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Gesehen, gelesen, gehört… im Februar

Den allerersten Anflug von Tanzlust in meinen Füßen seit langer, langer Zeit weckt die Musik von Firewater. „Nowhere To Be Found“ oder „Strange Life“… Stehe schon in Verhandlungen mit dem Vater meiner Kinder, damit er unsere Söhne am Tag nach dem Konzert bei sich schlafen lässt. Weil ich an dem Tag vielleicht ein bisschen länger arbeiten muss… wenn ich erst mittags anfange.

Wie bin ich eigentlich bisher durchs Leben gekommen – ohne zu wissen, wie man Meisenknödel und Autobahnen und Kloschüsseln und Tofu und Cornflakes und Bananensenf und Handwärmer herstellt? So viel wie in den letzten Wochen – seit meine Kinder „Die Sendung mit der Maus“ für sich entdeckt haben, habe ich lange nicht mehr dazugelernt. Ganz schön schwer, irgendwann „nein“ zu sagen, wenn meine Söhne hingebungsvoll betteln: Einen noch, Mama! Du darst auch aussuchen!

In ihrem Buch „Die Liebe ist eine Insel“ hat Claudie Gallay ähnliche Zutaten verarbeitet wie in „Die Brandungswelle“ – große Liebe und großen Schmerz, das Weiterleben nach einem Verlust, eine Vergangenheit, deren Geheimnisse Stück für Stück ans Licht kommen. Trotzdem hat dieses neuere Buch mich enttäuscht, den Ton nicht wieder getroffen, dem ich in ihrem ersten Buch gebannt gelauscht habe. Schade.

Ärger auf Arbeit, Chaos zu Hause, ziemlich alleine? Da hilft nur noch eins: Postkarten kaufen. „Die Zeit mag Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin“ – der Spruch von Mark Twain lässt den Tag schon etwas weniger grau aussehen. Weiter am Postkartenständer gedreht… und die Mundwinkel gehen schlagartig nach oben: „Was Hänschen nicht lernt, wird Gretchen ihm schon beibringen“ – kombiniert mit dem Foto eines wirklich überzeugenden pausbäckigen kleinen Mädchens. Oh ja, sie wird. Und da, noch eine Entdeckung – die ich irgendwo aufhängen werde, wo ich hinschaue, wenn ich ein bisschen Heiterkeit brauche: „I love you (No lipstick was harmed in the making)“. Tag gerettet. Aber es wurde tatsächlich noch eine weitere Lücke auf dem Postkartenmarkt geschlossen: „Freiwillig in Berlin!“. Mit Ausrufezeichen! Obwohl das auf einem Ansteckbutton noch schöner wäre.

Rainald Grebe live erlebt, endlich, langgehegten Wunsch erfüllt… das war schön. Er hat bei den Wühlmäusen gespielt, dort gibt es dieses spezielle Publikum, das immer lacht, egal, ob das, was vorne passiert, zum Lachen ist oder nicht. Aber Rainald Grebe ist wirklich lustig, also passte es schon, meistens. Außerdem ist sein Programm, in dem er über seine Herkunft und seine Kindheit erzählt und singt, auch nachdenklich und ein kleines bisschen melancholisch, vielleicht. Am Ende kommt er in der Gegenwart an. „Ich wache morgens auf und frage mich, wer ich bin“, singt er, vielleicht habe ich mir das auch nicht ganz wortwörtlich gemerkt, „und das liegt nicht am Alkohol. Es ist alles viel zu viel, und das ist kein ADHS, das ist mein Lebensgefühl.“ Meins auch. Schön auf den Punkt gebracht. Danke…

Den „Gott des Gemetzels“ habe ich mir damals nicht im Kino angesehen. Vielleicht hole ich das nach, denn ich bin auf Yasmina Rezas Buch „Nirgendwo“ gestoßen. Berührend sind ihre kleinen Texte, Momentaufnahmen von ihren Kindern, von kurzen Augenblicken mit ihrem sterbenden Vater, in denen sie von der Kostbarkeit der Zeit erzählt, von der Vergänglichkeit, von der Heimatlosigkeit. Anscheinend hat sie noch mehr geschrieben, auch Romane. Ich bin gespannt.

Gesehen, gelesen, gehört… im Januar

Western! Als der Inselmann hört, dass ich eigentlich keine Italo-Western kenne, macht er den DVD-Player an und zeigt mir die Eingangssequenz von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Und dann noch die von „Zwei glorreiche Halunken“. Ich würde beide Filme sofort gerne bis zum Ende ansehen – das hätte ich nicht erwartet, sind Western nicht Männerfilme? – aber wir gehen stattdessen los und schauen uns „Django Unchained“ im Kino an. Was für eine starke Geschichte! Auch wenn ich mir dann und wann die Augen zuhalte… und auch nicht durch die Finger linse.

Auch wenn meine Kinder sie (noch) nicht mögen: mir gefällt die Randale-CD vom „Punk Panda Peter“. Schön an einer CD ist natürlich, dass man sie auch in Zimmerlautstärke hören kann.Trotzdem möchte man sofort mit den Kindern im Zimmer herumhopsen, so sehr, dass die Dielen beben und der wackelige Kontakt zwischen Anlage und Lautsprecher beim nächsten Hören wahrscheinlich endgültig verloren geht. (Auch wieder schade…)

Leider schon ausgelesen: Scarlett Thomas „Das Ende der Geschichten“ – ein Glücksfund vom Grabbeltisch. Wegen der Hauptperson, die ihr Leben auf sehr sympathische Weise erst mal nicht so recht auf die Reihe kriegt. Und wegen der vielen schönen Gedanken über das Erzählen von Geschichten. Und weil die Fragen nach dem Übersinnlichen, die das Buch streift, auf so kluge Weise offengelassen werden, dass sogar ich (Esoterik ist so absolut nicht mein Ding…) damit leben kann.

Nochmal Kino: „Beasts from the Southern Wild“ – ein besonderer, eindrücklicher Film. Ein Bekannter hat den Film als Geschichte eines kranken Vaters gesehen, der seine Tochter darauf vorbereitet, Abschied von ihm nehmen zu müssen. Mir erzählte der Film die Geschichte eines kleinen Mädchens, das stark werden muss. Einig waren wir uns darüber, dass der Film auch ohne die Auerochsen gut funktioniert hätte. Aber ich bin doch froh, dass die Filmemacher das Budget für diese großartigen Symbole eines überwältigenden Gefühls von Bedrohung hatten. Schon wegen des herrlichen Filmplakates.

Wir haben ihn endlich gesehen: den Film vom Grüffelo – Beim letzten Raubzug in meiner liebsten Hugendubel-Filiale vom DVD-Tisch mitgenommen. Eigentlich ist es ja gar keine Geschichte von einem Monster. Sondern eine Geschichte von einer klitzekleinen Maus, die nicht nur mit Hilfe des von ihr erfundenen Grüffelo ihre Feinde, sondern mit Geschick auch den Grüffelo – der aus ihrer Fantasie flugs in den Wald gekommen ist und am allerliebsten Mäuse frisst – in die Flucht schlägt. Was für ein Vorbild!

2013 wird auch ein Kinojahr, das steht fest. Schiffbruch mit Tiger hinterlässt riesengroße, leuchtende Bilder im Kopf. Was für ein schöner Film! Der Abspann ist freilich länger als beim kleinen Hobbit – wahrscheinlich wurden nicht viele Szenen auf einem kleinen Boot auf dem Wasser gedreht, das meiste wohl im Computer zusammengebastelt. Die Rahmenhandlung kreist um die Frage, ob Pis Geschichte eine ist, die anderen den Glauben an Gott wiedergeben kann. Als sich Pis Zuhörer von den beiden möglichen Versionen von Pis Geschichte für diejenige mit dem Tiger entscheidet – weil es die bessere Geschichte ist – sagt Pi: und genauso ist es mit Gott. Das bleibt auch hängen, in meinem Kopf.

Weil 2013 ein Jahr der kleinen Dinge werden soll, fange ich es mit einer der Postkarten an, die hier gerade hängen: There will be no miracles here. Keine großen Wunder, keine alles umstürzenden Veränderungen. Macht nichts. Das Leben geht weiter, und es ist trotzdem schön.

Randale im Milchsalon

Dass ich gestern mit dem Siebenjährigen in einem Rockkonzert für Kinder war, lag eigentlich nur daran, dass mir damals im Herbst jemand den Link zu einem Lied von Dota Kehr geschickt hat. Die ich dann unbedingt mal live erleben musste, im Heimathafen Neukölln war das. Wo dann ein Werbeplakat für das Kinder-Konzert von Randale hing. Das Logo hatte ich schon mal gesehen, das Ganze hatte irgendwie einen guten Klang – und ein bisschen was muss ich ja auch mal für die musikalische Bildung meines Sohnes tun. Dachte ich. Und dass er nach dem Konzert ganz bestimmt endlich wissen würde, was er als „Lieblingsband“ in die vielen leidigen Freundschaftsbücher eintragen könnte, die in trauriger Unvermeidlichkeit in der Schule kursieren.

Im Werbetext steht, dass uns „richtige“ Rockmusik erwartet  – dass sich Erwachsene schon mal ein Kind ausleihen, um einen Vorwand zu haben, auf eines der Konzerte von Randale zu gehen. Und sie kommen, viele viele Eltern mit vielen vielen Kindern – anscheinend ist die Bielefelder Band bekannt.

Als erstes tauchen die miteinander verabredeten Mütter auf, die ihre kleineren Kinder den Papas auf den Arm gedrückt haben, um „endlich mal wieder rauszukommen“; die ihre Leopardenprintleggins und die Ärzte- oder Ramones-T-Shirts vorgekramt haben, die noch aus einem anderen Leben stammen, dem ohne Kinder. Dann kommen die Familien, bei denen beide endlich mal wieder rauskommen wollen – gutorganisierte Papis und Mamis mit je zwei Kindern; die Babies werden mit Oropax ausgerüstet, die Kleinkinder mit neongrünen Ohrenschützern, Keksdosen kreisen. Und auch ein paar alternative Leute sind plötzlich da, ihre Familien wirken ein bisschen weniger geplant und ein bisschen mehr so, als ob sie bloß mal irgendwann mit der Verhütung nachlässig waren; Oropax haben sie auch nicht dabei, ihre Kinder sind wahrscheinlich an laute Musik gewöhnt.

Und laut wird es, sehr laut. Die Mami, mit der ich auf dem Konzert bin, versenkt schleunigst mehrere Tempotaschentücher in den Ohren ihres Achtjährigen, der genau wie mein Siebenjähriger etwas verschreckt auf seinem Stuhl sitzenbleibt; auch als der Sänger die Kinder auffordert, vorn vor der Bühne richtig „abzurocken“. Und während ich immer mal wieder misstrauisch zum Notausgang schaue – weil ich nicht sicher bin, ob nicht doch eine Razzia des Kinderschutzbundes bevorsteht, bei der allen Eltern, die bei ihren Kindern keine Vorsorge gegen Hörschäden getroffen haben, das Sorgerecht entzogen wird – erklärt der Sänger, der an seiner Moderation und an seiner Musik offensichtlichen Spaß hat, den Kindern ein bisschen Ska und ein bisschen Reggea und ein bisschen Pogo – und wie es auf Rockkonzerten so zugeht.

Die Musik ist richtig gut, die kindgerechten Texte versteht keiner, weil die Gitarren zu laut sind, die Eltern amüsieren sich, die Kinder, die Rockmusik schon kennen, tanzen vorne wild, und mein Siebenjähriger ist derweil ganz fasziniert von den Lichteffekten und den vielen Scheinwerfern, mit denen sie erzeugt werden. Und als es ans letzte Lied und die Zugaben geht, als das Ende absehbar wird, wird er mutig und rockt auch ein bisschen mit, vom sicheren Platz auf meinem Schoß aus. Vermutlich hat er seine Zurückhaltung von seiner Mutter geerbt, ich kann sie ihm nicht vorwerfen.

Als ich ihn hinterher frage, ob ihm das Konzert gefallen hat, sagt er: „Nicht so besonders. Es ging schon.“ Klingt so der Beginn einer großen Liebe zur Rockmusik? Ich tröste mich damit, dass ich ein ehrliches Kind habe. Und es gibt ja auch noch jede Menge andere schöne Musikrichtungen.

Gesehen, gelesen, gehört… im Dezember

Fröhlichkeit zum Fest verbreitet ein Cartoon von „Nicht lustig“: „Ich habe eine Maschine erfunden, die den Kommerz aus Weihnachten entfernt“ – „Lass uns ganz viele davon bauen und für viel Geld verkaufen“.

Schwere Entscheidung: Eine CD von den Tindersticks kaufen oder eine von den Walkabouts? Entdeckt – geschenkt bekommen – das wunderschöne Lied „Take me“, das sie gemeinsam aufgenommen haben. Wenn der Link dazu auf youtube ein bissel abgenutzt aussieht… Ja, ich wars…

Schon zwei Jahre lang und immer wieder gerne: Geo Mini. Mein Siebenjähriger liebt die bunte Suchseite, auch wenn er manchmal ganz schön schnell nach den Lösungen schaut. Die anderen Rätsel, immer liebevoll grafisch gestaltet. Die Artikel über Kinder in aller Welt. Über Tiere. Darüber, wie Käse, Wachsstifte oder Kerzen hergestellt werden. Die Basteltipps. Ich finde die Texte manchmal ein bisschen zerstückelt. Aber unsere gemeinsamen Geo-Mini-Vorleseabende am Monatsanfang liebe ich genauso wie mein Sohn.

Schon viele Jahre lang und immer wieder gerne: der Andere Advent, ein wunderschöner Adventskalender für Erwachsene, der befriedigenderweise sogar bis zum 6. Januar geht. Die Bilder und Texte sind sorgfältig ausgewählt und allemal wert, die alten Kalender aufzuheben. Gedacht ist das so, dass man sich jeden Tag zwölf Minuten Ruhe zum Sitzen, Lesen und Nachsinnen gönnt. Das ist bei meinem Tagesablauf eine Herausforderung, aber alle paar Tage nehme ich mir zwölf Minuten für die Texte der vergangen Tage und lasse den schönsten dann irgendwo liegen, wo ich ihn im Vorbeigehen immer wieder sehe. Gerade ist das ein Rilke-Gedicht: „Zum Einschlafen zu sagen“. Das möchte ich wieder und wieder lesen, das kommt an die Wand, nächstes Jahr.

Adventskalender, wo man geht und steht: den musikalischen von Rolf Zuckowski („Rolfs bunter Adventskalender“) liebt mein Dreijähriger heiß und innig. Als Einschlafmusik laufen die wirklich netten und manchmal auch ein wenig gegen den süßlichen Strich gebürsteten Lieder sogar Emiliana Torrini („Fishermans Woman“) (ganz großartige CD!) den Rang ab, der einzigen Musik, die der Dreijährige sonst toleriert. Eigentlich schade, denn nach dreimal Adventsliedern könnte ich mit einer Abwechslung schon leben.

Eine neue Postkarte an meinem Flurspiegel, der englische Text klingt viel besser als der deutsche: „Fear not. Enjoy. You may repent at leisure“. Eigentlich Werbung für Strawinsky in der Staatsoper. Staatsoper schafft es einfach nicht unter die Vorhaben, die wirklich hohe Priorität bei mir haben. Macht nix. An der Karte freue ich mich trotzdem.

Sperrige Lyrik geschenkt bekommen, schon vor einer ganzen Weile. Bärbel Klässner „Der Zugang ist gelegt“ liegt seitdem griffbereit an einem für Lyrik vielleicht eher unpassenden Ort – einem, an dem ich ab und zu (nein, das machen nicht nur Väter, wie die neueste Ausgabe von „Nido“ behauptet – nicht das ich das Magazin etwa lesen würde, das war die Frau neben mir neulich im Zug) Atem hole und einen ihrer kantigen Texte lese, ohne den Anspruch, ihn zu verstehen oder auszudeuten. Und dann, immer wieder, finden sich in ihren wie umgepflügten Texten Zeilen, die zu mir sprechen.

Eine ganz neue Welt entdeckt! In Jasper Ffordes Romanen um Thursday Next – Literaturagentin in einem fiktven Großbritannien der – zumindest im ersten Roman – 80er Jahre, in dem schon mal militante Anhänger verschiedener literarischer Richtungen Krawalle verursachen, sich ein Riss in der Zeit auftuen kann und Jane Eyre von einem geradezu diabolischen Erzbösewicht aus ihrem Roman entführt wird. Lustig, schräg, und – wie auf dem Cover des zweiten Buchs, das auf meinem Kopfkissen wartet, ganz richtig bemerkt wird – eine große Liebeserklärung an die Literatur. Lesen!

Gesehen, gelesen, gehört… im November

„Nein, die Zeit heilt nicht alle Wunden. Die Zeit ist die Wunde.“ Dieses Zitat von Elke Heidenreich ist meine Lieblingspostkarte im November.

Haruki Murakami habe ich irgendwann mal in die Schublade mit den mir zu anstrengenden, zu intellektuellen Schriftstellern gepackt. Jetzt wurde er mir nochmal empfohlen, und siehe da: „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt“ ist kein Stück anstrengend, sondern poetisch und rätselhaft, mit einem Hauptdarsteller, der einem noch im unglaublichsten Abenteuer mit seinen Gedanken an die einfachen und banalen Dinge nahe bleibt. Ein Buch, das im Regal bleiben wird, zum Wiederlesen, irgendwann.

Wer wissen möchte, was Schnalamisitten sind oder welche Tänze Herr Gurke bevorzugt, findet im  Arche-Kinderliteraturkalender Antworten. Mein Siebenjähriger hat eine kulturell bewanderte Patentante, die ihm diesen großartigen Kalender zum letzten Weihnachten geschenkt hat. Jede Woche ein Kindergedicht von irgendwo aus der Welt, illustriert von einem Künstler aus dem Land, aus dem das Gedicht stammt. Alle paar Wochen fällt unser Blick auf den Kalender, und dann machen wir einen Gedichteabend. Kürzere Texte liest der Siebenjährige mir inzwischen vor. Dann muss ich ihm das Gedicht in der Originalsprache vortragen. Wir lachen Tränen, wenn ich mich in der schieren Menge kroatischer Konsonanten verheddere.

Wer argentinischen Tango mag und von der „klassischen“ Tangomusik irgendwann genervt ist, kommt am Gotan Project nicht vorbei. Die CD mit meinem Lieblingsstück „Erase una vez“ läuft das ganze Wochenende. Novembermusik. Für melancholische Momente, zum Erinnern und Traurigsein, ohne dabei zu vergessen, dass man irgendwann auch wieder „da draußen“ sein wird, an einem lauen Frühlingsabend, in einem Tanzsaal, bei vielleicht genau dieser Musik.

Und die passende Novemberlektüre: Ein Spiegel Wissen-Heft „Vom Umgang mit dem Sterben“ – fiel mir in der Wartezeit auf irgendeine S-Bahn in die Hände. Darin ein Artikel über „The top five regrets of the dying“ (von Bronnie Ware – auch das ein Buch, das aus einem Blog entstanden ist!).  Klingt so einleuchtend, wie man leben sollte, um nicht allzuviel zu bereuen: Zeit mit Freunden verbringen statt die Erwerbsarbeit über alles zu stellen. Sich selber treu bleiben und seine Gefühle zeigen. Sich das Glücklichsein erlauben, immer wieder.

Unser neuer Familienplaner: nachdem wir das laufende Jahr mit Ali Mitgutsch verbracht haben und die davor mit Petterson und Findus, bin ich diesmal beim Kalernderstöbern auf ein sehr sympathisches Monster gestoßen: mit großen, ausdrucksvollen Augen, Zähnen in bedenklichem Zustand, tollpatschigem Schritt und einer absolut unwiderstehlichen Mischung aus Abenteuerlust und Schuldbewusstsein in seinem Blick. Was hat es ausgefressen, das Grüffelo? Beginne, mich auf 2013 zu freuen, auch wenn unser Grüffelo vielleicht mal den einen oder anderen Termin durcheinanderbringen wird.

Der Verleser des Tages: Als ich nach einem Trostluftballon für meinen Dreijährigen suchte, fiel mir einer mit dem bemerkenswerten Spruch „Illusion beginnt im Kopf“ in die Hand. Aufgepustet erschien auf der anderen Seite das Logo von „Aktion Mensch“ – woraufhin ich mir den Spruch dann doch noch mal genauer angesehen habe. Inklusion, heißt es eigentlich. Illusion gefällt mir aber auch sehr gut. Möchte eine Postkarte haben, auf der das steht…

Gesehen, gelesen, gehört… im Oktober

Das Pilzbuch! Hallimasch unbedingt immer mindestens 20 Minuten garen, die sind roh nämlich giftig. Wir haben sie lieber 30 Minuten gebraten. Und sehr gut vertragen…

Himmelblaue Postkarte an einer befreundeten Badezimmertür: „Nein Liebling. Du bist nicht dumm. Du bist sogar sehr hübsch.“

„Die Tätowierung“ von Helene Tursten. Mal wieder eine Krimiautorin entdeckt. Brauchbar für Krankentage im Bett, für die S-Bahn, um die Gedanken mal wegzuschalten.

„Stadt, Land – Schluss“ von Judith O´Reilly – wiedergelesen im Urlaub. Habe ja schon an anderer Stelle erwähnt, dass mich sehr berührt, wie sie ihre Erfahrungen damit schildert, ihrem Mann aus London in den Norden aufs Land zu folgen, dort mit ihren drei (!) Kindern dann überwiegend allein klarkommen zu müssen und sich auf das Leben der Menschen da einzulassen, das erst einmal sehr verschieden von dem ist, das sie in London geführt hat. Lesen!

„Das kleine Gespenst“ von Ottfried Preussler – kam bei meinen Jungs nicht gut an. Für den Dreijährigen hätten Bagger drin vorkommen müssen, der Siebenjährige zog ein Kapitel über Fische aus einem Sachbuch vor. Ich staune, dass Geschichten, die doch eigentlich in den Kanon der „guten“ Kinderliteratur gehören, meine Kinder langweilen. Dabei wachsen die beiden doch vergleichsweise  wenig belastet von Fernsehen und Computer auf?

„Shaun das Schaf“ – meine Kinder brachten eine DVD von ihrem Papa mit. Ich war ziemlich überrascht, dass ich die ganz schön actionreichen Geschichten selber mag. Und vor allem mag ich, wenn meine Jungs aus vollem Herzen lachen! Die gute Nachricht: Da gibt es ja noch mehr DVDs…

Dota Kehr „alles du“ – den youtube-Link zu diesem Gänsehautlied habe ich einfach so geschenkt bekommen. Anhören! Nochmal anhören! Nochmal…

Jesper Juul: „Vier Werte, die Kinder ein Leben lang tragen“ – noch mehr Urlaubslektüre: Eine Zusammenstellung von Briefen an Jesper Juul und seinen Antworten darauf. Was er mit „Gleichwürdigkeit“, „Integrität“, „Authentizität“ und „Verantwortung“ meint, wird für mich aber deutlicher in seinem älteren Buch „Dein kompetentes Kind“.

Und der unvermeidliche Boden-Katalog. Tapfer gewesen, kein Geld ausgegeben.