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Der Kur-Countdown: Drei…

Ich war noch nie auf einer Kur!

Nein, stimmt so nicht. Als Kind. Erinnere mich, dass mir immer schon lange vor dem Frühstück vor Hunger schlecht war. Meine Mutter musste mit Zwieback und Schokolade aushelfen, das war toll. Schokolade gab es bei uns sonst selten – und erst recht nicht vor dem Frühstück. Erinnere mich an ein dunstiges Inhalierhäuschen, in dem wir singend im Kreis durch den gesundheitsförderlichen Nebel gehen mussten. Und daran, dass ich dem Mädchen, mit dem ich mich angefreundet hatte, mit dem Ellbogen einen Zahn ausgeschlagen habe. Aus Versehen! Und der wackelte eh schon, wir waren im Vorschulalter – es war also ein bisschen übertrieben, dass die Eltern des Mädchens so ein Theater machten; meiner armen Mutter war das furchtbar peinlich.

Jetzt also eine Kur, in der ich mich darum kümmern muss, dass meine Jungs sich angemessen für alle Zähne entschuldigen, die sie anderen ausschlagen.

Ein paar Wochen dauert es noch. Aber ich habe für die Klinik schon mal ein paar Formulare ausgefüllt. Eine Kur, hieß es da sinngemäß, ist nachweislich am erfolgreichsten, wenn Sie sich auf eine Indikation konzentrieren. Bitte legen Sie hier Ihren gewünschten Schwerpunkt fest: Allergie – Infektanfälligkeit – Schmerzen – psychosomatische Beschwerden – psychische Beschwerden – reine Erholungskur – etc. etc.

Hallo? Schon mal was von Ganzheitlichkeit gehört, da oben an der See?

Leider – leider! – stand auch nicht dabei, welche Konsequenzen meine Entscheidung haben wird. Was hätte ich ankreuzen müssen, damit mir Nordic Walking und Aqua-Fitness erspart bleiben und ich stattdessen tägliche ausgiebige Massagen verschrieben bekomme? Mache auch Kunst- und Musiktherapie freiwillig mit, meinetwegen Atemgymnastik – aber hilft diese Anwendungskombination jetzt eher gegen Heuschnupfen oder Schlafstörungen?

Religiös oder allergisch bedingte Ernährungsbesonderheiten konnte man auch schon mal angeben. Die Rubrik „absolut dickköpfiges Kind, das sich ausschließlich von Nudeln, Kartoffeln, Reis, Streichkäsebroten und Bananensaft ernährt“ gab es aber nicht. Stelle mich also schon mal darauf ein, für den Vierjährigen einen Notvorrat an Lebensmitteln anzulegen. So wie meine Mutter für mich, vor langer Zeit.

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