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Reif für die Insel: Urlaubsprojekt I

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Die Hände werden ganz kribbelig, weil ihnen jetzt die Abendbeschäftigung fehlt.

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Reif für die Insel: Goldene Bahnfahrermedaille

Niemand ist so verrückt wie wir. In Gummistiefeln – weil der Himmel voller schwarzer Wolken hängt, als wir am Morgen zur Inselfähre wandern und weil hinterher einfach nirgendwo Ruhe und Platz zum Schuhewechseln ist – fahren wir 10 Stunden lang aus dem Urlaub in den Urlaub, von der Nordsee zur Ostsee, aus Ostfriesland nach Dänemark, wo meine große Schwester uns noch für ein paar Tage in ihr Urlaubshäuschen eingeladen hat.
Wir fahren Fähre und Bus, kleine Regionalbahnen, in denen Radfahrer böse Blicke auf unser im Radfahrerbereich abgestelltes Gepäck werfen, steigen in allerlei Kleinstädten um, vertreiben im IC von Norddeich Mole Leute von unseren Plätzen, schleppen unser Gepäck nach einer halben Stunde wieder zur Tür und in den nächsten IC zu den Urlaubern, die nach Sylt unterwegs sind. Der ICE nach Kopenhagen bleibt in Puttgarden stehen, weil das dänische Zugbegleitpersonal nicht da ist, aber irgendwann rollen wir doch in den Schiffsbauch und dürfen aus den Zug klettern. Und noch eine Weile später sind wir endlich da.
Meine Kinder haben irgendeinen goldenen Bahnfahrpreis verdient, geduldig machen sie das alles mit – und wir sind inzwischen absolut eingespielt. Fünf Minuten Umsteigezeit in Hamburg, von Gleis 13 nach Gleis 5, wenn die Rolltreppe kaputt und der Aufzug voll ist? Kein Thema, trotz unserer fünf Gepäckstücke kriegen wir das hin und steigen trotz umgekehrter Wagenreihung dort ein, wo unsere Plätze sind.
Aber nach jeder Bahnreise fühle ich mich, als wäre es die schlimmste gewesen, die wir je gemacht haben.
Zum Glück sind wir dann abends da, gehen am Meer entlang und haben nochmal ein paar Urlaubstage vor uns. Und trotz der schönen Zeit auf der Nordseeinsel ist das hier das richtige Meer: die gute alte Ostsee, verlässlich ans Ufer rauschend, mit ihrem Strand voller Herzsteine und grobem Sand und toten Glockenquallen und glattgeschliffenen Glasscherben, die die Jungs sofort un die Wette zu sammeln beginnen.
In ein paar Tagen müssen wir wieder Bahnfahren. Aber daran denke ich heute mal noch nicht.

Reif für die Insel: Urlaubsalltag

Es ist lustig und erstaunlich, wie schnell ein Urlaub seine eigenen kleinen Routinen hervorbringt. Sind wir Menschen so sehr Gewohnheitstiere, dass kleine Rituale um uns entstehen, wo immer wir uns bewegen? Oder geht das nur mir so?
Hier fängt der Tag mit dem Gelächter der Möwen an, die um halb sieben auf dem Dach gegenüber ihre Tagesbesprechung abhalten. Während die Jungs duschen, räume ich unser Zimmer auf und fege eine kleine Sanddüne zusammen. Dann gibt es eine kleine Rummycub-Runde vor dem Frühstück, die der Zehnjährige gewinnt, weil ich noch keinen Kaffee hatte.
Mittags liebe ich es, die Tasse Kaffee wiederzuentdecken, die ich morgens aus dem Speisesaal habe mitgehen lassen.
Zur Abendroutine gehört die halbe Stunde auf dem Spielplatz und die halbe Stunde am Kickertisch, den die anderen Familien offenbar garnicht entdeckt haben. Ich lese ein Paar Seiten von den „Ferien auf Saltkrokan“ vor und stricke draußen auf der Bank noch ein paar Runden, wenn die Jungs schlafen. ‚Immer noch nicht fertig?‘ fragt die ältere Frau, die jeden Abend vorbeikommt, und ich antworte jeden Abend mit einem gelassenen ‚Nö.‘ Und schaue zum Abendhimmel und bin sehr froh, im Urlaub zu sein.

Reif für die Insel: Allein

Es ist ok, mit meinen Söhnen hier allein zu sein. Gegen das, was fehlt, rechne ich auf, dass es das Bedauern nicht gibt, mit denen ich manchmal zurückgeblieben bin, wenn die Leute, mit denen wir Urlaub gemacht haben, Lust auf Unternehmungen hatten, die ich wegen der Jungs nicht mitmachen konnte. Hier geht es nur um uns drei – und dass ich Abendandacht, Inselumrundung, Massage, Strandyoga und Parkkonzert nicht besuchen kann, ist irgendwie egal.
Ersteinmal bleiben wir auch unter uns.
Am Nebentisch eine Großfamilie, ein Paar Großeltern, drei Paar Eltern, jede Menge Kleinkinder. Die Erwachsenen streiten sich wegen der Betreuung der Kinder und  sagen freundlich „Hallo“, wann immer wir uns auf dem Gang sehen.
Die nach uns angekommenen Familien werden an einen Tisch zusammengesetzt und kriegen deshalb automatisch Kontakt – mehr, scheint mir, als der Frau lieb ist, die dort als einzige einen Mann dabei hat.
Wir bleiben an unserem Einzeltisch platziert. Vielleicht mag man hier keine Berliner?
Im Schwimmbad treffen wir dann welche. Das Mädchen aus dem Prenzelberg spielt mit dem Zehnjährigen, bis es zum Mittagessen muss. Und ein zukünftiger Klassenkamerad des Sechsjährigen ist auch da. Prima.
Mir selber reicht es völlig, ein paar gelegentliche nette Bemerkungen oder auch nur freundliche Hallos auszutauschen. Ist das besorgniserregend? Nein, entscheide ich. Ich habe besorgnisfrei. Ich habe Urlaub.

Zwischenstand (ins Unreine): Herbst

Blättergeruch in den Straßen, den mag ich. Pappellaub riecht am besten, auch wenn der Berlin-übliche Eiche-Ahorn-Mix und die braunen Lindenblätter auch nicht schlecht abschneiden. Die Farben sind schön: braun und gelb, rot und orange und rosa, überall. Graue Wolken, Nieselregen, zwischendurch die Sonnenwärme vom letzten Wochenende.

Für unsere alte Blätterlaterne (wenn man sie mit der kaputten Seite zum Fenster dreht, sieht sie immer noch schön aus) haben wir ein neues Päckchen Teelichte gekauft. Im Kalender Termine für Plätzchenbacken und Geschenkebasteln.

Im Kopf Erinnerungen an den Sommer, in dem ich so viel in Brandenburg unterwegs war: an ein verzaubertes Regenpicknick auf einem Hochsitz, an die Sonnenwärme beim Paddeln auf der Spree, den prächtigen Stock Hallimasch am Bootshaus in Bredereiche und die herrlichen Schirmpilze, die wir später im zum Beutel umfunktionierten Schal nach Hause getragen haben; an den Blick über den Neuruppiner See, an das Geschnatter der Wildgänse, die über dem Oberuckersee Züge für den Flug nach Süden bilden, und an die Kälte des Wassers, in dem wir natürlich nochmal herumwaten mussten.

Und die Ausflugszeit ist noch nicht ganz vorbei. Im Zimmer des Fünfjährigen stapeln sich die Winterjacken, die Gummistiefel, warme Pullover, Mützen, Handschuhe, Spiele, Bücher, Zeckenschutzmittel, eine riesige Tasche voller Medikamente (nur für den Fall), drei Beeren-Sammel-Eimerchen (nur für den Fall) und allerlei Lebensmittel – zusammen mit einer Liste, auf der steht, was ich noch alles kaufen muss, damit wir in der Uckermark sieben Tage ohne Auto überleben können und zusammen mit dem (recht komplexen) Plan, wie wir an einem der Tage die Therme in der nächstgelegenen Stadt besuchen können. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Slogen des Berlin-Brandenburgischen Verkehrsverbundes –  „Alles ist erreichbar“ – hat mich bei der stundenlangen Recherche nach Rufbussen und der Mühe, einander widersprechende Fahrplanauskünfte zu verstehen, mit der Zeit ziemlich erheitert.

In ein paar Tagen sind wir in „unserem“ Waldhäuschen. Hurra!