrengend und hoffentlich gut.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? 
Nein, nichts gewonnen.

Mehr bewegt oder weniger? 
Weniger, befürchte ich. Viel zu wenig. Das rote Warnlämpchen blinkt…

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr? 
Wenige – es kommt drauf an, was man so mitzählt.

Davon war für Dich die Schlimmste? 
Eine, die ich garnicht hatte, die mir aber viele Pläne geschreddert und sehr viel Arbeit gemacht hat: Zweimaliges vorbeugendes Mitbehandeln wegen Skabies in der Patchworkfamilien-Infektionskette… Dagegen war sogar der Noro-Virus nur eine lustige Kurz-Episode.

Dein Wort des Jahres? 
Geimpft

Dein Unwort des Jahres? 
auf Sicht fahren

Dein Lieblingsblog des Jahres?
Ach, mehrere. Ich lese viele Blogs und viele Blogs sehr gerne. Die frischesten Neuentdeckungen sind Maximilian Buddenbohm und der Landlebenblog. Große Leseempfehlung!

Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr? 
Mehr gemeinsame Zeit als in 2021 mit den Menschen, die mir wichtig sind.

2021 war mit 1 Wort…?
Anstrengend.

Vor dem Fest

Schön war diese Woche.

Die große Schwester und den großen Schwager zu Gast zu haben, habe ich von Herzen genossen: Gemeinsames Essen, Erzählen – auch wenn es für uns alle schwer war, Themen abseits der Pandemie zu finden, die prägt das Leben einfach zu sehr -, Spazierengehen, gemeinsames Spielen: Baptistenskat und Macke und Skyjo und Doppelkopf und Schach…
Ungefähr einen Tag vor dem Besuch war mein Toilettendeckel kaputtgegangen und der große Schwager bot an, einen neuen zu montieren, also machten wir auch einen kleinen Ausflug in den vorweihnachtlich leeren Baumarkt. Dabei habe ich mit Entzücken die Namen der Wandfarben gelesen, da wurde sehr viel in Adjektive investiert und nun kann man seine Wände mit „Ewiges Lichtblau“ streichen oder mit „Ausgeglichenes Piniengrün“, sogar „Ästhetisches Betongrau“ ist im Angebot; man streicht heute ganz offensichtlich mit einem Lebensgefühl oder einer therapeutischen Intervention statt nur mit einer Farbe. Der neue Toilettendeckel wiederum heißt Poseidon und dieser Name sorgt auch ohne Adjektive schon für allerhand Heiterkeit, die mindestens so wohltuend ist wie eine ganze Wohnung in „Gemütliches Wollbeige“.

Auch die drei Tage ohne meine Kinder waren ziemlich ok; Vorbereitungstage halt, auf Weihnachten und aus gegebenem Anlass auch auf die Omikronwelle: Ich habe Päckchen gepackt und verschickt und letzte Geschenke besorgt und eingepackt und viele leckere Sachen eingekauft und geputzt und gearbeitet und Masken und Selbsttests aufgestockt; ein großer Vorräteeinkauf wird morgen noch geliefert. Für einen Tag bin ich sogar ins Büro gefahren und habe dort – sehr traurig, ich mag mein Büro, ich arbeite da auch konzentrierter als zu Hause – die beiden Orchideen eingepackt, die ich vor Beginn der Herbstwelle gerade aus der Obhut einer büropräsenten Kollegin zurückgeholt hatte. Jetzt stehen sie bei mir zu Hause, frisch umgetopft, und ausgerechnet das fühlt sich an wie eine Kapitulationserklärung vor diesem blöden Virus.

Ein bisschen seltsam waren die Treffen mit der Patentante des Sechzehnjährigen und mit dem liebsten Freund – geboostert und getestet bei Plätzchen und Getränken in meiner Wohnung. So recht wollte die Freundschaftsvertrautheit sich an beiden Tagen nicht einstellen; vielleicht haben wir uns viel zu selten gesehen, vielleicht bräuchten wir länger als eine Stunde, um nach den obenaufliegenden Themen zu den wichtigen zu kommen, bei denen wir an das anknüpfen können, was uns verbindet.

Ganz unerwartet klingelte dann noch an einem der Abende die ehemalige Nachbarin und brachte Geschenke für uns alle – und für mich eine Erinnerung daran, dass alles viel komplizierter ist, als man denkt oder in den Medien hört. Die ehemalige Nachbarin ist nämlich Impfgegnerin und trotzdem zugleich eine superhilfsbereite und zupackende Frau. Dass Menschen wie sie das grundlegende Vertrauen in die Wissenschaft und in unsere Regierung so ganz verloren haben, ist sehr, sehr, sehr traurig.

Im Jahresendgespräch mit der Chefin gab es zu meiner großen Freude endlich eine Titelanpassung, in dem neuen Vierwortungetüm steht nun ganz vorne „Senior“. Außerdem übernehme ich demnächst verschiedene neue Aufgaben – beides zusammen Grund genug, um einen Jobwechsel erst einmal bis zum Abitur des Sechzehnjährigen und der Konfirmation des Zwölfjährigen zu vertagen. Während die Kolleg:innen eine nach der anderen offline gingen, habe ich noch gearbeitet, mir aber heute schon einen halben Urlaubstag geschenkt, was eine ganz hervorragende Idee war: Ich habe am Morgen entspannt ausgeschlafen, die Gänsebrust nach dem macht-wenig-Arbeit-Rezept in den Ofen gesteckt und Gymnastik gemacht; habe nach dem extrafrühen Feierabend das letzte Paket zur Post getragen und bin eine Runde durch den Wald spaziert, der sich heute ganz in „Frostiges Graubraun“ präsentiert.

Jetzt kommen meine Kinder an. Die Weihnachtstage beginnen.
Ihnen allen wünsche ich, dass Sie gute und fröhliche Festtage erleben. Und bleiben Sie gesund!

Ausklingen

Nachdem ein schwieriger Termin überstanden ist – einer von der Sorte, die meinen Körper vorab zu tagelangen sinnlosen Panikreaktionen veranlassen – kehrt langsam so etwas wie Entspannung ein.

Der langerwartete Besuch der großen Schwester und des großen Schwagers an diesem Wochenende wird stattfinden können, das ist schön. Niemand krank, quarantäniert oder sonstwie verhindert, alle Erwachsenen geboostert und alle frisch negativ getestet.

Nach dem Wochenende werden meine Kinder für ein paar Tage zu ihrem Vater gehen; aus Gründen waren sie ungefähr vier Wochen lang ununterbrochen bei mir. Soviel gemeinsame Alltagszeit ohne Unterbrechungen hatten wir seit zehneinhalb Jahren nicht mehr. Sie hat uns gut getan, ich bin traurig, dass sie zu Ende geht. Immernoch würde ich lieber heute als morgen mit dem Wechselmodell aufhören; das ständige Hinundher strengt die Kinder an, man mutet ihnen viel zu damit, vielleicht zu viel, über all die Jahre. Aber eine bessere Lösung, auf die der Vater meiner Kinder sich einlassen würde, fällt mir beim besten Willen nicht ein.

Ich verabrede mit dem Zwölfjährigen, dass wir uns jeden Tag per Videotelefonat treffen, wenn er seine Physik-im-Advent-Experimente macht; das war unsere gemeinsame Adventfreude, die soll nun nicht unterbrochen werden.
Und dann feiern wir gemeinsam Weihnachten, meine Kinder und ich; mit Baum und Lieblingsessen und vertrauten Ritualen.

Vorsichtig sprechen der Hannoverliebste und ich über Silvester und entscheiden, dass wir – Stand jetzt und mit allen Vorbehalten – weiterhin den Jahreswechsel bei der ganz großen Schwester und dem ganz großen Schwager in Thüringen verbringen und auch meinen Vater besuchen wollen. Dass meine Kinder hinterher ihre im Dezember verpasste Papa-Zeit nachholen, entlastet mich bei dieser Entscheidung; sollte ich mich auf der Reise mit Covid infizieren, werde ich es vermutlich wissen, bevor die beiden wieder zu mir kommen; ich werde meine Kinder nicht anstecken, sie könnten bei ihrem Vater bleiben.

Alle anderen Sorgen dürfen gerade warten.
Ich brauche jetzt ruhige Arbeitstage, an denen die Kolleg:innen sich einer nach dem anderen in den Urlaub verabschieden; Spaziergänge im Dunkeln durch Straßen mit lichtergeschmückten Fenstern und Balkons; ich brauche jetzt kitschige Filme und jede Menge Geschenkpapier; ich möchte in der Schlange vor der Post stehen, mich mit der Zubereitung von Käsepastete und Gänsebrust beschäftigen, mich auf einen Kaffee oder Tee mit langnichtgesehenen Freunden treffen.    

Stille Zeit. Ja, bitte.

Wiedersehen am Sorgenautomaten

Meine Booster-Impfung habe ich gut vertragen, einen Tag schlapp gewesen, aber kein Fieber. Sehr schön. Weniger nett die Nachwirkungen eines dummen nächtlichen Sturzes, das Hämatom am Knie will nicht so richtig heilen. Sechs Patient:innen werden täglich zur Aktusprechstunde beim Orthopäden zugelassen, ich werde mich wohl in den nächsten Tagen einmal rechtzeitig auf den Weg machen müssen.

Am letzten Mittwoch kam der Hannoverliebste zu uns und blieb bis heute – das war schön, sehr schön. Wir hatten uns aus diversen Gründen viele Wochen nicht „in echt“ gesehen, immer nur am kleinen Handy-Bildschirm. Ruhige Tage: Arbeiten, mittags eine gemeinsame Runde durch den verschneiten Wald, wieder Arbeiten. Abends gemütliches gemeinsames Essen, bei dem sogar der Sechzehnjährige zeitweise Spaß am Zusammensein hatte. Physik im Advent mit dem Zwölfjährigen; irgendwelches Wunschfernsehen, frühes Schlafen. Nochmal ein paar Schritte über den liebsten Weihnachtsmarkt, bei nasskaltem Wetter, das uns schnell wieder nach Hause trieb.

Mit großem Bedauern nicht zu einer Geburtstagsfeier gegangen. Sehr beunruhigt davon, dass in Südafrika vermehrt Kinder mit schweren Corona-Verläufen in Krankenhäuser eingewiesen werden – so jedenfalls Dr. Drosten im Interview. Natürlich alles vorläufig. Aber.

Wie aus einem Kaugummiautomaten ziehen Stress und Kummer sich ihre Anlässe; entfällt einer, rutscht nahtlos der nächste nach; das hat sich in den letzten Wochen unangenehm verselbständigt.

Wie an einer Schnur reihe ich gedanklich die Aufgaben und die Freuden bis Weihnachten vor mir auf. Lieber Besuch; allerlei Arzttermine, viel Arbeit, noch ein paar Tage bei ihrem Vater für meine Kinder, Geschenkelogistik und Einkäufe. Es könnte eine schwierige berufliche Entscheidung dabei sein, die ich nicht gerne rund um Weihnachten treffen möchte.

Schritt für Schritt, sage ich mir. Atmen.

WmdedgT – 5.12.2021

Der letzte 5. eines Monats in 2021 – und Frau Brüllen fragt die Blogger, was sie eigentlich den ganzen Tag lang so machen. Alle Beiträge hier.

Es ist Sonntag, das bedeutet Ausschlafen, das tut sehr gut. Gegen halb neun stehe ich auf und mache Sonntagsfrühstück; meine Söhne lieben diese Knack-und-Back-Brötchen aus der Dose, deshalb gibt es die manchmal sonntags. Außerdem Frühstückseier, ganz klassisch. Auf dem Tisch stehen zwei Teelichtgläser mit adventlichen Motiven; außerdem vier kleine Adventskalender mit Türchen. Wir frühstücken.

Der Sechzehnjährige arbeitet hinterher an einem Vortrag für die Schule; der Zwölfjährige und ich kuscheln uns noch für einen Moment unter eine Decke und gucken das Lösungsvideo für die Freitagsaufgabe von Physik im Advent an und die beiden Aufgabenvideos fürs Wochenende. Während der Zwölfjährige mit Dominosteinen und Garnrollen experimentiert, dusche ich ausgiebig. Weil keiner genug Enthusiasmus für Plätzchenbacken oder Sternefalten aufbringt, sitzen wir hinterher mit Rubic’s Revenge auf dem Sofa.

Mittags bestelle ich indisches Essen für zwei Tage, das darf dieses Jahr so; und während das Essen zubereitet und auf den Weg zu uns gebracht wird, telefoniere ich mit dem Hannoverliebsten. Dann fantastisches Mittagessen. Noch ein paar Minuten Sofa (das Motiv des Ausruhens zieht sich ein wenig durch den Tag, es fällt auch mir auf); dann kommt der Wunsch nach Kaffee, Plätzchen und einer Runde „La Isla Bonita“ auf, das lässt sich alles zusammen gut realisieren.

Gegen vier mache ich mich auf den Weg ins Impfzentrum Karlshorst. Von der S-Bahn muss ich noch in eine Straßenbahn umsteigen, finde die Haltestelle nicht gleich, verpasse eine Bahn und treffe dafür ganz überraschend eine liebe Kollegin. Ein nettes Gespräch, das wir in der Bahn noch fortsetzen.

Das Impfzentrum ist mit vielen Helfern und Ordnern gut organisiert, es gibt eine Schlange für Menschen mit Termin und eine für Menschen ohne; da ich einen Termin habe, werde ich relativ schnell weitergelotst, die Unterlagen werden geprüft, dann erneutes Warten, schließlich sitze ich vor einer Impfkabine, diesmal dauert das Warten länger; als ich schließlich hereingebeten werde, bekomme ich auch die Erklärung: gegen Abend werden die Impfdosen nur noch nach Bedarf vorbereitet, damit nichts weggeworfen werden muss, das dauert offenbar ein bisschen. Alle Mitarbeiter im Impfzentrum sind supernett, zwei Ärzte nacheinander nehmen sich Zeit, mich zu beraten und nach meinen Fragen zu fragen, dann ist der Impfstoff endlich da. Moderna.

Beim Warten nach der Impfung lese ich „Was wir dem Jahr 2021 übel nehmen“ aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, das ist eine sehr gute Lektüre während des Wartens auf einen potentiellen allergischen Schock. Ich bekomme keinen, wünsche den Ordnern eine frohe Weihnachtszeit und mache mich in der Dunkelheit auf den Weg nach Hause.

Zu Hause Abendessen, Abwasch, eine Runde Cluedo und ein paar Minuten auf dem Sofa. Gegen zehn noch ein kurzes Telefonat mit dem Hannoverliebsten, dann Buch (Scarlett Thomas, „Das Ende der Geschichten“) und Bett.