Ein Buch wird verlost…

Vor längerer Zeit habe ich mich voller Begeisterung bei „Blogger schenken Lesefreude“ angemeldet, um mich an der allgemeinen Buchverloserei zum Welttag des Buches zu beteiligen.

Und der ist heute! Ein Hoch auf das Lesen!

Ich habe mich entschieden, Ulrich Kochs Gedichtband „Uhren zogen mich auf“ zu verlosen, den ich sehr liebe.

Weil wir alle Poesie brauchen, für unsere Seelen. Weil Ulrich Koch das so großartig kann – in seinen Gedichten die Poesie durch den abseitigen, kleinen, öden und manchmal verlorenen Alltag hindurch aufleuchten zu lassen. Weil dieser Autor jeden Leser verdient, den er kriegen kann.

Wer diese wunderbaren, berührenden Gedichte gewinnen möchte, schreibe das bitte in einen kleinen Kommentar! Und in einer Woche lose ich aus.

Chocolate overkill

Weil wir uns in Thüringen bei verschiedenen Leuten eingeladen haben, müssen Mitbringsel her. Zu Ostern natürlich Osterkörbchen mit Schokoladenosterhasen und anderen süßen Sachen.

Ich reise also nach Thüringen, im Gepäck ein Körbchen für meine Eltern und eins für meine ganz große Schwester, bei der der Neunjährige die zweite Ferienwoche verbringen wird, und eins für die Mama einer Freundin, deren Pferd wir besuchen wollen (aber keins fürs Pferd) und eins für unsere Freunde in Kölleda. Außerdem eins für den Neunjährigen und zwei Tütchen mit kleinen Eierchen, die sich für Kinder so schön überall verstecken lassen. Ich reise mit gutem Gewissen, ich habe an alle gedacht. Und ich habe nur Süßigkeiten in die Körbchen gepackt, die ich entweder selber gern essen würde oder die die anderen mögen oder von denen die anderen irgendwann mal behauptet haben, dass sie sie gern mögen.

Wir machen unsere Besuche, die Osterkörbchen verschwinden eins nach dem anderen aus meinem Gepäck.

Und dann fahre ich zurück. Beladen mit einem Osterkörbchen von meinen Eltern für den Neunjährigen und einem für den Fünfjährigen, mit einem Osterkörbchen von meinen Eltern für mich, einem von meiner Schwester für mich, einem von meiner Schwester für den Fünfjährigen… So viel Liebe! So viel Schokolade!

Der Neunjährige hat gleich nach dem Osterfrühstück knallhart die Süßigkeiten aussortiert, die er nicht mag. Das will ich morgen für deine ganz große Schwester und ihre Tochter verstecken, hat er begeistert gesagt. Ich habe abwesend genickt, ich war mit den Gedanken nicht bei der Sache, ich habe überlegt, wo ich die Schokoladentafel loswerde, die, die ich nicht mag und von der ich bestimmt nie im Leben behauptet habe, dass ich sie mögen würde und die ich trotzdem immer wieder mit Liebe und besten Absichten geschenkt bekomme. Einfach im Zug liegenlassen?

Am Abend komme ich in Berlin an, auch der Vater meiner Kinder kommt mit dem Fünfjährigen von den anderen Großeltern zurück und bringt ihn bei mir vorbei. Im Zimmer des Fünfjährigen, unter dem Osterstrauß, stellen wir das Körbchen auf, das er von meinen Eltern bekommen hat und das von meiner ganz großen Schwester und das von mir – und als wir am Dienstag nach Ostern wieder zur Kita gehen, steht da tatsächlich noch eins für ihn in seinem Garderobenfach. Oh, hier war der Osterhase auch, sage ich bedrückt…

Und wer soll das jetzt alles aufessen?

Mitte der Woche kommt uns eins meiner kleinen Patenmädchen besuchen. Ich weiß was, schlage ich dem Fünfjährigen vor, wir können meinem kleinen Patenmädchen doch ein schönes Osterkörbchen schenken! Der Fünfjährige sucht großzügig alle Osternaschereien zusammen, die er nicht so gern mag und dazu ein paar, die er gern mag. Und sogar den kleinsten seiner vier Schokoladenhasen gibt er ab.

Na bitte. Schon ein bisschen überschaubarer.

Bloß schade, dass wir mit den Weihnachtssüßigkeiten noch garnicht fertig waren.

Osterspazierfahrt

Die Ostertage verbringe ich mit dem Neunjährigen in Thüringen bei meinen Eltern.

Wir besuchen das Pferd von Freunden, das wegen dem Osterfeuer in Sichtweite des Stalls ganz außer sich ist; wir gehen ins Schwimmbad, wo ich alte Schulfreunde wiedertreffe und der Neunjährige ganz nebenbei seine Seepferdchenprüfung ablegt; wir fahren mit meinem Vater raus aufs Dorf, dahin, wo ich aufgewachsen bin, und klettern in der Kirche auf wackeligen Stiegen hoch bis zu den Glocken, bis dahin, wo man die Turmfalkenküken piepsen hört. Ach, ist das schön hier. Wie das wohl wäre, hier zu leben? -

Und wir wollen eine Freundin besuchen, die wir im letzten Sommer auf der Kur kennengelernt haben. In Kölleda.

Vorausschauend habe ich mir am Weimarer Bahnhof alle in Frage kommenden Verbindungen ausdrucken lassen. Mitleidig hat die Schalterfrau mich angesehen, als sie mir die Ausdrucke – mit einem matten: viel Glück! – in die Hand drückte. Wieso nur?

Vom Eise befreit sind Fluß und Bäche, trotzdem ist es schneidend kalt, als wir uns frohgemut auf den Weg zum Stadtbus machen, der zum Überlandbus-Busbahnhof fährt. Ich beglückwünsche mich dazu, dass ich den Ostersamstagsvormittag damit verbracht habe, schon eimal zum Busbahnhof zu fahren und herauszufinden, ob der Bus von Weimar nach Kölleda tatsächlich fährt. Deshalb weiß ich jetzt schon, dass er mitnichten zusammen mit den anderen Bussen an der Anzeigetafel angeschrieben stehen wird – oh nein, er wird ja nicht von der Weimarer, sondern von der Sömmerdaer Busfirma betrieben. Außerdem weiß ich schon, wo der Bus abfahren wird und dass er wegen der Vollsperrung der Straße nach Kölleda Verspätung haben wird.

Als der kleine Bus endlich kommt – ein besseres Ruftaxi mit 17 Sitzen – haben mein Sohn und ich ihn ganz für uns allein. Niemand außer uns wird Zeuge, wie der Fahrer auf schmalen, gerade achsenbreit betonierten Wirtschaftswegen die Vollsperrung umgeht. Niemand außer uns genießt den Blick auf Thüringens grüne Hügel – obwohl mein Sohn den auch nicht so recht genießt, dem ist schlecht. Ich falte schnell das unsäglich hässliche Malheft aus dem ICE zu einer Brechtüte zusammen, zum Glück brauchen wir sie nicht.

Wir verbringen einen herrlichen Nachmittag mit unseren Freunden.

Und dann müssen wir wieder zurück. Der Bus fährt nur zweimal am Tag – morgens und mittags. Aber es gibt ja auch Züge! Und sogar einen Bahnhof! Ach ja, ruft meine Kurfreundin, stimmt ja, den hatte ich ganz vergessen, ich bin hier noch nie Zug gefahren. Zum Glück weiß sie, wo der Bahnhof ist, und fährt uns hin. Dochdoch, sagt sie, als wir vor dem verfallenen Bahnhofsgebäude stehen, durch dessen kaputte Fenster Taubenschwärme ein- und ausfliegen. Das ist er wirklich! Wir müssen eine leicht schaurige Unterführung nehmen, die uns unter einem aus dem Wiesen- ins Waldstadium übergehende Brachgelände hindurch zu einem Gleis inmitten der Wildnis führt. Vom Bahnsteigdach stehen nur noch die rostigen Träger. Ein kleiner, gelber Abfahrtsplan ist das einzige Zeichen dafür, dass hier – zwischen halbwüchsigen Birken und hohem Gras – Züge verkehren.

In der Pfefferminzbahn – so nennt sich der kleine Triebwagen stolz, der ganz planmäßig angezockelt kommt – sind wir nicht ganz allein. Ein mürrischer Fahrgastzahlenerhebungsangestellter sitzt da und füllt ganz große Tabellen mit ganz kleinen Zahlen aus. Weil der Automat meinen Geldschein nicht schluckt, spreche ich ihn an. Na, da haben Sie sich Ostergeld verdient, sagt er, hier ist keiner, der ihnen einen Fahrschein verkaufen könnte.

Mit der Pfefferminzbahn kommen wir bis nach Großheringen, das zwar nicht zwischen Weimar und Kölleda liegt, aber eine Umsteigemöglichkeit in die Regionalbahn bietet. Wir nutzen die Dreiviertelstunde Aufenthalt an diesem Knotenpunkt, um den Bahnhof zu verlassen und ein paar Schritte in den Ort zu gehen. An der Straße ein Brunnen, der den Zusammenfluß von Saale und Ilm symbolisiert, mit Figuren spielender Kinder und mit Figuren von Fröschen, die sich heftig ihren Frühlingsgefühlen hingeben. Daneben eine Halle, in der ein paar Tische und Stühle Wartesaalatmosphäre verbreiten. Leider abgeschlossen. Große Schautafeln hinter den Glaswänden. Zwei zeigen Fotos von der großen Flut 2013. Die anderen beiden sind „Großheringen – 20 Jahre Wende“ und „Junges Wohnen in Großheringen“ übertitelt. Auf den Fotos – schief und verblichen – sind Häuser vor und nach ihrer Sanierung – oder ihrem Abriss – zu sehen. Ein Schild in der Ecke: „Dieses Projekt wird von der EU ko-finanziert.“

Nein, entscheiden wir, das kann hier nicht Großheringen sein. Bestenfalls Kleinheringen. Dass die Einwohner Freude daran haben, während unserer Wartezeit auf drei verschiedenen, sehr schicken Quads mehrfach die Hauptstraße auf- und abzubrausen, macht den Eindruck nur unwesentlich besser.

Der Fahrgastzahlenerhebungsangestellte sitzt friedlich in der Abendsonne am Brunnen und löffelt einen Joghurt. Wir imbissbudenverwöhnten Berliner kriegen auch Hunger. Zum Glück steckt tief unten in meinem Rucksack ein Tütchen Schokoeier, die wir eigentlich bei unseren Freunden verstecken wollten. Wie gut, dass wir das vergessen haben.

Auch hier kein Fahrkartenautomat oder gar -schalter. Stattdessen auf der Tür unserer Regionalbahn großgedruckt das Verbot, ohne gültigen Fahrausweis einzusteigen. Drin haben die Halenser Fußballfans gewütet, es riecht nach Bier, die Scheibe der Zwischentür lehnt traurig im Gang. Bis Weimar zeigt sich weder Schaffner noch Schaffnerin. Mein Sohn hält die Hand aus dem Fenster in den abendlichen Fahrtwind. Und ich freue mich auf Berlin.

Thüringen ist wunderbar. Freundliche Menschen in teils sehr hübschen Orten. Goethe, Schiller, Kultur, Ko-Finanzierung durch die EU, schnittige Quads und alles, was das Herz begehrt. Außer einem vernünftigen ÖPNV.

Das Balkongartentagebuch: Ausweitung der Anbauzone

Warme Tage und Wochenende! Was für ein glückliches Zusammentreffen.

Unter den Gefriertüten, die ich über meine Keimtöpfchen gestülpt habe, sind tatsächlich drei Sonnenblumen und jede Menge Basilikum gekeimt. Der darf in der Wärme schon mal raus ans Licht. Draußen beginnt der überwinterte Salbei zu wachsen. Die Erdbeeren treiben frische hellgrüne Blätter. Und jeder kleine Keim und jedes kleine Blatt machen mich froh.

Mein liebster Freund, der sich nicht – wie ich – vor Säge und Bohrmaschine fürchtet, baut mir aus Holzresten eine kleine Plattform, unter der ich zukünftig leere Töpfe, Tüten mit Erde und sonstigen Balkongartenbedarf unterbringen werde. So entsteht Platz für ein zweites Kistenbeet, das auf der Plattform stehen wird.

Ich nutze meinen kinderfreien Sonntag, um die Kistenbeete schon mal vorzubereiten. Im letzten Jahr hatte ich meine Beetkiste innen mit einer Plastikfolie ausgekleidet. In diesem Jahr nehme ich Pappe, weil ich den Gedanken nicht mag, dass die Folie doch anfangen könnte, sich zu zersetzen und die Erde und unseren Salat mit Schadstoffen anzureichern.

Dann Erde mischen. Ein bisschen alte, ein bisschen neue, ein bisschen aus dem Bohnentopf vom letzten Jahr – und halt: was ist eigentlich aus den drei oder vier Handvoll Obst- und Gemüseabfällen geworden, die ich im letzten Herbst in einem großen Topf mit Erde versenkt habe? Gleich mal nachsehen – siehe da: anscheinend sind sie über den Winter auch ohne Mitwirkung von Würmern verrottet. Keine Spur mehr davon – stattdessen keimen aus dem selbstfabrizierten Humus drei kleine Pflänzchen. Gurken? Melonen? Birnbäume? Kaffepflanzen gar? Ich versetze die Keimlinge sorgfältig in kleine Töpfchen und bin gespannt.

Die mit Erde befüllten Beete decke ich erst einmal ab: Zu früh für Zucchini, Rucola und Erbsen – und sowieso will ich die gemeinsam mit meinen Kindern aussäen. Aber der Sonnenschein verlockt mich, doch schon mal wenigstens ein paar Samen von Kapuzinerkresse, Winden und – noch ein Experiment – Ringelblumen in Töpfe zu stecken.

Das allerbeste ist aber der milde Abend. Auf der frisch zusammengeschraubten Plattform sitzen wir – stolz und froh, nichts wackelt oder knarrt – in der Dämmerung mit Brot, Käse und Wein und zählen Sterne.

Ich freue mich auf den Sommer. Ob der schneller kommt, wenn ich jetzt jeden Morgen eine Stunde früher aufstehe? Bestimmt.

Ein unverplanter Tag

Bin ja voller guter Vorsätze – jede Woche, egal ob meine Kinder gerade bei mir sind oder nicht, soll es einen unverplanten Tag im Kalender geben. Es ist möglich, dass diese Regel verhindert, dass ich jemals wieder so etwas wie eine neue Beziehung anfange – aber erschöpft, wie ich bin, muss ich Prioritäten setzen.

Heute war so ein unverplanter Tag. Mit Kindern.

Als ich in die Kita komme, ziehen schwarze Wolken am Himmel auf. Ich treibe den Fünfjährigen zur Eile an, wir müssen in die Schule, möglichst noch vor dem Regen. Der fängt an, als wir gerade zur Schulturnhalle gehen wollen, um die Mütze des Neunjährigen zu suchen. Also warten wir im Schulgebäude. Schneeregen, Hagel, auf dem Schulhof entstehen die üblichen Seengebiete. Nach einer Viertelstunde können wir endlich los.

In der Turnhalle gibt es eine sehr große Pappkiste für verschlumperte Sachen. Da ist die Mütze! Und gleich daneben der Fleecepulli, mir war noch garnicht aufgefallen, dass der Neunjährige den auch nicht anhat. Und da – da kommen doch die angeblich unauffindbaren und neulich – todschick in Grün! – nachgekauften Turnschuhe des Neunjährigen zum Vorschein! Ach nee. Die Kiste ist bis oben hin voll, das ist ein kleiner Trost. Mein Sohn ist nicht der einzige, der Sachen verschlumpert, man könnte hier mehrere Sportvereine oder ein kleines Drittweltland einkleiden. Sogar Jeans gibt es. Ohne Hose ist mein Sohn ja zum Glück noch nie nach Hause gekommen.

Dann müssen wir einkaufen. Weil wir am Frühstückstisch mal wieder vom Hundertsten ins Tausendste gekommen sind (vom Vorschlag des Fünfjährigen, doch statt Brot ein bisschen Geld zu essen, über diesen Indianer, der schon vor langer Zeit wusste, dass man Geld nicht essen kann, mit ein paar kleineren Abschweifungen zum vom BUND empfohlenen Plastefasten), wollen wir heute mal gucken, ob wir einkaufen können, ohne Plastik mit nach Hause zu nehmen. Lose Tomaten gibt es, ok. Und der Honig ist im Glas (obwohl der Deckel… naja). Bananensaft gibt es nicht in der Glasflasche, also mal Birne (nee, jammert der Fünfjährige, das trinke ich aber nicht!) – und dann braucht der Neunjährige noch eine Trinkflasche für die Klassenfahrt. Und da gibt es nun mal diese nette Plasteflasche in der richtigen Größe mit der leckeren Limo drin… ok.

Jetzt müssen wir noch unsere Frühlingsfotos ausdrucken, damit der Fünfjährige sie mit in die Kita nehmen kann. Dem Fotoautomaten zuzuschauen, aus dem immer schon der Rand des Fotos vorguckt, das gerade gedruckt wird – erst ganz gelb, dann orangerot, dann plötzlich mit den richtigen Farben – macht Spaß.

Aber zu Hause sind wir wieder mal erst um Fünf. Die Kinder veranstalten Wettkämpfe mit Quartettkarten, ich räume auf und nutze den Frieden, um schnell ein paar Fotos ins Album zu kleben, dann schnell Abendessen machen, schon wieder viel zu spät. Und hinterher Schulsachen. Mama, freut sich der Neunjährige, mein neuer Füller ist heute garnicht verlorengegangen! Dafür fehlt das Hausaufgabenheft, so dass er praktischerweise nicht nachsehen kann, ob er noch irgendetwas machen muss. Ich schimpfe ein bisschen – irgendwas fehlt in der letzten Zeit jeden Tag, das kann so nicht weitergehen. Die neue Jacke und die neuen Gummistiefel meines Sohnes (werden eigentlich allen Kindern alle Sachen immer gerade in der Woche vor der Klassenfahrt zu klein?) würde ich zu gerne mit Peilsendern ausstatten.

Vorm Schafengehen versöhnen wir uns wieder. Der Neunjährige erklärt mir, wie schnell die Kinder heute zur Turnhalle und zurück hetzen mussten, und ich verstehe, wie Mütze und Pulli dabei verlorengehen konnten. Nebenbei erfahre ich noch von der guten Note, die mein Sohn sich im Seilspringen erkämpft hat. Klasse.

Mein großer Sohn murmelt mir ein müdes Gutenacht zu, der kleine kräht noch vergnügt im Bett und will unbedingt alle Strophen von „Der Mond ist aufgegangen“ hören, alle, die mir einfallen. Ich würde am liebsten gleich vor seinem Bett liegenbleiben.

Das war der unverplante Tag. Eigentlich wollte ich die Malfarben vorholen und mit den Kindern pinseln. War mal wieder nix. Morgen Freunde zu Besuch. Übermorgen Zahnarzt.

Irgendwas ist immer.

Blaues Band und so

Der Fünfjährige hat eine Kita-Hausaufgabe: die Kinder sollen fotografieren, was jetzt im Frühling alles zu beobachten ist. Also ziehen wir los, jeder mit einem Fotoapparat ausgerüstet, und gehen auf Entdeckungstour. Gleich vor dem Haus blühen Veilchen. Und Forsythien. Nebenan eine umgeknickte, dafür aber schön rote Tulpe. Blaue Szilla. Ein blühender Baum und eine Trauerweide, die schon ganz grün schimmert. Die Kinder knipsen drauflos.

Weiter in den Park. Aus dem dicken knorrigen Stamm einer – äh – möglicherweise Ulme sprießen dicke grüne Knospen. Da drüben stehen noch ein paar halbverwelkte Krokusse. Und weiter den Hang hinunter eine ganze Böschung voller Lungenkraut, rosa und rot und weiß. Wir staunen.

Am Sportplatz nebenan gibt es Kastanienbäume. Ob die liegengebliebenen Kastanien vom letzten Jahr zu keimen anfangen? Wir schauen uns um, und siehe da: leuchtendrosa oder orange winden sich aus den alten Kastanien kräftige Keime wie dicke Würmer in die Erde. Ohhh! Ein paar Schritte weiter unter der Eiche noch mehr faszinierendes Leben: einige von den alten Eicheln haben schon Wurzeln tief in die Erde gestreckt und sind oben in zwei rot verfärbte Hälften aufgeplatzt, zwischen denen ein kleiner Spross hervorkommt.

Mama, fragt der Neunjährige, wenn jedes Jahr so viele neue Eichen und Kastanien wachsen, ist dann im Wald zwischen den Bäumen nicht irgendwann gar kein Platz mehr? Aber wir müssen ganz schön suchen, um zwischen den großen Bäumen und den Sträuchern kleine Bäumchen zu finden, die es über das erste Jahr geschafft haben.

Natürlich haben wir einige keimende Kastanien und sogar eine Eichel dabei, als wir wieder nach Hause kommen. In irgendeinem Topf auf dem Balkon werden sie schon einen Platz finden. Wir haben jetzt sowieso Lust, auch endlich zu säen und zu pflanzen. Beide Kinder haben zu ihren Geburtstagen Blumen geschenkt bekommen – jetzt stelle ich dem Fünfjährigen einen Blumenkasten für seine Glückskleezwiebeln hin und dem Neunjährigen einen für seine Anemonenknollen. Und dann holen wir die Erdbeerpflanzen aus ihrer Winterkiste. Alle haben überlebt.

Weil es ein Weilchen dauern wird, bis in den Blumenkästen etwas wächst, kommt aufs Küchenfensterbrett eine Schale Kresse. Und daneben zwei Töpfe, in denen ich ein paar Sonnenblumenkerne versenkt habe. Sonnenblumen aus Samen zu ziehen, ist mir noch nie gelungen – ein letzter Versuch also. Weil wir uns bei der Sendung mit der Maus gerade über Treibhäuser weitergebildet haben, stülpe ich durchsichtige Tüten über die Töpfchen. Jetzt muss es ja wohl klappen.

Und weil wir garnicht genug kriegen können, finden wir auch noch ein Plätzchen für einen Topf mit Basilikumsamen. Und siehe da – der ist am nächsten Morgen schon nicht mehr klein und schwarz, sondern grau und glitschig und sichtlich aufgequollen. Jetzt werden wir jeden Tag in alle Töpfe schauen und beobachten, was sich da tut. Frühling ist schön.

Diesunddas

Die Umstellung unseres Wechselmodells von halben auf ganze Wochen ist eine größere Veränderung für mich, als ich erwartet habe – obwohl die Zeit, die ich mit meinen Kindern und ohne sie verbringe, in Summe ziemlich genau gleich geblieben ist.

Eine Woche mit meinen Kindern liegt hinter mir, an deren Ende ich bleiern müde und erschöpft bin – nicht zuletzt deshalb, weil die beiden mich mit dem neuesten Schnupfen angesteckt haben. Ich fasse den guten Vorsatz, in der Zeit, die meine Söhne bei mir verbringen, regelmäßig zeitiger schlafen zu gehen. Schon dumm, dass ich immer nochmal richtig munter werde, sobald die beiden endlich im Bett sind!

Am Wochenende eine kleine Reise, nur ich und der Fünfjährige, sowas haben wir schon ewig nicht mehr gemacht, und es tut uns gut. Mein kleiner Sohn sonnt sich in der Aufmerksamkeit meiner Verwandten und macht – weil sein quirliger Bruder ja nicht da ist – selber so viel Quatsch, wie er nur kann, bevor ihm beim Abendessen die Augen zufallen. Als wir zurückkommen und ich den Fünfjährigen bei seinem Papa abliefere, verschwindet er aber sofort mit dem Neunjährigen ins Kinderzimmer – die beiden haben ein ganzes Wochenende gemeinsames Spielen nachzuholen.  

Jetzt liegen wieder Tage vor mir, die ich ohne meine Kinder verbringen werde – und schon wieder quillt der Kalender vor schönen Terminen beinahe über. Mir auch Zeit zum Alleinsein einzuplanen, muss ich im neuen Wochenwechselrhythmus seltsamerweise erst lernen. Und ich muss lernen, zu akzeptieren, dass ich trotz der beinahe ganzen Wochen ohne meine Kinder nicht „alles“ schaffen kann – nicht alles, worauf ich Lust habe, nicht alles, was kinderlose Freunde oder Kollegen hinbekommen, und noch nicht mal alles, was mir wirklich wichtig ist.

Mein erstes Fazit der ganzen Wechselwochen ist also: mehr Müdigkeit – und mehr Unternehmungen. Mehr „echtes“ Alleinerziehen – und mehr Singleleben. Und – was wahrscheinlich mit beidem zu tun hat – weniger Zeit, die ich mit Bloggen verbringe.

Auch dafür muss der richtige Rhythmus sich erst wieder finden.