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WmdedgT – 5.5.2017

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Heute ist wieder der 5., und an jedem 5. fragt Frau Brüllen danach. Alle Texte zum heutigen 5. Mai finden sich hier.

Und mein Tag war so:

0.00: Ich wache neben dem liebsten Freund auf und sage ihm Gute Nacht, bevor ich ihm für den Rest der Nacht in meinem kleinen Schlafzimmer seinen Schnarcherfrieden lasse. Schnell Zähne putzen und Sofa aufklappen, die Decken liegen schon bereit.

6.40: Ich schlage gerade zur rechten Zeit die Augen auf, obwohl ich den Wecker nicht gestellt habe, damit der Zwölfjährige im Nebezimmer nicht zu früh wach wird. Heute ist ein Ausnahmemorgen, denn gestern Abend haben wir meinen großen Sohn zu einem echten, richtigen Konzert mitgenommen – „Dota – Mit Pauken und Trompeten“*.
Ich schleiche in die Küche und mache dem Zwölfjährigen in Windeseile seine Frühstücksdose für die Schule.

6.45 Das Telefon läutet. Der Vater meiner Kinder sagt Bescheid, dass er seine Wochenendreise auf Samstag verschoben hat und den Achtjährigen um 10 Uhr in der Schule abholen kann – zu dieser unfreundlichen Zeit kommen die 2. Klassen nämlich von ihrer Klassenfahrt zurück. Ich plane dankbar von Homeoffice auf Bürotag um.

6.50 Der liebste Freund kommt in die Küche und macht Kaffee. Der Zwölfjährige klettert aus seinem Bett und versichert, bis eben geschlafen zu haben und prima fit für die Schule zu sein. Na dann!

7.00 Der Zwölfjährige ist angezogen und macht sich über die Häppchen her, die ich ihm gestrichen habe. Der liebste Freund macht sich ein Mittagsbrot.

7.15 Der liebste Freund ist im Bad fertig und übernimmt es, den Tisch abzuräumen. Der Zwölfjährige packt seine Schulsachen zusammen, ich ziehe mich an.

7.30 Eigentlich könnten wir los, aber der Zwölfjährige muss erst noch kurz in der Wetter-App gucken, was für Wetter wir gerade haben und was für Wetter der Achtjährige auf seiner Klassenfahrt heute morgen hat. Eine amtliche Nebelwarnung! Sensationell!

7.40 Wir verlassen das Haus.

8.05 Der liebste Freund steigt aus der S-Bahn und winkt mir vom Bahnsteig einen letzten Gruß zu. Ich bekomme endlich einen Sitzplatz. Ich hole mein Buch aus der Tasche, als mir einfällt, dass ich dringend ein paar sms beantworten muss. Leider endet die Bahn an der nächsten Station, so dass ich hastig – mit Buch unter dem Arm, Smartfon in der Hand und in den Riemen meiner Handtasche verheddert – aussteigen muss.

8.20 Ich schließe meine Bürotür auf. Alle, die sonst in den Büros rechts und links von meinem sitzen, haben heute Urlaub oder arbeiten von zu Hause. Ich widme mich also sechs Stunden lang ziemlich ungestört dem Umbau eines drölfzig-dimensionalen Excel-Modells, in dem die Formeln über die Jahre wie Lianen gewuchert sind und das auf Geheiß des Chefs selbsterklärend übersichtlich werden soll (ohne dabei seine unglaubliche Detailfülle einzubüßen).

14.45 Rechner aus, Wochenende.

15.00 Lese in der S-Bahn ein paar Seiten von Steven Hawkings „Universum in der Nussschale“. Leben  wir auf einer „Bran“? Und was in aller Welt soll das bitte sein? Ist das Universum in der imaginären Zeit eine Kugel? Und warum verläuft die imaginäre Zeit senkrecht zur wirklichen Zeit? Andere Bücher über die Rätsel des Universums fand ich verständlicher, aber in diesem lerne ich wenigstens, was der „Spin“ eines Teilchens ist. Der Zwölfjährige – wer mit mir frühstückt, hat keine Chance, dem zu entgehen, was ich aus diesem oder jenem Buch gerade im Kopf behalten habe – hat am Morgen schon behauptet, er fände es leicht, sich etwas vorzustellen, was man zweimal um sich selbst drehen muss, bis es wieder aussieht wie am Anfang.

15.30 Ich klingle beim Vater meiner Kinder und sammle meine Söhne und ihre diversen Gepäckstücke (1 Ranzen voller loser Blätter (vermutlich), 1 Koffer voller Schmutzwäsche, 1 Rucksack voller dies-und-das, 1 Sporttasche voller müffelnder Sportkleidung) ein. Der Achtjährige erzählt stolz, dass auf der Klassenfahrt niemand an irgendeinem Tag vor um elf geschlafen hat (und ich mache mir Sorgen, wenn ich den Zwölfjährigen einmal zu einem Konzert mitnehme…) und zeigt mir viele, viele Fotos. Am besten sind die Selfies, auf denen er mit anderen Jungs und Zahnlücke fröhlich in die Kamera grinst.
Obwohl es ziemlich super war, ein paar Tage allein mit dem Zwölfjährigen zu verbringen, bin ich sehr, sehr froh, dass der Achtjährige wieder zu Hause ist!

16.00 Die Jungs streiten sich um einen Haufen Lego-Teilchen und ich fange an aufzuräumen. Das kleine Schlafzimmer muss schön gemacht werden, weil die ganz große Schwester an diesem Wochenende tagsüber einen Kurs in Kreuzberg und über Nacht uns besucht. Der Koffer des Achtjährigen muss ausgepackt und auf dem Hängeboden verstaut werden. Der Styroporblock, der uns gestern abend auf dem Konzert so gute Dienste geleistet hat, muss im Keller verstaut, Müll runtergebracht, Wäsche angestellt und das Wohnzimmer aufgeräumt werden. Zu essen gibt es auch nichts mehr.

17.00 Zwischen Aufräumen und Einkaufen setze ich mich eine Minute hin und schicke der ganz großen Schwester einen Sprachnachrichtsgruß.

17.50 Ich komme vom Einkaufen zurück, packe aus und mache Abendbrot.

18.00 Der Achtjährige kommt ächzend an den Tisch und klagt über Kopf- und Bauchschmerzen. Essen geht garnicht.

18.20 Wir kuscheln uns zu dritt aufs Sofa und gucken ein bisschen fern. Der Achtjährige ächzt. Umsichtig hat der Zwölfjährige eine Schüssel aus dem Bad geholt und neben den Platz des Achtjährigen gestellt. Während auf dem Bildschirm die Tierpfleger des Berliner Zoos dieses oder jenes Tierbaby herzeigen, übergibt sich der Achtjährige. Danach ist er soweit wiederhergestellt, dass ich ihm schnell die Zähne putzen und ihn in sein Bett transferieren kann.

18.45 „Ist es wirklich erst dreiviertel Sieben?“, tönt es aus dem Zimmer des Achtjährigen, und dann „Mama, du erwartest jetzt aber nicht, dass ich morgen bis um sechs schlafe, oder?“ – Dann ist Stille.

19.00 Der Zwölfjährige soll den Abendbrottisch abräumen. Als erstes versucht er, den Deckel einer Konservendose mit Dorschleber (merke: niemals hungrig einkaufen, dann sind auch keine Dosen mit Dorschleber im Haus) wieder zuzubiegen und kippt die Dose dabei an. Eine Öllache breitet sich auf dem Küchentisch aus. Während ich ein Kilo Rhabarber schäle und kleinschneide, wischt der Zwölfjährige mit Klopapier und Schimpftiraden auf das Mithelfen im Haushalt im Allgemeinen und Dorschleber im Speziellen den Tisch wieder sauber. Dann spüle ich und mein Sohn räumt weiter ab. Während er das kalte Wasser, das ich vor dem Abwaschen aufgefangen habe, für die Blumen auf dem Balkon trägt, gehe ich mit der nach Fisch riechenden Abfalltüte zum Müll.

19.15 Ich hänge schnell noch Wäsche auf. Der Zwölfjährige hat den Laptop schon wieder eingeschaltet und wartet auf die Fortsetzung des Filmes von vorhin, während ich mit unserer Wochenration – vier Squatrillionen – Socken kämpfe.

19.20 Nochmal Sofa. Mit Fernsehen und Kuscheln.

20.00 Der Zwölfjährige holt sich einen Comic und verhält sich still, damit er nicht ins Bett geschickt wird liest. Ich schreibe. Abendfrieden.

 


*Denn dass Dota – über die der Zwölfjährige schon zwei Kurzvorträge in Musik gehalten hat – ausgerechnet in der Woche in Berlin auftritt, in der auch die Klassenfahrt des Achtjährigen stattfindet… das war schon irgendwie ein Zeichen. Und der Abend war ein großer Erfolg: das Konzert hat wirklich schon um 20 Uhr begonnen, der Zwölfjährige hatte eine prima Aussicht, weil er auf einem Styroporblock stand, den der liebste Freund extra dafür gebastelt hatte, das Lieblingslied des Zwölfjährigen – „Rennrad“ wurde gespielt (wenn Sie auch da waren: wir waren die, die da so laut mitgesungen haben) und die S-Bahn hat uns so zügig nach Hause gebracht, als wäre sie noch nie, nie, niemals ausgefallen, so dass der Zwölfjährige um pädagogisch in einem Ausnahmefall gerade noch vertretbare fünf Minuten nach halb 11 im Bett gelegen hat.

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5. Februar

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? – das fragt Frau Brüllen auch an diesem 5. Februar. Nicht gerade irgendetwas spektakuläres, muss ich erwidern, füge aber zu meiner Verteidigung hinzu, dass die Woche mit einem 11. und einem 50. Geburtstag, einer Erhöhung des Krankenstandes in meiner vierköpfigen Abteilung von 25% auf 75% und nicht ganz ohne Zusammenhang dazu einsetzenden Magenkrämpen meinerseits keine wirklich entspannte war.

6.30. Mein Wecker klingelt. Mein Magen tut weh, das macht er schon seit drei Tagen; mein Kopf tut auch weh, das ist neu. Beim Aufstehen ist mir schwindelig, drei Tage Zwieback und Tee, das war reichlich nährstoffarm. Ich schlappe ins Bad.

6.45 Der Siebenjährige kommt aus seinem Zimmer und umarmt mich innig. Ich schleppe ihn zu meinem Bett und wir kuscheln noch fünf Minuten.
6.50 Der Elfjährige wird wach, kommt aus seinem Zimmer, legt kurz seine knochigen Arme um mich. Dann verschwinden meine Söhne in sein Zimmer und spielen mit dem Geburtstagslego.

7.15 Wir sitzen in der Küche und frühstücken. Hinter meinem Rücken schwanken die Stapel schmutzigen Geschirrs, die noch vom Geburtstag des Elfjährigen herumstehen. Auf meinem Brettchen liegt Zwieback. Ich streiche über meinen schmerzenden Bauch. Wir gucken die prächtig blühende Amaryllis auf dem Fensterbrett an und spekulieren, ob man von den Blüten Samen bekommen und daraus neue Amaryllisse züchten kann. Und wie macht man das eigentlich bei Hyazinthen? Und Tulpen?

8.00 Meine Söhne machen sich auf den Weg zu ihrem Vater. Ich lege mich noch zehn Minuten hin und gehe dann zur S-Bahn.

8.45 Arztpraxis. Lasse mir die letzte Vitamin-B-Spritze der dieswinterlichen Kur geben. Schwatze noch einen Moment mit der Sprechstundenhilfe, wir kennen uns inzwischen ganz gut.

9.05 Komme im Büro an. Keine Wunderheilungen, der Krankenstand liegt auch heute bei drei von vier Teammitgliedern. Nummer vier bin ich, es wäre einfach unoriginell, jetzt auch krank zu werden. Und immerhin kann ich ja sitzen. Meine Büronachbarin spendiert mir Fenchelteebeutel.

12.50 Kurze Mittagspause. Lasse mir im Betriebsrestaurant Kartoffeln und Möhren geben. Nicht so lecker.

14.00 Immernoch Kopfschmerzen. Immernoch Magenschmerzen. Gebe auf. Schreibe dem Chef dass ich heimfahre und meinen Magen auskuriere. Fahre nach Hause und falle ins Bett.

15.45 Wache auf. Etwas besser. Fange an, in der Küche Müll einzusammeln.

16.00 Die Patchworkmama, die mal neben mir gewohnt hat und inzwischen in der Kölner Gegend weiterpatchworkt, ruft mich an. Sie ist auf Berlinbesuch, und eigentlich sollte sie den Siebenjährigen, der ihr Patenkind ist, bei seinem Papa treffen, aber der geht nicht an sein Telefon. Also kommen sie zu mir – die Patchworkmama mit dem neuesten Patchworkbaby im Bauch, der Patchworkmann und mein Patenmädchen. Ich setze Kaffee für die Gäste auf. Zum Glück gibt es noch einen Rest Schokoladenkuchen vom Geburtstag des Elfjährigen.

16.15 Der Vater meiner Kinder ruft an und ist sauer, weil die Patchworkmama jetzt zu mir gekommen ist und nicht zu ihm. Ich muss ein bisschen diskutieren, bis der Siebenjährige rüberkommen darf.

16.20 Wir sitzen zusammen, trinken Kaffee/Kamillentee/Wasser, die Großen schwatzen, die Kinder machen Bilder mit den Pustestiften.

17.30 Der Vater meiner Kinder ruft an und fragt, wann der Siebenjährige endlich zurückkommt. Ich scheuche mein armes Kind auf – hinterher denke ich, dass fünf Minuten mehr ja wohl auch kein Problem gewesen wären. Mein Sohn lässt sein angefangenes Geburtstagsspiel stehen und verabschiedet sich.

17.35 Mein Patenmädchen möchte noch ein Brot essen, plötzlich stehen doch alle in meiner gruselig schmutzigen Küche zwischen den Geschirrbergen, die inzwischen auf sämtliche Flächen übergewachsen sind. Brot, Streichkäse und Gurke gibt es zum Glück noch, auch ein sauberes Brettchen. Dann verabschieden sich die Gäste.

17.45 Ich mache mich über Teil eins des Riesenabwaschs her. Im Radio läuft eine türkische Radiosendung, die ich nicht verstehe, das ist manchmal ganz entspannend.

18.45 Ich stelle eine Teetasse an mein Bett und lege mich hin. Krimi an, Kopf aus. Der tut leider immernoch so weh, dass ich später – wegen meinem Magen geht ja keine Tablette – eins der Schmerz- und Fieberzäpfchen der Kinder nehmen muss.

21.00 Licht aus. Ende der unrühmlichen Vorstellung.