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Tagesnotizen: 8.5.2017

Sehr müde taumele ich aus dem Wochenende – das ich mit Waschen, Kochen, Backen, Putzen. ein wenig Krankenpflege am klassenfahrtschlafmangelkranken Achtjährigen und zwei gemütlichen Frühstücken mit der ganz großen Schwester verbracht habe – in die Woche.

Im Büro herrscht Frieden. Ich lasse mir in aller Ruhe die eine oder andere Aufgabe erläutern, die ich übernehmen werde, wenn pünktlich zu Beginn der Sommerferien die Kollegin in Mutterschutz geht.

Für Nachmittagsbeschäftigung sorgt die Grundschule, diesmal in Person der Musiklehrerin des Zwölfjährigen, die sich vorstellt, dass alle Schüler der 6. Klasse eine Trommel bauen sollen. Mein Sohn und ich treffen uns also am Alles-Laden im Kiez und erwerben eine Rolle Butterbrotpapier, einen kleinen blauen Plastikeimer, einen Blumentopf (falls das mit dem Eimer schiefgeht), einen breiten Pinsel und eine dicke Zeitung.

Als nächstes muss der Vater meiner Kinder mit dem Taschenmesser den Boden aus dem Plastikeimer entfernen. Ich zeige dem Zwölfjährigen, wie er den Tapetenkleister anrühren muss, und stelle ihm die Schneidemaschine zum Bei dem Versuch, in Tapetenkleister getränkte Butterbrotlagen einzeln – wie im Internet in einem dieser youtube-Videos empfohlen – auf den Eimer zu kleben, erleidet der Zwölfjährige einige Misserfolge. Also leimt er erst 10 Lagen Butterbrotpapier – immer um 45 Grad gegeneinander versetzt – übereinander und dann löst er den ganzen Schlabuff von der Zeitung ab und (sch)leimt ihn über den Eimer. Ob das nach der geschätzen Woche Trockenzeit hält, steht in den Sternen, aber mein Sohn behauptet, dass einige der flinken fleissigen Mädchen aus seiner Klasse schon fertige Wisch- und Mülleimer-Trommeln mitgebracht haben. Vielleicht funktioniert es ja doch.

Daumendrücken!

Bitter an Dienstagen

Manchmal funktioniert das mit dem Wechselmodell gut, aber fragt mich bitte nicht an Dienstagen danach. Nicht an denen, an denen der Elfjährige – einen Tag nach dem Siebenjährigen – zu mir wechselt. Solche Wochen beginnen nämlich oft ungefähr wie diese:

Am Montag mache ich mit dem Siebenjährigen alles, was sein Papa nicht gemacht hat: Seine Schuhe erst trockenen und dann gründlich imprägnieren. Einen Tag vor der Keyboard-Stunde endlich mal üben, und zwar ordentlich. Den Ranzen aufräumen und alle losen Blätter sortieren. Schulessen für die nächsten Tage und Wochen im Internet bestellen. Den Siebenjährigen mit viel Überredungskunst Möhre, Chinakohl und Gurke zum Abendessen unterjubeln.

Am Dienstag mache ich mit dem Elfjährigen alles, was sein Papa nicht gemacht hat: Meinen Sohn dazu bringen, dass er seinen Ranzen auspackt, die losen Blätter der letzten Schulwochen (die vor Weihnachten war ja auch eine Papa-Woche) einheftet und sein „Lerntagebuch“ für die laufende Woche vorschreibt und auszufüllen beginnt. Angesammelte Tests unterschreiben. Die Elternpost durchsehen. Den Elfjährigen im Internet Schulessen für die nächsten Tage und Wochen bestellen lassen.

Das kling alles nicht so schlimm? Montags mit dem Siebenjährigen ist es auch noch ganz entspannt. Ist ja nur ein Kind, und dieses Kind kann sich gut konzentrieren. Aber noch bevor der Elfjährige am Dienstag mit seinen Schulsachen fertig ist, ist es Abend, habe ich ihn gefühlte dutzende Male ermahnt, sich nicht ablenken zu lassen und weiterzumachen – und er hat Kopfschmerzen. Schluss also für heute. Kurz bevor ich ins Bett gehen will, entdecke ich, dass seine Winterschuhe innen ganz nass sind, hole schnell Zeitungspapier und schalte die Heizung wieder ein. Die Schuhe des Siebenjährigen sind heute trocken geblieben, warum wohl?

An diesen Dienstagen habe ich es satt, einfach nur noch satt. Meine Kinder verbinden die Zeit bei mir mit Pflichterfüllung, Arbeiten für die Schule, Üben für den Musikunterricht, und spätestens dann, wenn zusätzlich zu den Pflichten einer ganz normalen Woche noch die Papawoche nachgearbeitet werden muss, mit Stress und Anspannung. Beim Papa dagegen gibt es ungefüllte Zeit, Pommes und Netflix. Und ich kann nirgendwo hingehen; es gibt keine Instanz, die mich in meinem Anliegen unterstützt, dass auch bei mir Zeit für Schönes bleiben und auch bei ihrem Vater das Notwendige getan werden soll. Hallo Jugendamt, meine Kinder kriegen bei ihrem Papa keine Vitamine und lernen nicht für die Schule? Vernachlässigung sieht ganz anders aus, das weiß ich wohl. Es geht ihnen ja gut dort. Und warme Handschuhe hat er dem Elfjährigen (auf meine Anregung hin) gestern dann mal eben besorgt.

Aber was genau lernen unsere Kinder bei alledem – zum Beispiel über die Rollen von Mann und Frau?

Schwierig, ganz schwierig.

Tagesnotizen: 13.10.16

Morgenkaffee mit dem liebsten Freund nach langer Zeit. Das ist schön. 

Nachmittags gehen der Elfjährige und ich weiterführende Schule gucken, unsere gefühlte Hauptbeschäftigung grade. Im Mathe-Knobel-Wettbewerb gewinnt der Elfjährige einen der beiden ersten Preise, und ich bin – wir befinden uns in einer Super-Duper-Mathe-Spezial-Leistungsschule im schicken urbanen Kiez, in dem ich mir wahrscheinlich noch nicht mal eine Abstellkammer mieten könnte – unglaublich stolz auf meinen Sohn.

Später reist die Besuchsfreundin an, hilft, den großen Abwasch zu machen, den der Kochhaus-Abend mit dem liebsten Freund hinterlassen hat, und die große Einkaufsliste für acht öffitransportable Waldhäuschen-Mittagessen à 4 Personen zu schreiben.

Ein guter Tag. 

Mittagspause

Kurze Mittagspause. Ich krieche unter meine Decke und mache die Augen zu.

Ich habe dem erkälteten Elfjährigen erlaubt, nach der zweiten Stunde – Vorbereitung für den großen Englisch-Ausatz! – nach Hause zu kommen und sich auszuruhen; ich habe versucht, mit dem hustenden Siebenjährigen zum Kinderarzt zu gehen. Und bin gescheitert: ein Zettel an der Tür „Keine Sprechstunde am 10.10. und 14.10.“, zur Vertretung wurde auf „die umliegenden Arztpraxen“ verwiesen; die Inhaberin der einzigen anderen fußläufig erreichbaren Praxis hatte Urlaub, der eigentlich von unserer Kinderärztin vertreten werden sollte. Kein Arztbesuch also, die nette Sprechstundenhilfe in der zweiten Praxis half mir wenigstens mit einer Krankschreibung aus, unkompliziert, freundlich. Das machen auch nicht alle.

Ich habe mit dem Siebenjährigen inhaliert, für beide Kinder Essen gekocht, die Waschmaschine angestellt. Wenn ich aufstehe, warten der Abwasch, das Keyboardüben mit dem Siebenjährigen, das Englischüben mit dem Elfjährigen und die nasse Wäsche; es wartet, wie sich später herausstellt, auch ein Streit mit dem Vater meiner Kinder, der den Siebenjährigen abholt und so gar keinen Nerv dafür hat, dass auch die Kennenlerntermine an weiterführenden Schulen besprochen werden müssen, die für den Elfjährigen in Frage kommen. Tage der offenen Tür, Elternabende und Schnupperunterrichtsangeboten häufen sich in den nächsten Tagen und Wochen: welche Schulen sollen angesehen werden, welche nicht, wer geht mit dem Elfjährigen hin? – Alleingelassen fühle ich mich mit dieser Entscheidung, die die nächsten Jahre lang unser Familienleben mitprägen wird.

Während ich jetzt, am Mittag, kurz die Augen schließe, geht draußen auf der Straße das Dröhnen der Baumaschinen weiter, die seit dem Frühjahr in unserer Straße stehen und irgendetwas am Abwasserkanalsystem sanieren, ohne dass dabei irgendwelche Fortschritte sichtbar wären, nur Absperrungen und aufgebuddelte Straße und Bagger und anderes schweres Gerät, dass hin- und herrollt und lärmt und dröhnt.

Gleich werde ich aufstehen und etwas Gutes aus diesem Nachmittag machen: einen Kaffee für mich kochen, ein Spiel mit den Kindern spielen, eine Rolle Kekse hervorzaubern, eine zweite Folge von „Elefant, Tiger & Co“ erlauben, dem Vater der Kinder nach unserem Streit am Telefon auf seine Rückfrage ganz freundlich versichern, dass ich achtgeben werde, dass der Elfjährige den Schlüssel zur Papa-Wohnung sicher in seinem Ranzen verstaut, freundlich und ruhig mit dem Elfjährigen besprechen, ob wir die Mathe-Profilschule mit den hohen Leistungsanforderungen anschauen wollen oder lieber nicht.

Aber jetzt – während ich für einen Moment alleine bin – erlaube ich mir, diesen Tag einen Moment lang schrecklich eintönig und anstrengend zu finden.

Wir lernen, wir lernen

Während Elfjährige lernt, wie man einen Kurzvortrag macht und sehr bald lernen wird, ob es eher cool oder eher uncool bei den Vorpubis in seiner Klasse ankommt, den Musik-Kurzvortrag (ja genau, den, für den ich ihm zu Weihnachten schon – zähneknirschend – eine CD von Crow geschenkt habe und zum Geburtstag – frohlockend – eine von Muse) über Dota Kehr zu halten und ein Hörbeispiel mit eher erwachsenem Witz zu wählen –

Und während ich mich an meinen alten Vorsatz erinnere, irgendwann mal flüssig Italienisch lesen lernen zu wollen und in der S-Bahn stirnrunzelnd, aber entschlossen die Nase in einen dtv-zweisprachig-Band stecke, den 15 Jahre in meinem Bücherregal weder sprachlich leichter noch inhaltlich spannender gemacht haben –

Währenddessen lernt der Siebenjährige lesen und soll das jeden Tag zu Hause zehn Minuten lang laut üben, woraufhin er jeweils eine Unterschrift bekommt und für fünf Unterschriften in der Schule eine Perle auf seine Leseraupe aufgefädelt wird und… eine vollgefädelte Leseraupe zu weiteren Belohnungen führt.
Also, führen könnte, wenn wir jemals sooo weit kommen.

Erstlesebücher sind nämlich oft schrecklich langweilig, vor allem die, denen man es anmerkt, dass da nicht etwa eine kleine, feine Geschichte in größerer Schrift gedruckt worden ist, sondern dass ein Format für Erstleser mit strengen Vorgaben an Satzlänge, Wortschwierigkeit und Zeichenzahl entwickelt und dann mit einer Auftragsschreibe wahlweise über Ritter, Monster, Buchstaben, Schule, Freundschaft, Drachen, die Feuerwehr – oder eine beliebige Kombination von drei bis sieben der genannten Motive – gefüllt wurde.

Die Fibel ist keine Alternative, die bleibt in der Schule, weil der Siebenjährige ja ein „Lernmittelfonds“-Kind ist (nie wieder…). Und das „Froschheft“, das er zum Lesenüben im Ranzen trägt, ist so abstoßend lieblos gemacht, dass ich damit keine zehn Minuten meines Nachmittages verbringen möchte.
Ich durchstöbere also als erstes die Bücherregale nach Lieblingsbüchern aus den letzten Jahren, bei denen die Schrift ausreichend groß ist. Zum Glück gibt es ein paar: Die Hasengeschichte „Schlaf gut, träum schön“ von Ingrid Uebe/Zora Davidovic mag der Siebenjährige, der seine vier Hasis noch immer heiß und innig liebt, besonders gern; mit der fangen wir an. „Augen zu, kleiner Tiger“ von Kate Banks und Georg Hallensleben lege ich noch bereit; Peter Hacks Quatschgedicht „Die Katze wäscht den Omnibus“, illustriert von Getrud Zucker, und natürlich Astrid Lindgrens „Pelle zieht aus“ und „Nils Karlsson Däumling“, die es irgendwie ins Erstleseformat geschafft haben.

Wir kuscheln uns also am Nachmittag gemeinsam in den Sessel, gucken – wegen der zehn Minuten – auf die Uhr, und ich stippe meinen Finger unter das Wort, bei dem wir am Vortag aufgehört haben.

Erstaunlicherweise ist der Buchstabe „e“ die größte Hürde für den Siebenjährigen. Sind es tatsächlich mehr als zwei verschiedene Laute, die sich hinter diesem kleinen unscheinbaren Kringel verbergen können („ie“ und „ei“ hat er verstanden, die zählen also nicht mit), oder kommt das nur meinem kleinen Sohn so vor?

Wort für Wort, Satz für Satz, eine Seite ungefähr in zehn Minuten; ich lobe ein bisschen und sage Halt, das Wort nochmal, das heißt anders! –
Und ich freue mich an den Fortschritten des Siebenjährigen und wundere mich, dass ich mich an diese Leselernphase des Elfjährigen kein bisschen erinnern kann. War ich damals so abgelenkt, so mit dem damals zweijährigen kleinen Bruder beschäftigt, so sehr dabei, mich im Getrenntleben und im Wechselmodell einzurichten? Oder hat der Elfjährige damals wirklich immer nur Schreiben geübt? Ich bin sicher, dass ich mehr als eine Einkaufsliste aufgehoben habe, die er mir damals verfasst hat, lautschriftliche Wiedergaben der Namen von allerlei Lebensmitteln in krummen Druckbuchstaben – ausschließlich für mich zu entziffern.
Hach, die Zeit dieser wunderschönen Schriftstücke kommt jetzt auch bald wieder.

Alltag…

Morgens dampft das Wasser im Kanal wie heiße Gemüsebrühe, wenn ich mit dem Sechsjährigen an der Hand zur Schule unterwegs bin. Unser Atem dampft auch. Auf den Blättern der Pappelschosser am Weg liegen viele kleine Tautropfen; auch die knallroten Blätter des wilden Weins sind nass und leuchten gleich noch mehr.

Vor den Schließfächern im Schulflur herrscht Schulanfängerchaos. Eltern grüßen sich von einer Flurseite zur andern, über das wogende Meer aus offenen Ranzen, Sportbeuteln, Jacken, Hausschuhen und mit Schlüsseln hantierenden Kindern hinweg, das sich vor der Lehrerin wundersamerweise teilt.

Auf dem Weg zur S-Bahn gehe ich zwischen den alten Plattenbaublocks durch, vor denen es in liebevoll gepflegten, mit Hecken umhegten Gärtchen herbstlich blüht. Dem vordersten Block wird gerade ein wärmendes Kleid aus Isolierplatten angezogen. Auf einer der Bänke neben der Rasenfläche, die hinter den Blocks zur Straße hin liegt, liegt eine obdachlose Frau und redet wirr im Schlaf.

Nachmittags sind die Kinder müde. Der Zehnjährige kommt mit dem Fahrrad nach Hause, und ich bin froh, wenn ich die beiden nicht nochmal aus dem Haus treiben muss, denn das ist anstrengend, sogar wenn es nur zum Sportverein geht, wo beide gerade wieder sehr gern turnen. Wenn wir zu Hause bleiben können, gibt es eine halbe Stunde Spielzeit, während der ich versuche, die Positionen von Pneumologin und Krankenkasse zum Allergiker-Matratzenbezug des Sechsjährigen irgendwie zusammenzubringen, Bankgeschäfte zu regeln, Geschenke für diverse Anlässe vorzubereiten und im Haushalt wenigstens einen groben Überblick zu behalten. Dann muss der Zehnjährige wieder ran und Schulsachen erledigen – mindestens im Lerntagebuch, das wöchentlich abgegeben werden muss, ist immer was zu ergänzen. Wenn wir gegessen haben und eine halbe Stunde vor dem Computer Fernsehen geschaut haben und der Sechsjährige im Bett liegt, frage ich den Zehnjährigen Englischvokabeln ab. Pädagogische Ratlosigkeit: Wie lassen sich diese Fragewörter bloß auseinanderhalten? Bald werde ich sie selbst verwechseln.

Am Wochenende haben wir – zum ersten Mal seit der Schuleinführung – nichts vor. Oder doch: Auf mich warten die Kartons mit den Wintersachen, in unserem Waldhäuschen werden wir sie in zwei Wochen schon brauchen. Und: Drei Klassenarbeiten hat der Zehnjährige vorzubereiten, so ganz selbständig geht das noch nicht.

Aber vor allem brauchen die Kinder Zeit. Spielzeit zu Hause, miteinander oder allein, mit mir, an der Tischtennisplatte oder auch mal auf dem Fußballplatz – die unter der Woche gerade viel, viel zu kurz kommt. Zeit, in der wir nicht irgendwohin aufbrechen, irgendetwas erledigen müssen. In der ich den beiden in Ruhe zuhören, mit den beiden das neue Lied aus dem Musikunterricht bei youtube suchen oder abends mal mehr als zehn Minuten vorlesen kann.

Familienalltag. Immer wieder muss er sich neu finden, neu einpendeln, während die Kinder größer werden. Mein Gefühl, allem nur noch hinterherzulaufen, muss vor allem dringend wieder aufhören. Zur Zeit ist es schlimm: Eine Freundin erinnert mich am Telefon zufällig an den Freitagstermin des Zehnjährigen. Eine Kollegin erwähnt, dass ja am 3.10. die Läden geschlossen haben. Sonst hätte ich beides vergessen.

Ein unverplanter Tag

Bin ja voller guter Vorsätze – jede Woche, egal ob meine Kinder gerade bei mir sind oder nicht, soll es einen unverplanten Tag im Kalender geben. Es ist möglich, dass diese Regel verhindert, dass ich jemals wieder so etwas wie eine neue Beziehung anfange – aber erschöpft, wie ich bin, muss ich Prioritäten setzen.

Heute war so ein unverplanter Tag. Mit Kindern.

Als ich in die Kita komme, ziehen schwarze Wolken am Himmel auf. Ich treibe den Fünfjährigen zur Eile an, wir müssen in die Schule, möglichst noch vor dem Regen. Der fängt an, als wir gerade zur Schulturnhalle gehen wollen, um die Mütze des Neunjährigen zu suchen. Also warten wir im Schulgebäude. Schneeregen, Hagel, auf dem Schulhof entstehen die üblichen Seengebiete. Nach einer Viertelstunde können wir endlich los.

In der Turnhalle gibt es eine sehr große Pappkiste für verschlumperte Sachen. Da ist die Mütze! Und gleich daneben der Fleecepulli, mir war noch garnicht aufgefallen, dass der Neunjährige den auch nicht anhat. Und da – da kommen doch die angeblich unauffindbaren und neulich – todschick in Grün! – nachgekauften Turnschuhe des Neunjährigen zum Vorschein! Ach nee. Die Kiste ist bis oben hin voll, das ist ein kleiner Trost. Mein Sohn ist nicht der einzige, der Sachen verschlumpert, man könnte hier mehrere Sportvereine oder ein kleines Drittweltland einkleiden. Sogar Jeans gibt es. Ohne Hose ist mein Sohn ja zum Glück noch nie nach Hause gekommen.

Dann müssen wir einkaufen. Weil wir am Frühstückstisch mal wieder vom Hundertsten ins Tausendste gekommen sind (vom Vorschlag des Fünfjährigen, doch statt Brot ein bisschen Geld zu essen, über diesen Indianer, der schon vor langer Zeit wusste, dass man Geld nicht essen kann, mit ein paar kleineren Abschweifungen zum vom BUND empfohlenen Plastefasten), wollen wir heute mal gucken, ob wir einkaufen können, ohne Plastik mit nach Hause zu nehmen. Lose Tomaten gibt es, ok. Und der Honig ist im Glas (obwohl der Deckel… naja). Bananensaft gibt es nicht in der Glasflasche, also mal Birne (nee, jammert der Fünfjährige, das trinke ich aber nicht!) – und dann braucht der Neunjährige noch eine Trinkflasche für die Klassenfahrt. Und da gibt es nun mal diese nette Plasteflasche in der richtigen Größe mit der leckeren Limo drin… ok.

Jetzt müssen wir noch unsere Frühlingsfotos ausdrucken, damit der Fünfjährige sie mit in die Kita nehmen kann. Dem Fotoautomaten zuzuschauen, aus dem immer schon der Rand des Fotos vorguckt, das gerade gedruckt wird – erst ganz gelb, dann orangerot, dann plötzlich mit den richtigen Farben – macht Spaß.

Aber zu Hause sind wir wieder mal erst um Fünf. Die Kinder veranstalten Wettkämpfe mit Quartettkarten, ich räume auf und nutze den Frieden, um schnell ein paar Fotos ins Album zu kleben, dann schnell Abendessen machen, schon wieder viel zu spät. Und hinterher Schulsachen. Mama, freut sich der Neunjährige, mein neuer Füller ist heute garnicht verlorengegangen! Dafür fehlt das Hausaufgabenheft, so dass er praktischerweise nicht nachsehen kann, ob er noch irgendetwas machen muss. Ich schimpfe ein bisschen – irgendwas fehlt in der letzten Zeit jeden Tag, das kann so nicht weitergehen. Die neue Jacke und die neuen Gummistiefel meines Sohnes (werden eigentlich allen Kindern alle Sachen immer gerade in der Woche vor der Klassenfahrt zu klein?) würde ich zu gerne mit Peilsendern ausstatten.

Vorm Schafengehen versöhnen wir uns wieder. Der Neunjährige erklärt mir, wie schnell die Kinder heute zur Turnhalle und zurück hetzen mussten, und ich verstehe, wie Mütze und Pulli dabei verlorengehen konnten. Nebenbei erfahre ich noch von der guten Note, die mein Sohn sich im Seilspringen erkämpft hat. Klasse.

Mein großer Sohn murmelt mir ein müdes Gutenacht zu, der kleine kräht noch vergnügt im Bett und will unbedingt alle Strophen von „Der Mond ist aufgegangen“ hören, alle, die mir einfallen. Ich würde am liebsten gleich vor seinem Bett liegenbleiben.

Das war der unverplante Tag. Eigentlich wollte ich die Malfarben vorholen und mit den Kindern pinseln. War mal wieder nix. Morgen Freunde zu Besuch. Übermorgen Zahnarzt.

Irgendwas ist immer.