WmdedgT – 05.04.2021

Am 5. eines jeden Monats versammeln sich bei Frau Brüllen die Tagebuchblogger – zum Glück ist ja immer auch noch am nächsten Tag die Linkliste offen…

Mein Tag hatte gestern gegen vier schonmal einen Fehlstart; es gab Umstimmigkeiten zwischen dem Rücken des Hannoverliebsten und dem Schlafsofa, und der Hannoverliebste zog mit seiner Decke ins kleine Schlafzimmer um. Gegen acht entdeckte der Zwölfjährige den freien Platz neben mir und kam zum Kuscheln, damit war die Nacht dann wirklich zu Ende und wir guckten traurig auf der Fahrradkarte die Strecken an, die wir wegen des unberechenbaren, kalten Wetters diese Woche dann wohl doch nicht fahren können. Kurz danach kam auch der Sechzehnjährige zum Gutenmorgensagen. Beim Durchsprechen der vor uns liegenden Ferientage waren wir leider wieder einmal sehr schnell in eine Grundsatzdiskussion über die Vorzüge von strukturiertem Arbeiten gegenüber „ich fange einfach zwei Tage vorher an, weil ich unter Druck besser arbeite“ verwickelt; der Sechzehnjährige muss nämlich seine PibF vorbereiten, die erst in drei Wochen stattfindet. (Die Schule des Sechzehnjährigen bzw. das Berliner Schulsystem bekommt von mir sowohl das Goldene Fragezeichen verliehen für die schluckaufartige Abkürzung „PibF“ (für den mageren Rest des Mittleren Schulabschlusses, der in diesem Jahr stattfindet, die „Prüfung in besonderer Form“) als auch das Silberne Fragezeichen für die Abkürzung „SalzH“, die sehr viel tänzerischer klingt, als es die Niederungen des „Schulisch angeleiteten Lernens zu Hause“ sind. Aber das nur am Rande.)

Der Zwölfjährige hatte sich bereit erklärt, zum Bäcker zu gehen und ein paar Croissants zu holen; ich begann unterdessen ganz gemächlich damit, ein Osterfrühstück auf den Tisch zu stellen: Schokoladenkuchen, gefärbte Eier, Knack-und-Back-Brötchen, die meine Kinder sehr, sehr lieben, die Lieblingsmarmelade des Hannoverliebsten war zum Glück auch noch da. Gegen zehn saßen wir dann alle am Frühstückstisch.

Danach war Zeit, endlich ein paar Tomaten, ein bisschen Basilikum und ein paar Blumen auszusäen. Wegen des Regens draußen holte ich eine große Tüte voller Erde ins Zimmer des Zwölfjährigen, an dessen hellen Fenster im Frühjahr immer Pflanzen vorgezogen werden; und der Zwölfjährige half mir ein bisschen. Der Hannoverliebste hatte unterdessen beim Zeitungslesen ein paar Informationen über die Impforganisation für enge Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Menschen in Berlin gefunden und ich mailte mein Anliegen dann also nochmal an einen Pflegestützpunkt. Vielleicht hat ja nun doch schon mal jemand über den Fall nachgedacht, dass die Kontaktperson in einem anderen Bundesland lebt als der Pflegebedürftige, wer weiß.

Gegen Mittag packte der Hannoverliebste seine Sachen zusammen. Wir bewaffneten uns mit einem in Wasser und Seifenlauge getränkten Lappen, denn schon am Vortag hatten wir bemerkt, dass der freie Parkplatz, den wir am Ostersamstag gefunden hatten, direkt unter einem Taubenschlafbaum war. Zwei Tage hatten den Tauben ausgereicht, um die Heckklappe, einen der Türgriffe, mehrere Stellen direkt am Übergang zwischen Autodach und Tür und besonders ausgiebig das Dach zu verschmutzen, und wir reinigten die wichtigsten Stellen notdürftig. Einmalhandschuhe führt man ja heutzutage immer mit sich, das war in dem Fall ganz gut. Dann verabschiedeten wir uns (dieses Mal 11 Tage bis zum Wiedersehen), ich winkte dem Auto des Hannoverliebsten hinterher und hoffte sehr, dass der Regen unterwegs die weitere Reinigung übernehmen würde.

Zum Mittagessen hatten wir jede Menge Reste – vom indischen Ostersonntagsessen, von Bratwurst, Kartoffelbrei und Blumenkohl. Ich musste also nur für den Zwölfjährigen ein paar Kartoffeln kochen. Zwischendurch retteten wir die Pelargonienkästen vom Balkon aus einem Graupelschauer. Nach dem Essen gönnte ich mir ein paar Minuten Schlaf auf dem Sofa und dann ließen sich meine Söhne überreden, mit mir eine kleine Runde rauszugehen, weil es gerade ein bisschen sonnig war. Wir guckten den neuen Sportspielplatz im Park an, den vom Biber gefällten Baum an der Gänseecke, das verlassene Wasserbecken in der Schwimmhalle. Der Sechzehnjährige verabschiedete sich dann schon nach Hause, der Zwölfjährige ging noch mit mir eine Runde bis zur BVG-Fähre und in den Wald, in dem gerade der Bärlauch in leuchtendgrüne Matten wächst und entsprechend heftig riecht. Auf dem Rückweg versorgte ich den Kater der anderen Mitmutter, die in ihr Gartenhäuschen gefahren ist, weil sie Urlaub in Berlin gar zu traurig findet.

Hinterher nochmal Sofa, dann ein bisschen Sport mit youtube-Anleitung; die Jungs machten unterdessen den Abwasch und durften hinterher nochmal an ihre elektronischen Geräte. Derweil bereitete ich Brote vor, die wir dann vor der Mediathek (Potsdam-Krimis und Leipziger Zoo) gemütlich aßen.

Gegegen 10 ging der Zwölfjährige schlafen und ich telefonierte noch ein bisschen mit dem Hannoverliebsten, der zum Glück gut zu Hause angekommen war. Dann kuschelte ich mich unter zwei warme Decken und las vor dem Schlafengehen bei Frau Brüllen nach, was die anderen am 5. April so erlebt hatten.

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04.04.2021

Gestern mit dem Auto von Hannover nach Berlin, gut durchgekommen. Der Hannoverliebste hat jetzt ein schickes schwarzes Fahrrad in Berlin, es steht in meinem Keller und wartet auf warme Wochenenden mit viel Zeit. Gestern Abend haben wir es noch ausprobiert, sind eine Runde durch Kreuzberg gefahren; haben einen Blick auf den geschlossenen Freischwimmer geworfen, den Görlitzer Park durchquert, unsere geschlossene Lieblingsschwimmhalle am Spreewaldplatz gesehen, den schönen U-Bahn-Hochbahnhof Schlesisches Tor, die Oberbaumbrücke, die East-Side-Gallery mit der weiß gestrichenen Rückseite in der Abendsonne. Dann längs am Universal-Gebäude zurück Richtung Treptower Park, als der Abendwind schon eisig wurde.

Außerdem Zweige aufgestellt, mit Ostereiern behängt, gekochte Eier gefärbt mit den üblichen „kräftig bunten“ Ostereierfarben, bei denen nur das Rot richtig gut wird, und Schokoladeneier in allen Zimmern versteckt. Heute dann Brötchen und Croissants zum Frühstück; gegen Mittag kamen der Zwöljährige und der Sechzehnjährige. Beide hatten schon bei ihrem Vater Ostereier gesucht und trotzdem auch bei mir nochmal Freude dran.

Am Nachmittag den Hannoverliebsten und den Zwölfjährigen zum Spazierengehen überredet, weil heute so schönes Wetter ist, Sonne, Wärme, Vorfrühlingswald. Morgen wollte ich mit meinen Söhnen in Brandenburg Rad fahren, das wird dann wohl nix, dabei habe ich so eine schöne Tour rausgesucht. Dienstag war als Balkonwerkeltag eingeplant, nun ist Schnee angekündigt. Wir werden irgendwas draus machen.

02.04.2021

Gestern Abend noch ein Schock: der Sechzehnjährige ruft an und erzählt, dass er nach dem Blumengießen bei mir seinen Haus- und Wohnungsschlüssel nicht wiedergefunden hat. So wahrscheinlich kommt mir das vor, dass der Aprilscherz voll und ganz gelingt. Wahrscheinlich steht die ganze Patchworkfamilie im Kreis um den Sechzehnjährigen und lacht über meine Reaktion.

Später schauen wir „The Square“, jedenfalls einen Teil, der Film ist lang und manchmal quälend langsam. Aber die Fragen, die er stellt, arbeiten in meinem Kopf weiter. Das Richtige wollen und doch scheitern, ist das unvermeidlich?

Heute dann endlich ausschlafen, Brötchen zum Frühstück, statt virtuelles Büro echter Ausflug mit dem Hannoverliebsten in den Deister. Es ist kalt und zugig und deshalb garnicht voll. Kastanien und wilde Kirschen, Nachwuchsbuchen, Bromberranken und Hollunder haben Knospen, erste Blättchen und die Ansätze junger Triebe. Mountainbiker rasen eine Waldpiste hinunter und springen tollkühn über große Schanzen. In einem Teich, der auf den ersten Blick winterlich unbelebt aussieht, regen sich, als wir stehenbleiben und das stille Wasser in Ruhe betrachten, immer mehr dicke Kröten, krabbeln übereinander und Richtung Ufer, paddeln zur Oberfläche, stecken die Nase aus dem Wasser und lassen sich dann wieder zum Grund sinken.

Schnell sind die Tage mit dem Hannoverliebsten vergangen. Wir können nebeneinander herlaufen, im gleichen Tempo; wir können gemeinsame Tage, gemeinsames Essen und Arbeiten und Rausgehen und Schlafen; wir sind uns ein Rätsel, hier und da; aber wir schaffen es, zu reden, wenn es hakt. Es gefällt mir, nicht nur den Hannoverliebsten, sondern gleich eine ganze Stadt gefunden zu haben, in der ich mich ein wenig heimisch fühle, jedes Mal mehr. Trotzdem: wie gerne hätte ich die Tür zu meiner Wohnung, meinem Alltag, gleich nebenan.

01.04.2021

Gestern ergab sich keine Radtour mehr, dafür vielleicht heute. Stattdessen Einkäufe, damit wir heute nicht in den vermutlich vollen Supermarkt müssen; eine Stunde in Ruhe gelesen („Das vergessene Kind“ von Kate Atkinson, ja, vorsichtige Empfehlung, obwohl ich noch nicht bei der vollständigen Aufklärung der miteinander verwobenen diversen Rätsel bin); später den privaten Laptop aufgebaut und am Online-Sportkurs teilgenommen. Die Nachbarn von gegenüber lugten interessiert hinter ihrer Gardine hervor. Später Nudeln mit Bolognesesauce, Rotwein, Sherry, alle Sternbilder wiedergefunden, Nachrichten, sehr müde und früh ins Bett.

Heute endlich Etappenende für mich, 6 freie Tage am Stück hatte ich zum letzten Mal zum Jahreswechsel. Im virtuellen Büro ist es leer. Ich recherchiere Radtouren am Ostrand Berlins für mich und die Jungs, die alle eine längere Version haben, die ich gern mit dem Hannoverliebsten fahren möchte. Vielleicht wird ja auch der Zwölfjährige mit ein bisschen Übung fitter für längere Strecken.

Nachher noch zum Gemüsehändler, Vorräte fürs Osterwochenende in Berlin kaufen. Die Berliner Impfansprechstelle schweigt weiter, ja nun.

Ein großes Gefühl von Ruhe und Erleichterung erst einmal vor den freien Tagen.

31.03.2021

Seit vorgestern in Hannover. Im Zug anscheinend doch einige Osterferienreisende, vor allem noch immer etliche Leute, die gleich nach der Abfahrt die Maske abnehmen und Proviant auspacken. Mir würde das Angst machen.

Das remote Arbeiten klappt gut, die Chefin verabschiedet sich in den Urlaub, britische Kollegen erzählen, wie froh und dankbar sie sind, dass sie nun endlich wieder aus dem Haus gehen und einige Menschen draußen treffen dürfen, der Lockdown da muss sehr hart gewesen sein, das war mir nicht klar. Wenn das der Weg ist, B117 in den Griff zu bekommen, steht uns noch einiges bevor. Welche Coronaregeln in Deutschland – in Berlin, in Hannover – gerade gelten oder nicht gelten, darüber habe ich den Überblick verloren. Ich sehe niemanden außer dem Hannoverliebsten, die Maske baumelt am Rucksack, ich verhalte mich vorsichtig.

Mehr Menschen in meinem Umfeld erhalten ihr Impfangebot oder buchen Termine. Nur mein Fall als in Berlin wohnhafte enge Kontaktperson einer pflegebedüftigen Person mit Wohnsitz in Thüringen ist nicht vorgesehen. Dem Mitarbeiter der Berliner Impfhotline, der mir erklärt, dass das schon bei pflegebedürftigen Menschen in Brandenburg mit Kontaktpersonen in Berlin nicht klappt, kann ich immerhin mit Informationen über die Impfterminbuchung in Thüringen weiterhelfen, dort lebt nämlich seine Familie, für die er, wie er sagt, noch keine Impfcodes beschaffen konnte. Impfcodes aber bracht man in Thüringen ja garnicht. Davon, dass AstraZeneca in Berlin jetzt nicht mehr an Menschen unter 65 geimpft wird, weiß er auch noch nichts, fast tut mir der schlechtinformierte Hotlinesklave leid, wir werden hier als allerletzte informiert, klagt er. Die zuständige Emailadresse des Berliner Senats schweigt sich auf mein wiederholtes Nachfragen hin geheimnisvoll aus. Nur die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen antwortet schnell und strikt, dass ich mich als Berliner in Thüringen nicht impfen lassen kann. Bin ab sofort dafür, den Förderalismus abzuschaffen.

Draußen scheint die Sonne, auf dem Balkon des Hannoverliebsten wird es heiß, nachts leuchten Orion, Zwillinge und Mars darüber; auch den Fuhrmann entdecke ich, den Perseus und Kassiopeia, an ungewohnten Stellen stehen sie am spätabendlichen Frühjahrshimmel. Am Dienstagnachmittag fahren wir die erste größere Runde mit den Rädern, hinaus aus der Stadt zum Hinüberschen Garten, und ich freue mich darüber, dass ich die 15 Kilometer ohne weiteres schaffe. Nur die am Bildschirm überwinterten Augen tränen im ungewohnten, hellen Sonnenlicht. Der Abend ist so mild, dass wir nochmal auf dem Balkon essen können, in der blauen Stunde, während auf dem Dach gegenüber Tauben turteln, ein Amselmann in einem fernen Baum um sein Weibchen wirbt, eine kleine Drohne zur Spitze des Kirchturms aufsteigt.

27.03.2021

Endlich, endlich Ferien. Für die 2. Ferienwoche mit den Kindern zwei Urlaubstage genommen. Radtouren würden wir gerne machen, einen lieben langen Tag lang möchte ich auf dem Balkon werkeln.

Schon jetzt habe ich nicht widerstehen können und eine Paprikapflanze erworben. Trotz aller guten Vorsätze, dieses Jahr aber ganz bestimmt den Balkon weniger vollzustellen und gießfreundlicher zu gestalten, habe ich im Nu wieder jede Menge Pläne. Es wird sehr, sehr viele Kräuter geben, Paprika und Tomaten und verschiedene wunderbare Blumen.

Gestern hat – zum ersten Mal seit ich zu Hause arbeite – das Internet gestreikt und ich musste die Hotline des Anbieters kontaktieren. Nach ungefähr fünf Stunden ging es dann wieder, leider schon vor meinem Feierabend. Gern würde ich verstehen, warum da plötzlich nichts mehr funktioniert und dann plötzlich doch wieder, aber es bleibt das Geheimnis der Techniker.

Die Zweige, die ich vor zwei Wochen von einer gefällten Kastanie an der Gänserunde gerettet habe, sind noch immer schön. Es ist faszinierend, wie sich aus den dicken Knospen heraus kleine Blütenkerzen aufgestellt und Minikastanienblätter entfaltet haben, die mich an tänzerisch elegant gehaltene Hände erinnern.

Heute wollten wir unsere Fahrräder schon einmal aus dem Keller holen und eine kleine Testrunde zu den Eisdielen machen, die vielleicht geöffnet haben. Das Wetter aber ist anderer Meinung, der Wind spielt beim Einkaufen Fußball mit meinem Ziehwägelchen, und als ich es vor der Kaufhalle windsicher aufstelle, klappt er die Abdeckung auf und schüttet ordentlich Regen hinein.

Morgen dann machen wir das Grab vom Sternenkind schön. Die Jungs wechseln für eine ganze Ferienwoche zu ihrem Vater. Am Montag reise ich ab. Große Haushaltsauflösung bis zu den Ostertagen.

24.03.2021

Die Woche entwickelt sich zur Fastfoodwoche, ich muss ja nicht für die Kinder kochen und für mich selbst bin ich zu faul. Es gab schon Döner, Bäckerstulle, Pizza und Börek. Leider hat der Asia-Imbiss nicht geöffnet. Als der Zwölfjährige bei mir ankommt, weil wir später zusammen zum Arzt fahren müssen, will ich ihm schnell ein paar Kartoffeln kochen, lasse sie aber – abgelenkt von meiner Arbeit, auf der dringend etwas fertiggemacht, ein Anruf entgegengenommen, eine Mail verfasst werden müssen – anbrennen. Wir bleiben besser beim Fastfood.

Seit einigen Wochen steht an unserer Straße ein hölzernes Verschenkboxregal, das ist ganz ausgezeichnet. Zwei Ecken meiner Wohnung, in denen ich Sachen gesammelt habe, die man weder in die Büchertelefonzelle noch in die Kleiderspende geben kann, die aber trotzdem zu gut zum Wegwerfen sind, leeren sich spürbar. Für die beiden ausgetopften Clivias und die zu klein gekauften Wanderschuhe werde ich das Nachbarschaftsnetzwerk nutzen. Ein großer Beutel abgelegte Sachen vom Zwölfjährigen geht morgen an seinen Stiefbruder, ein anderer mit abgelegten Sachen von mir in die Spende. Beim Herunterholen der Sommersachen vom Hängeboden sind auch noch zwei Schokoladen-Adventskalender aufgetaucht, die ganz und gar vergessen worden waren. Ähem.

Die nächste Schuh-Bestellung für die Kinder trifft ein, und die Sandalen für den Zwölfjährigen, die in der letzten Lieferung in Größe 39 zu groß waren, sind in der aktuellen Lieferung in Größe 38 zu klein. Ich möchte aber nicht in einen Laden gehen und mein Kind braucht trotzdem Schuhe! Allmählich bekommt die Online-Bestellerei etwas albtraumhaft Murmeltiertagartiges.

Die Fahrt zum Arzt ist weniger schlimm als gedacht, denn es sind 13 Grad in Berlin und die Sonne scheint. Die Bahnen sind natürlich voll. Eigentlich hätte der Vater der Jungs die beiden mit dem Auto zur Asthmakontrolle und zum Impfen fahren sollen, aber er hatte dann trotz unserer Absprache etwas vor, was er für wichtiger hielt. Ja, ich bin zornig. Dafür erfahre ich, dass die Asthmaärztin in ihrer Praxis Corona-Impfungen anbieten will, falls ich also an die Reihe komme, habe ich schon mal einen Anlaufpunkt.

Noch zwei Tage bis zu den Ferien. Für die Ferienwoche mit den Jungs sammle ich Ausflugsideen und schiebe in Gedanken meine abbummelbaren Überstunden auf den vier Tagen hin und her. Habe noch nicht verstanden, ob am Ostersonntag und Ostermontag irgendwo Essen zum Mitnehmen angeboten werden darf. Sonst muss ich schon eine Woche vorher einkaufen, bin ja dann in Hannover und habe keine besondere Lust, am Ostersamstag einen Laden zu betreten. Nudeln mit Tomatensauce gehen ja immer. Auch an Ostern.

23.03.2021

Soviel Kontakt war lange nicht mehr.

Die ganz große geimpfte Schwester war für ein paar Tage bei uns; dann fuhr ich zu meinem geimpften Vater und verbrachte das Wochenende bei ihm, mit so viel weniger Angst, ihn anzustecken.

Weil die Schnelltestzentren in Berlin entweder einen Termin oder weite Wegstrecken mit den Öffentlichen und lange Wartezeiten erfordern, kaufe ich Tests in der Apotheke und beim Discounter. Ein weiteres Stückchen Sicherheit – für mich, bevor ich nach Thüringen aufbreche; für den Sechzehnjährigen, der sich in der Nacht übergeben hat, abgesehen davon aber wohlauf ist, bevor er zu seiner Wahlpflichtklausur geht. Regelmäßige Schnelltests gab es bisher nur für die 12. Klassen, aber gestern brachte dann auch der Sechzehnjährige ein Päckchen Selbsttests für die nächsten Wochen mit nach Hause. Gut so.

Dank Hybridunterricht – wochenweise der eine, tageweise der andere – und Wechselmodell arbeite ich in dieser Woche ohne Homeschoolingkinder. So viel Freiheit: Morgens eine Runde in den Wald (oder zum Discounter, Schnelltests jagen); mittags kein Essen auf den Tisch stellen müssen, sondern flink die Impf-Fragebögen für die Frau meines Vaters, die keine Emailadresse hat, in den Briefkasten werfen. Dann noch ein paar Ostersüßigkeiten einkaufen.

Endlich die letzten fehlenden Kleidungsstücke für den Sechzehnjährigen bestellt, dem von der großten Kindergröße bis zur Herren-L gerade alles mögliche passt – oder auch nicht passt. Endlich eine neue Hausärztin gefunden. Der ganz großen Nichte aus Versehen zwei Tage zu früh zum Geburtstag gratuliert. Coronademenz. Weiter keine Eigenzeit, viel zu viel zu tun.

Schön ist die Aussicht auf die Ferien, auf ein paar Tage Hannover mit dem Dienstlaptop im Gepäck; auf ein paar Tage Berlin mit den Kindern. Überstunden zum Abbummeln gibt es reichlich, wir werden rausgehen können, wenn das Wetter danach ist.

Der Gründonnerstagsruhetag betrifft uns Büromenschen vermutlich nicht.

WmdedgT – März 2021

Wieder einmal fällt mir erst am Abend des 5. auf, dass es der 5. ist, und zum Schreiben komme ich sogar erst heute. Dabei wird am 5. tagebuchgebloggt, und Frau Brüllen sammelt alle unsere Beiträge hier.

Wieder einmal ist am 5. der Hannoverliebste zu Gast bei mir – Handwerker haben seine Wohnung unwirtlich gemacht, also haben wir spontan mein Wochenende in Hannover in sein Wochenende in Berlin verwandelt – und ich schleiche mich kurz vor sieben aus dem Bett, um ihn noch ein bisschen schlafen zu lassen. Erstmal ins Bad. Dann entbeine ich das am Abend schon gekochte Suppenhuhn; eine Tätigkeit, die sich auf nüchternen Magen eigentlich nicht empfiehlt.

Der Hannoverliebste ist inzwischen aufgewacht, ich stelle Müsli und Kaffee auf den Tisch, wir frühstücken. Kurz nach acht klingelt der Sechzehnjährige, der zum Homeschooling kommt. Schnell das Bettzeug wegräumen, das Sofa einklappen: das Schlafzimmer verwandelt sich zurück ins Wohngzimmer und dann um halb neun ins virtuelle Schulzimmerbüro. Der Sechzehnjährige und ich sitzen an unseren Laptops, der Hannoverliebste hat seins im Zimmer des Zwölfjährigen aufgebaut, er muss ja beim Arbeiten nicht von mir beaufsichtigt werden. Die Waschmaschine spielt eine Begleitmusik zu den verschiedenen Videokonferenzen, die nacheinander an den verschiedenen Laptops beginnen.

Während der Sechzehnjährige allerhand Unterrichtsausfall hat (die Schule bereitet sich auf den Beginn des Hybridunterrichts für die Jahrgänge 10 und 11 vor), sitze ich im längsten Meeting ever fest und bekomme erst deutlich nach dem theoretischen Beginn meiner Mittagspause die dort versprochene Antwort auf eine Arbeitsfrage. Dann aber: schnell in die Küche. Es gibt Reste von Brokoligemüse mit Nüssen und Feta, Reste von indischem Essen und frische heiße Hühnersuppe.

Hinterher muss ich weiterarbeiten, ausgerechnet zum Freitagnachmittag rufen lauter wichtige Leute an; schicken Arbeit, die geprüft, bemängelt, zurückgeschickt und neu an mich gesandt werden muss oder fragen um Hilfe und brauchen aufbereitete Zahlen. Eigentlich müsste ich am Berliner Feiertag am Montag (der eigentlich für die Steuererklärung eingeplant ist) arbeiten, denke ich, aber dann mache ich gegen vier doch erstmal Feierabend. Der Sechzehnjährige verabschiedet sich ins Wochenende mit seinem Vater und macht mir ein ganz schlechtes Gewissen: anderthalb Stunden hätte er auf das Ende meines Meetings gewartet, weil ich gesagt hätte, dass er noch warten soll… mir war das völlig entfallen. Aber er hätte ja auch mal fragen können?

Der Hannoverliebste hat nach dem Mittagessen die Küche in Ordnung gebracht – jetzt müssen er und ich erstmal fürs Wochenende einkaufen. Die Sonne scheint, also wird das gleich als Bewegung an frischer Luft abgerechnet. Hinterher machen wir Spiegeleier und der Hannoverliebste kocht Bolognesesauce fürs Wochenende vor.

Den Abend verbringen wir lockdownmäßig ruhig zu Hause, hören Frank Sinatra und was Spotify mit ihm assoziiert (irgendwann wird mir das Girl from Ipanema dann wirklich zu viel), schmieden Ausflugspläne für den Samstag (Spaziergang im Wald? Durch die Wissenschaftsstadt Adlershof? Durch die alten Fabrikanlagen in Schöneweide zur Wuhlheide?), während die angekündigten Sonnenstunden aus der Wetterapp verschwinden.
Trotzdem werden wir (hah, sind gerade zurück!) am Samstag die Fangschleuse-Hangelsberg-Wanderung machen, die ich ziemlich mag.

Gegen Mitternacht hat das Schulwohnzimmerbüro sich in ein Schlafzimmer zurückverwandelt. Licht aus. Augen zu.

27.02.2021

Eine Woche voller Events liegt hinter uns: Der Sechszehnjährige durfte für ca. 15 Minuten in die Schule gehen, um sein Halbjahreszeugnis abzuholen. Besonders gut ist es nicht, aber hey: es war auch nicht das Jahr dafür. Der Zwölfjährige durfte für ca. anderthalb Stunden zur Schule gehen, um an der Matheolympiade teilzunehmen. Die fand irgendwie verkürzt statt, sehr viel Zeitdruck. Und ich hatte eine Stunde bei der wundertätigen Osteopathin, die mir erklärte, dass mein geschwollener Augenwinkel mit meinem Nacken zu tun haben könnte (na klar, seit ich den Bildschirm von der Firma im Homeoffice stehen habe, sitze ich anders und schaue mehr nach oben bzw. weniger als unten als vorher) und dass in meinem Bein tatsächlich eine verklebte Faszie sitzt. Die Berliner U-Bahn-Linie 7 benutzen zu müssen, um zur Osteopathin zu kommen, war natürlich ein hoher Preis – fast wie ein Ausflug in ein Leben ohne Corona. Alles voller Menschen, die nicht Abstand halten und das mit den Masken auch noch nicht so ernst nehmen.

Ansonsten: viel Arbeit, trotzdem noch an einem der warmen Sonnennachmittage den Balkon aufgeräumt. Der Sechszehnjährige hat mir einmal das Kochen abgenommen, das war super, das möchte ich gern öfter haben.

Fürs Wochenende habe ich schrecklich viel vor: Den Sechzehnjährigen zur Digitalmesse „Abi und Beruf“ schleppen; diverse Blumen umtopfen; mit dem Fotoalbenprojekt weiterkommen und die Frühjahrssachen der Kinder durchsehen. Außerdem mit der anderen Mitmutter rausgehen, zweimal kochen, einkaufen…

Trotz (vielleicht auch wegen?) der vielen Pläne geht es mir besser als in der letzten Woche. Vielleicht auch, weil ich am Montag frei hatte und erst gegen Abend aus Hannover zurückkam. Vielleicht auch, weil der Frühling näherkommt. Nur einen Friseurtermin habe ich noch nicht.