Wald und Stadt

Ade, Herbstferien!

Jetzt liegt sie hinter uns, die Atempause vor dem Winter.
Vor uns der nächste Abschnitte: sieben Wochen bis Weihnachten. Zunehmende Anspannung auf Arbeit wird das bedeuten, Stress mit Klassenarbeiten und Klausuren für die Kinder, ratloses bis panisches Weihnachtsgeschenkebesorgen, die übliche oder sogar etwas mehr als die übliche Streuung vermischter Arzttermine, der letzte Weiterbildungstag und vielleicht eine Klausur, um einen hübschen Zettel für etwaige zukünftige Bewerbungen zu bekommen.

Die Herbstferien waren abwechslungs- und ereignisreich. Ich hatte fast die ganze Zeit Urlaub, und zuerst standen drei Tage Waldhäuschen an, die der Dreizehnjährige so sehr gewollt hatte, dass ich sie dann doch noch irgendwie in den eigentlich schon verplanten Ferien untergebracht habe. Waldhäuschen nur zu zweit, das war neu. Schön war es trotzdem, mit den vertrauten Waldwegen, der gerade richtigen Menge an Pilzen und an täglichen Schritten (der Fuß wurde von Tag zu Tag besser, juhuu!), Zeit zum Vorlesen und Lesen und Tischtennisspielen, und mit dem Eichhörnchen im Baum vor dem Haus, das die Nüsse aus Weimar, die ich noch in der Jackentasche hatte und ihm hinstreute, einfach nicht wollte.

Dann Rückreise, ein Tag zum Wäschewaschen – und dann brachen wir nach Paris auf, zu viert, mit beiden Jungs und dem Hannoverliebsten. Das war der eigentliche Herbstferienplan, den Kindern diese Stadt zu zeigen, weil sie ja nun Französisch lernen bzw. gelernt haben. Wir hatten Tickets für den Eiffelturm, den Louvre und die Sainte Chapelle in der Tasche; machten eine Fahrt auf der Seine in der Saharaluftwärme – also mit kurzen Ärmeln! -, spazierten auf dem Montmartre herum, tranken sehr, sehr teuren Cappuccino bzw. sehr, sehr teure heiße Schokolade, aßen vorzügliche (sehr, sehr teure) Crepes, standen trotz unserer vorgebuchten Zeitfenstertickets ziemlich viel in diversen Faltschlangen (erklärt der Begriff sich von selbst?) an, absolvierten etliche Sicherheitsschleusen – ab dem 2. Mal auch ohne Taschenmesser im Rucksack und nur noch mit Plastikflaschen -, bestaunten die Fotoausstellung zum Wiederaufbau von Notre Dame und fuhren insgesamt etwa 12 Stunden Metro, weil wir ja leider in Aubervilliers, etwas außerhalb, wohnten. Dort gab es einen Bäcker (mit den allerallerbesten Croissants der Welt!) und einen Supermarkt um die Ecke, das war ganz wunderbar; außerdem einen riesigen Markt mit Obst und Gemüse, Dingen des täglichen Bedarfs und eindrucksvollen Fisch- und Fleischständen, die ich mit Faszination und leichtem Grauen betrachtet habe. Wussten Sie, dass man Karden essen kann? Anscheinend werden sie in Couscous und Tajine-Gerichten verarbeitet.
Nachts in diesem Viertel spazierenzugehen wäre mir allerdings nicht lieb gewesen; es war irgendwo zwischen „arg arm und heruntergekommen“ und „kurz vor Beginn der Gentrifizierung“, und schon bei einem Spaziergang am Tag hatten wir ein ziemliches Angsterlebnis, als in einer ganz einsamen Gasse hinter uns zwei Männer eine heftige Schlägerei anfingen.
Ja, ein Stadturlaub ist kein Erholungsurlaub. Schön war es trotzdem, froh bin ich, dass alles geklappt hat und wir heil hin (mit einem TGV, der optisch unerwarteterweise ein wenig an eine Brandenburger Regionalbahn erinnerte, aber anders als Brandenburger Regionalbahnen schneller als 300km/h fährt) und heil wieder zurück gekommen sind. Nicht ganz heil war der Hannoverliebste, den in Paris eine heftige Erkältung erwischte – mich dann erst in der Nacht nach der Rückfahrt, zum Glück.

Gerne hätte ich jetzt nochmal eine Pariswoche, genau jetzt, meinetwegen in der gleichen Ferienwohnung mit dem wunderschönen Morgenblick über die Dächer und der nachts schrecklich quietschenden Tür zur Toilette – ich wüsste genau, was wir jetzt als nächstes machen würden, die kleinen Dinge nämlich: Den Friedhof Montmartre besuchen. Das Picasso-Museum, das Orangeriemuseum. Am Kanal Sankt Martin langspazieren. Zu einem Flohmarkt fahren. Gerne würde ich weiter in der fremden Sprache baden, Werbeplakate, Schilder, Überschriften lesen – und überhaupt: ich bin mächtig stolz auf mich, dass ich mich mit meinem rudimentären Französisch an Metroschaltern und Marktständen, in Bäckereien und Restaurants, an Sicherheitsschleusen und im Gespräch mit dem Vermieter der Wohnung einigermaßen durchschlagen konnte.

Aber diese zweite Pariswoche gibt es leider nicht. Stattdessen: Aufraffen nach drei Tagen Erkältungsauszeit. Den müden Kopf wieder anstrengen. Irgendwas Schönes aus den dunklen Nachmittagen und Abenden machen.

Lost and Found

Diese wunderschönen Herbstwochenenden! Beim Monatsranking kommen September und Oktober bei mir ganz vorne. Dann Juli und August. April, Mai und Juni. Dezember. November. März. Ganz abgeschlagen Januar und Februar. Meine Kinder haben das ganz anders, – aber das alles sowieso nur am Rande. Jedenfalls hatte ich noch nie das Bedürfnis, im September oder Oktober irgendwohinzufliegen, wenn hier alles nur so leuchtet.

Schlechte Überleitung: Mein Fuß leuchtet nicht so sehr, er tut sich mit Beschwerden hervor, mal hier, mal da, mal dick, mal empfindlich, mal die Zehen, mal das Gelenk. Der Arzt immerhin nimmts jetzt ernster, ein MRT steht im Kalender. Das Tape, das Achillissehne, Gelenk und Fußoberseite stützt, ist dieses Mal schwarz, blau war eigentlich schöner, aber das macht nichts. Ein paar Kilometer mäßiges Spazierengehen hat der Arzt erlaubt bzw. sogar empfohlen, also sage ich die Wanderverabredung mit der Landfreundin-und-Mutter-des-Patenmädchens nicht ab, sondern wir treffen uns auf dem kleinen Wanderparkplatz; sie mit einem tiefgefrorenen Kühlakku für meinen Fuß als Highlight fürs Picknick; ich mit meinen Nordic-Walking-Stöcken.

Wir wandern los; Pilzsucher mit großen Körben und gelben Leuchtwesten ziehen an uns vorbei, aber ich bin langsam heute. Wir suchen ja auch gar keine Pilze, versichern wir uns gegenseitig; wie jeder weiß, ist das der Satz, den man sagen muss, um am Wegesrand große Mengen Pilze einfach so zu entdecken. Es funktioniert auch dieses Mal, Rotfüßchen und Maronen finden wir, ein paar Hallimasch; die Landfreundin schneidet zwei sehr große Pilze mit knallrotem Stiel und knallroten Lamellen ab, von denen ich die Finger gelassen hätte; dafür nehme ich ein paar Schirmpilze mit, die nicht ganz die Größe echter Parasole haben; und dann springt mir doch ein sehr dicker und schon etwas in die Jahre gekommener Steinpilz in die Hand. Fantastisch! Vor lauter Hantieren mit Sammeleimerchen, Beutel und Messer habe ich einen meiner Walkingstöcke zusammengeklappt und weggepackt. Eine freie Hand mehr, so nützlich. Ein paar Meter weiter stehen Maronen im Moos, die müssen auch noch mit. Dann die Schrecksekunde: mein anderer Wanderstock ist weg – der, den ich nicht weggepackt hatte!
So schön das ist, dass Pilze mich meine Fußbeschwerden vergessen lassen – so unschön ist es, dass ich den Stock gleich mit vergessen habe. Wir laufen also zurück, ein ganzes Stück, wir waren doch nur an zwei Stellen mal vom Weg weg, und an der einen hatte ich Stöcke noch, beide, ganz sicher. Aber der Walkingstock ist weg, liegt nirgendwo am Wegesrand. Betrübt gehen wir zur Picknickstelle weiter.

Diese Picknickstelle hat Tradition – wie die ganze Wanderung. Mit ganz verschiedenen Leuten bin ich hier schon gelaufen, habe mit den Kindern allererste Wandererfahrungen gemacht, mit einem lieben Menschen einen Regen ausgesessen, eine ganze Geburtstagsrunde ist mir hier entlang gefolgt, ein Kind im Bach komplett nass geworden; ich habe an diesem Weg indische Scheinerdbeeren gegessen, bevor mir gedämmert hat, dass es sich nicht um echte Walderdbeeren handelt – und der eine oder andere Pilz hat mich von hier auch schon nach Hause begleitet. Die Picknickstelle jedenfalls befindet sich auf einer kahlen Schneise, unter der vermutlich eine Erdgastrasse verläuft, vielleicht zu Tesla nach Grünheide, vielleicht auch nicht, vielleicht fließt da auch gar kein Gas mehr durch, wer weiß. Die Schneise jedenfalls gibt es schon immer.

Wir rasten, wir essen, ich kühle meinen Fuß, ich liege in der Sonne, wir reden. Wie schön das ist: Zeit mit einer Freundin, die ich wirklich selten sehe. Anknüpfen, austauschen, sich gegenseitig ein wenig auf den Stand bringen, was unsere Leben angeht, Arbeit, Kinder, Männer, Seelen. Wir werden uns auch zukünftig nicht oft sehen, aber wie gut ist das, sich ab und zu so wiederzufinden!

Während die Landfreundin noch ein paar Maronen mitgehen lässt, habe ich schnell im Internet ein neues Paar Walkingstöcke bestellt – vielleicht mit dem Hintergedanken, dass sich der flüchtige Stock leichter wiederfinden lassen wird, wenn schon Ersatz in Aussicht ist. Weil auch mein Fuß nach diesem ersten Drittel der Wanderung lieber zurück möchte als weiterzugehen, drehen wir eine kleine Waldrunde über einige maronenreiche Schneisen und kommen dann auf den Weg zurück, an dem irgendwo mein Stock liegen muss. Schwarz und silber, der muss doch zu sehen sein! Aber nichts, nirgendwo. Ich gebe auf. Und wie in einer richtig guten Geschichte kommt nur eine oder zwei Minuten später ein Radfahrer des Weges und fragt mich, ob ich zu meinem Walking-Stock noch einen zweiten gehabt hätte, der läge „da hinten“. Ich mache große bittende Augen, so gut das geht, zeige auf meinen lahmen Fuß und bringe den Radler doch tatsächlich dazu, die 500 oder 800 Meter nochmal zurückzufahren und meinen Stock zu holen. Anscheinend hatte ich ihn genau da liegenlassen, wo mir aufging, dass ich ihn verloren hatte. Und wo wir sehr genau gesucht hatten. Nun ja.

Am Ende sitzen die Landfreundin und ich noch einige Zeit zusammen, erst auf dem Parkplatz, dann auf dem Bahnsteig, und reden. Die Landfreundin will noch Geocachen. Ich fahre im Abendlicht Richtung Stadt. Die Mitreisenden führen pilzgefüllte Körbchen und Beutel mit sich und konsultieren Bestimmungsapps. Ich schreibe die Mitmutter an, ob sie zum Pilzessen kommen will, ich habe mich – immerhin – beim Sammeln auf eine zwei-Personen-Menge beschränkt, das war nicht leicht. Zu Hause gönne ich mir einen besonderen Luxus: ein heißes Bad – als Bestechung für meine Beine und Füße, damit sie vielleicht vergessen, mir die Wanderung übelzunehmen. Und zum Zeckenabspülen.

Und ich storniere – ganz schnell – die unterwegs bestellten Wanderstöcke.

Himmel, Muskeln, Früchte

Am langen Oktoberanfangswochenende Besuch vom Hannoverliebsten gehabt. Netterweise konnten wir beide am Freitag schon Urlaub nehmen und den Tag mit dem eindeutig schönsten Wetter für eine Radtour nutzen, 50km von Seddin nach Zossen. Malerische Dörfer, Seeufer und Wald; blauer Himmel und Sonne; Kürbisse hätte man kaufen können, Marmeladen, Birnen. Kleine Kirchen besichtigen, den Schlosspark von Blankensee. Auf dem Steg am See hielten wir Picknick, während auf dem See Scharen von Gänsen Absprachen für den Flug nach Süden trafen. Später Friedensstadt, das Wohnprojekt der Johannischen Kirche, das nach einigen Wirren der Geschichte des 20. Jahrhunderts jetzt wieder genau das ist, ein Ort, an dem Menschen wohnen und leben. Noch später unangenehme Strecken an Landstraßen, am Ende entlang des Nottekanals nach Zossen. Großes Missgeschick: die unterwegs gefundenen Parasolpilze, die ich sorgsam im Stoffbeutel an die Fahrradtasche geknotet hatte, schafften es nicht bis nach Hause. Der Stoffbeutel wanderte tückisch um die Fahrradtasche herum, geriet in die Speichen des Hinterrads, verwickelte sich dort mehrfach, Ergebnis Pilzbrei. Sehr, sehr schade.

Samstag besuchten wir gemeinsam ein Kaufhaus, warme Büropullover fehlten mir, der Hannoverliebste erwarb eine Hose. Wegen einer Demonstration fuhr leider die Buslinie 100 nicht, das war auch schade, wir hätten den Regentag gern zum Sightseeing per Bus genutzt. Am Sonntag zeigte ich dem Hannoverliebsten ein paar Ecken von Kreuzberg, das war schön. Tapfer saßen und aßen wir gegen Abend draußen, marokkanisch, Tajine mit Lamm, Aprikosen und Pflaumen, das liebe ich sehr. Den Tag der Deutschen Einheit konnten wir nicht wirklich feiern, morgens erhielt der Hannoverliebste die Nachrricht, dass unsere Ferienwohnung in Paris vom Anbieter storniert worden sei – es dauerte den halben Tag, bis wir eine deutlich teurere und etwas ungünstiger gelegene Ersatzwohnung gebucht hatten, nun ja.

Bahnpech: Auf dem Weg zu mir war der Zug des Hannoverliebsten wegen irgendetwas am vorausfahrenden Zug verspätet; auf dem Rückweg am 3. Oktober geriet der Hannoverliebste an einen Zug mit Türstörung; heute in den großen Bahnausfall in Norddeutschland. Wir haben in den letzten Monaten selten reibungslos reisen können.

Die Woche bescherte mir mal wieder rätselhafte Schmerzen in Bein und Fuß – und Äpfel und Quitten in größeren Mengen. Es passte gut, dass ich einen Konzertbesuch und eine Wanderung schon abgesagt hatte, weil die Jungs gerade viel Lernzeit für Klassenarbeiten und Klausuren brauchen. Obst kleinschnibbeln kann man ja gut im Sitzen auf dem Balkon. Inzwischen ist mein ganzer großer Vorrat an leeren Schraubgläsern mit Apfel-Quitten-Mus, Quittenmarmelade und Quitten in Ingwer-Earl-Grey-Sirup (Rezept bei der Kaltmamsell) gefüllt, außerdem sind diverse Gläser Likör angesetzt. Am Anfang der Woche muss dann ein Fußspezialist gefunden werden, der herausfinden und mir erklären kann, warum da immer wieder etwas wehtut – der Kiezorthopäde hilft zwar akut mit Kinesiotapes, hat aber für Kassenpatienten nur eine Aufmerksamkeitsspanne von anderthalb Sätzen, so dass die Diagnose jeweils davon abhängt, welche schmerzende Stelle man als erstes erwähnt.

Außerdem:

Der Ahorn im Hinterhof trägt goldenes Laub.
Weil die große Straßenkreuzung in der Nähe meiner Wohnung gesperrt ist – irgendwelche Wasser- oder Abwasserrohre waren so marode, dass eine sofortige Reparatur notwendig wurde – quält sich der Verkehr durch die Nebenstraßen im Kiez, man kann sie zur Hauptverkehrszeit kaum überqueren.
Die toten Baumstämme im Stadtwald werden von Pilzen erobert. Ich reden meinem Fuß gut zu, ich muss unbedingt am nächsten Wochenende in die Pilze gehen.
Im Homeoffice so gefroren, dass ich zum ersten Mal die Heizung anstellen musste.
Packlisten schreiben, Reiseführer lesen: in zwei Wochen bin ich im Waldhäuschen, mit dem Dreizehnjährigen. In drei Wochen sind wir in Paris, hach.

Kofferpacken

Das Wochenende in Weimar verbracht. Mein Vater hat den Kurzzeitpflegeaufenthalt, seine Frau die Augen-OP gut überstanden. Im Herzen ist mein Vater immer noch Seelsorger, hat sich im Pflegeheim Liedblätter kopieren lassen und ein gemeinsames Singen mit den Dauerbewohnern angezettelt, hat sich von der kleinen vietnamesischen Praktikantin einen vietnamesischen Text vorlesen lassen „um mal zu hören wie das klingt“, und hat nach allen Richtungen so viel Interesse und Freundlichkeit verbreitet, dass sie auf ihn zurückgestrahlt hat. Die Pflegekräfte jedenfalls verabschieden ihn alle sehr, sehr freundlich.
Nur das eine Knie meines Vaters will nicht so, wie er will, es ist dick und schmerzt und das Bein ist garnicht belastbar. Abends macht er Arnikasalbe drauf, aber ich zweifle daran, dass das helfen wird. Es ist herzzerreißend, zu sehen, wie er sich beim Laufen quält. Wie er nie klagt, sich trotz seiner fortschreitenden Parkinson-Erkrankung, trotz seiner Schmerzen, trotz allem für die Pflanzen am Weg, die Bekannten in der Gemeinde, die Hobbies meiner Kinder, politische Entwicklungen… für die Welt um sich herum interessiert, das bewundere ich immer mehr.
Ich versuche, mich im Haushalt nützlich zu machen; der Frau meines Vaters alles abzunehmen, wobei sie sich bücken müsste, denn das soll sie nicht, und überhaupt alles, von dem ich sehe, dass es getan werden muss. Am Ende ernte ich das Kompliment, ich sei eine gute Hausfrau, worauf ich ja nun garnicht aus war. Aber es ist ja lieb gemeint. Zwischendurch spielen wir Baptistenskat; ich fahre nochmal ins Pflegeheim, um einen Brief abzugeben, der nicht für meinen Vater bestimmt war, und um eine haushaltsfremde Medikamenten-Tagesschachtel „Sonntag“ gegen die haushaltseigene Medikamenten-Tagesschachtel „Freitag“ einzutauschen; außerdem mache ich am Sonntag einen langen Vormittagsspaziergang im Umland. Abends schauen wir alte Kinofilme, die ich im DVD-Stapel entdeckt habe, „Vaya Con Dios“ und „Pilgern auf Französisch“. Das ist schön. Überhaupt tun die Tage mir gut, der Kopf ist weit weg von der Arbeit und von den Berliner Alltagssorgen.

Beim Heimfahren könnte ich das ich-packe-meinen-Koffer-Spiel spielen, oder jedenfalls viele lustige Items beisteuern, denn ich fahre natürlich nicht mit leeren Händen ab, das geht nicht bei meinem Vater und seiner Frau. Ich packe meinen Koffer und nehme mit: einen halben Ring Thüringer Knackwurst, eine Zeitungsseite mit Kürbisrezepten, dreieinhalb übriggebliebene Eierkuchen, eine Mappe mit alten Kinderbildern und Zeugniskopien von mir, einige Fotos von der Balkontomatenpflanze meines Vaters, zwei Absenker von Grünpflanzen, drei leere Sauerkirschgläser (in denen ich Suppe mitgebracht hatte), Süßigkeiten für meine Kinder, einen sehr schlechten Krimi, der dringend ins Verschenkregal muss – und viel, viel bleischwere Traurigkeit, weil ich so selten bei meinem Vater und seiner Frau bin. Ein Wunder, dass ich den Koffer noch nach Hause bekomme. Es geht auch fast alles glatt, nur die Berliner S-Bahn fährt eine halbe Stunde lang nicht, weil jemand ärztlich versorgt werden muss. Da hilft nur Geduld, ich stelle mir jemanden vor, der so mühsam unterwegs ist wie mein Vater, ich stelle mir vor, dass mir ein Notfall passiert – jeder möchte gerne ärztlich versorgt werden, auch im ÖPNV zur Berufsverkehrszeit.

Also wieder Berlin.

Kurze Woche, drei Arbeitstage, dieses Mal sind das drei Bürotage. Der Siebzehnjährige kommt zu mir, und weil die Chorprobe am Abend ausfällt, haben wir Zeit für einen gemeinsamen Spaziergang, und ich lasse mich auf den Stand bringen, was Schule, Lehrer, anstehende Vorträge und Klausuren, Wochenendtermine und dergleichen angeht. Ich freue mich über die gemeinsame Dreiviertelstunde mit meinem Sohn, der Schrittzähler freut sich auch, und wir streiten uns erst am nächsten Tag wieder – nicht der Schrittzähler und ich, sondern der Siebzehnjährige und ich – als es um die Frage geht, ob man seinen Koffer für eine Wochenendreise ins kalte Ausland eher frühzeitig oder in den allerletzten 10 Minuten vor dem Abendtermin und dem Wechsel in den Papahaushalt packt. Der Siebzehnjährige packt also – in unglaublicher Windeseile und spätestmöglich – seinen Koffer und nimmt mit: Die Bahncard, weil ich sie ihm hinlege, den Ausweis, weil ich daran denke, hoffentlich etwas Wechselunterwäsche, halbfeuchte Socken vom Wäscheständer, die angeblich vorbildlich gefüllte Kosmetiktasche, ein Paar Wechselschuhe, weil Regen angesagt ist, hoffentlich so etwas wie einen Schlafanzug und hoffentlich genug warme Sachen. Die Süßigkeiten für einen netten gemeinsamen Abend mit der Patentante und den anderen Mitreisenden hätte er vergessen, aber ich lege sie noch dazu, das muss sein.

Der dritte Koffer aber steht beim Hannoverliebsten. Morgen, nach fast vier Wochen, sehen wir uns ohne Handybildschirm, wieder einmal. Die Bahn wird pünktlich sein, ganz bestimmt, rede ich dem Hannoverliebsten gut zu – und freue mich, dass dieses Mal nicht ich fahren muss.

Draußensehnsucht, herbstliche

Eine etwas weniger anstrengende Woche, dann ein ganz schönes Wochenende gehabt – nicht verreist, keine Pläne, dem Montagmorgengefühl nach auch ein wenig erholt.

Einige Wünsche erfüllt:
Draußen gewesen – am Samstag mit dem Fahrrad bis zum Friedhof, dort in den Blumenschalen kleine Heide-Pflanzen und Silberblatt zu den noch ansehnlichen Sommerblumen gepflanzt. Am Sonntag eine Runde an der Spree spazieren gegangen, später noch eine kleinere mit dem Dreizehnjährigen.
Am Sonntag eine Siesta gehalten.
Wenigstens ein halbes Stündchen mit der anderen Mitmutter zusammengesessen, bei warmem Tee und Rhabarberlikör.

Ich mag es, mich nachts wieder unter zwei Decken zu kuscheln, die Balkontür weit offen, kühle Luft und Regengeräusche ganz nah.

Am Montagmorgen als erstes den Terminkonflikt der Woche (Zahnarztvorsorge vs. seit Juni ausstehender wichtiger Arbeitstermin) zu Lasten des Zahnarztes aufgelöst; der Zahnarzttermin teilt sich nun mit einem Orthopädentermin einen Nachmittag im Oktober. Um meine Erwerbsarbeit an dem Tag zu schaffen, wird dann vermutlich der Orthopädentermin weichen müssen. Die Kaskade aus weiterverschobenen Arztterminen könnte sich weit in den Herbst hinziehen.

Nach der Arbeit im Sanitätshaus ein Rezept für eine Hallux-Schiene eingelöst. Etwas deprimierend der Warteraum, überall Plasikgliedmaßen mit Bandagen, Orthesen und Schienen. Zu Hause wächst das Stäpelchen mit Schachteln, die Produkte aus diesem Fachgeschäft enthalten, das ist kein schönes Gefühl.

Die deutsche Bahn nimmt für eine Fahrt nach Hannover mit Bahncard 50 inzwischen an beliebten Tagen (am Freitag vor dem langen Wochenende Anfang Oktober – und zwar schon am Freitagmorgen um sieben Uhr!) so viel, wie die Fahrt zu Beginn meiner Beziehung zum Hannoverliebsten mit Bahncard 25 gekostet hat. Die Fernbeziehung wird zum finanziellen Luxus. Noch ist nicht entschieden, wer von uns an diesem Wochenende fahren wird. Aber raus möchte ich, raus ins Weite. Der Hannoverliebste hat ein Hotel in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt, zu dem man zwar nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt, aber über sehr nette Radwege. Auch der zweite Tag ließe sich entlang von Seen und durch Brandenburger Wälder angenehm verradeln. Alternativ lockt von Hannover aus die Lüneburger Heide.

Jetzt Wäsche, Kuchen backen, telefonieren. Die Frau meines Vaters ist am Auge operiert worden, wohl alles sehr gut verlaufen. Weniger schön der erste Aufenthalt meines Vaters in Kurzzeitpflege, das Zimmer klein, das Essen recht ärmlich. Am Wochenende werden wir ihn abholen.
Später lese ich dem Dreizehnjährigen vor – er hat seine Freude an den Wächterromanen von Terry Pratchett entdeckt. Wie wunderbar, wenn ein Kind einen Sinn für Humor entwickelt, der dem eigenen ähnelt. Großes gemeinsames Vergnügen.

September

Zwei Wochen weiter in Richtung Herbst. Wenn ich um sechs Uhr aufstehe, ist es schon wieder noch fast dunkel, das ist traurig.
Hüfte und Bein und Fuß haben sich beruhigt, sobald ich die Bandage und sämtlichen Sport einschließlich aller Rückenübungen weggelassen hatte. Moderates Radfahren und Spazierengehen mit dem Hannoverliebsten tat gut.

Einige Schuljahresanfangsevents liegen inzwischen hinter uns, die Klassenfahrt des Dreizehnjährigen (aber noch nicht der von dort mitgebrachte Husten), drei Tage Weiterbildung per Zoom von neun bis fast 18 Uhr für mich, ein Chorwochenende – denn der Siebzehnjährige und ich singen jetzt in einem Chor, und das ist schön. Trotz Corona-Risiko, werde mich vorsichtshalber noch einmal impfen lassen, demnächst. Und obwohl ich die Zeit dafür jede Woche neu gegen ein immer wieder anderes Das-passt-heute-aber-garnicht verteidigen muss.
Die nachzureichenden Steuerunterlagen sind nachgereicht und ein großer Stapel Kopien ist zum Anwalt gewandert; Auskunftspflichten im Zusammenhang mit dem Unterhaltsrecht, sehr unschön. Der neue Ausweis kam an – noch vor dem Ablauf der Gültigkeit des alten; sogar der umgetauschte Führerschein kann abgeholt werden.

Zeit für Wintervorbereitungen: Lange, warme Unterwäsche fürs unbeheizte Homeoffice ist im Schrank gebunkert. Ein großer und erstaunlich schwerer Haufen Fleece liegt im Wohnzimmer herum und soll zu zwei Vorhängen verarbeitet werden: um die kalte Luft im Treppenhaus zu halten der eine, als bedarfsweiser Ersatz für eine Küchentür, die wir nicht haben und bisher auch nie brauchten, der andere.

Auf dem Chorwochenende im ländlichen Freizeitheim große Sehnsucht nach dem herbstlichen Brandenburg bekommen; rote und blaue Beeren an zwei ineinander verwachsenen Sträuchern bewundert, Falläpfel aufgelesen, die ersten einheimischen Nashi-Birnen von einem Tisch am Hoftor gekauft, den süß-sauer eingelegten Kürbis aber stehenlassen. Auf den blanken See geschaut, die kühle, frische Luft genossen, jeden Atemzug.
Die Hobbies und Freizeitaktivitäten der Jungs haben leider fast alle Wochenenden in September und Oktober belegt, es wird kaum Zeit für die Wanderungen und Radtouren bleiben, die mein Kopf wie von selbst vor sich hinplant.

Kaum Nachrichtenkonsum.

Gesellschaften, lese ich, sind veränderungsträge; auch angesichts drohender Katastrophen, die durch eine Verhaltensänderung vielleicht, vielleicht noch abwendbar gewesen wären.

Auch ich möchte an meiner kleinen Normalität festhalten.
Was auch sonst tun?

spätsommeratempause

Der Hochsommer ist vorbei, die Nächte kühlen wieder ab. Gut tut das.

Noch immer etwas beeinträchtigt an Fuß, Hüfte und dann auch noch Hand – alles rechts, das ist die Spielbein-Seite, sagt die ganz große Schwester, aber ist sie das auch bei Linkshänderinnen wie mir? Und überhaupt, was bedeutet es, wenn die Spielbeinseite aussteigt oder die Standbeinseite? Beides nichts anderes, als dass man mehr Urlaub hätte haben sollen, glaube ich – habe ich mich durch die ersten Schulwochen gemüht.

Viel, alles: Bei der Erwerbsarbeit stehe ich unter Druck, die Schulen schicken Elternabendtermine, Arzttermine müssen organisiert werden, die Hobbies der Kinder starten wieder, ich beginne, zusammen mit dem Siebzehnjährigen in den Kirchenchor der Nachbargemeinde zu gehen, und vor mir liegt noch dazu das, was von der mal geplanten Urlaubswoche mit dem Hannoverliebsten noch übrig ist, nachdem sie zur Hälfte einer verschobenen Weiterbildung zum Opfer gefallen ist. Und alles verursacht mit allem jede Menge Terminkonflikte: das Schachturnier mit der Konfirmandenradtour, der Konfirmandensamstag mit dem Kinderchorauftritt, der Elternabend mit dem Kirchenchor, der andere Elternabend mit der Reise nach Hannover, der wichtige Arbeitstermin mit der einzigen Gelegenheit, meine schmerzende Hand dem Orthopäden vorzuführen, die geplanten Tage in Hannover mit der Abfahrt des Dreizehnjährigen zur Klassenfahrt, das Chorwochenende (wieso muss es ausgerechnet zum Schuljahresbeginn stattfinden?) mit der Rückkehr des Dreizehnjährigen von der Klassenfahrt.

Schnell, viel zu schnell, sitzen morgens wieder das große ich-will-nicht-mehr und das große ich-kann-nicht-mehr an meiner Bettkante; nehmen mich in den Schwitzkasten, ziehen mir ein schwarzes Tuch über den Kopf, das noch dazu innen mit der aktuellen To-Do-Liste bedruckt ist.
Nicht vorher, nicht während der Reise und noch nicht mal am ersten Abend, an dem ich von Hannover aus online an der letzten Elternversammlung für den Siebzehnjährigen mit der Kommunikation sämtlicher Termine für sein Abiturjahr teilnehme, gelingt es mir, das Gefühl von Düsternis und von ich-sollte-zu-Hause-sein-und-mich-um-alles-kümmern abzuschütteln, erst irgendwann am nächsten Tag.

Dann sehe ich es wieder, wie schön der frühe Herbst ist. Die Sterne leuchten über dem Balkon des Hannoverliebsten, eintausendfünfhundert Jahre altes Licht vom Stern Deneb im Sternbild Schwan, 36 Jahre altes Licht vom Arktur im Sternbild des Rinderhirten, drei Lichterketten mit neugeborenem Licht vom Nachbarbalkon. Nur der Stern über der Kirche, der Weihnachtsstern, der durch die ganze Corona-Pandemie hindurch als Hoffnungszeichen geleuchtet hat, ist abgeschaltet worden, als bräuchten wir kein Hoffnungszeichen mehr.

Noch können wir das Fenster sperrangelweit offenstehen lassen, die ganze Nacht.
Noch können wir draußen sitzen am Abend, viel zu viele Tapas bestellen; Rotwein, der das Leben weicher und schöner aussehen lässt; starken, süßen café solo.
Noch können wir planen, auf ein paar Bahnen ins Schwimmbad zu gehen, mit dem Rad in den Hinüberschen Garten zu fahren, am Maschsee aufs Wasser zu schauen.
Noch können wir einen Tisch fürs Sonntagsfrühstück reservieren, draußen.

Die Sommerspeicher auffüllen mit all dem Noch-können-wir.
Mit Wärme und Licht.

Himmel und Meer und zurück

Schon wieder eine Woche aus dem Urlaub zurück, schön war der.

Nicht die beste Idee, an einem Sonntag mit der Regionalbahn von Berlin nach Rostock zu fahren, aber da saßen wir dann eben und es half nix, irgendwie kamen wir an. Auf der Fähre, oben auf dem Sonnendeck, fingen ein paar Leute an, zu trommeln. Immer mehr kamen hinzu, immer größere Trommeln wurden herbeigetragen, eine dänische Gruppe wars wohl, Karibikstimmung kam auf. So fing der Urlaub an.

Das Ferienhaus in allem schön, außer dass die Besitzer einen Anbau vor die zwei Kinderschlafzimmer und die Toilette gesetzt hatten, alle drei Zimmer waren nur noch in den Anbau zu belüften, den die Besitzer sich weigerten, aufzuschließen, damit man den Anbau wiederum hätte nach außen belüften können. Mit Beschwerden darüber hatten die ganz große Schwester und ihr Mann die erste Urlaubswoche ohne uns verbracht, ohne viel Erfolg. Die Kinder nahmen es gelassen, irgendwie gings.

Hinterm Haus der Garten, fast immer konnten wir draußen essen, Mittags auf der Liege im Schatten der Bambushecke schlafen, über dem Garten ein Amselklangteppich, eine Familie wohl mit frisch flügge gewordenen Jungvögeln. Nachts in der Hecke die Mönchsgrasmücke, laut schwatzend. Über der vorderen Terasse der Sternenhimmel, komplett mit Milchstraße und allem.

Das Meer nur drei, vier Minuten entfernt, jeden Morgen lohnte es sich, nicht im Bett geblieben, sondern losgegangen zu sein, im Bademantel zum Strand, und zu schwimmen. Ins Grau oder Blau oder Silber zu schwimmen, anfangs bei 14 Grad, später in wärmerem Wasser. Der weite, große Himmel über dem Meer. Rätselhafte Enten, schwarz-weiß, die ich nicht bestimmen konnte, Eiderenten vielleicht. Kormorane. Möwen. Schwalben über dem Meer auf der Jagd nach Insekten.

Ausgiebige Frühstücke. Gemütliche Abendessen mit dem dänische Käse, von dem man mit dem dänischen Käsedrahtschneider die Scheiben abschneidet, mit Curryhering, die Traditionsessen sind das. Abends große Spielerunden. Heilsame Lieder gesungen mit der ganz großen Schwester, ein paar zu viele Diskussionen über Einkäufe geführt, nun ja. Nach ein paar Tagen waren wir eingespielt als Großfamilie. Nach einer Woche kamen die große Schwester und ihr Mann an und bezogen ein Haus im Nachbarort. Ein wenig gemeinsame Zeit auch mit ihr.

Spaziergänge auf dem Deich, im Ferienhausgebiet, zu den kleinen Gartentrödelmärkten, zu den Brombeerhecken, an denen die ersten Beeren reif wurden.

Genau so möchte ich meinen Urlaub verbringen.

Auf der Rückreise erwischten wir auch nur eine Regionalbahn, aber eine zusätzlich eingesetzte wegen des 9-Euro-Tickets. Leerer und entspannter als auf der Hinfahrt.

Meine Kinder in Berlin noch eine ganze Woche bei mir, das war ein Glücksfall. Obwohl ich arbeiten musste, machten wir aus jedem Tag noch etwas schönes, fuhren ins Lieblingsschwimmbad, holten Brötchen zum Frühstück, spielten einen Abend lang, guckten Olsenbanden-Filme. Nebenher halfen die Jungs mir im Haushalt, brachten ihre Schulsachen in Ordnung, erledigte der Dreizehnjährige seine Mathe-Förderaufgaben und putzte der Siebzehnjährige wirklich und wahrhaftig sein Zimmer.

Ein kleines Minus nur mein Rücken, Schmerzen schon im Urlaub, jetzt wieder. Neues Vokabular: „Ischialgie“, lerne ich, und „Iliosakralgelenk“. Die üblichen Verdächtigen im Internet-Videosport sind sich einig, welche Übungen helfen könnten, also fange ich ergeben an, das „Halbe Happy Baby“ zu machen und meine Beine zu verdrehen und zu verknoten, um eventuell verspannte Muskeln zu dehnen. Schmerztabletten muss ich auch nehmen, vielleicht wird es ja wieder, bevor ich eine Odysee-zu-Ärzten anfangen muss.

Nebenher erledigt in dieser Woche: Neuen Ausweis beantragt, Umtausch des Führerscheins beantragt, Karteikartenabschrift für den Umtausch des Führerscheins beantragt. Augenarzttermin für den Siebzehnjährigen ergattert, Wartelistenplatz bei einem neuen ADHS-Arzt ergattert, weil der alte in Ruhestand geht, ohne Nachfolger. Banktermin ausgemacht, weil dem Dreizehnjährigen ein Geldschein verloren gegangen ist und er für sein Taschengeld nun auch ein Konto mit Karte haben möchte. Banktermin verschoben, als der Vater des Dreizehnjährigen sich dann mal äußerte, wann ihm lieber wäre. Mit den Kindern die Wechselmodalitäten der nächsten zwei Wochen besprochen. Dem Vater der Kinder hinterhergewhatsappt, wann es ihm mal passen würde, die Termine für September zu besprechen. Dem Vater der Kinder wegen der Kosten für die Klassenfahrt des Dreizehnjährigen hinterhergemailt. Gewaschen. Geputzt.

Jetzt löst sich unser schönes Feriengemeinschaftsleben auf. Der Siebzehnjährige fährt als Teamer zu einer Kinder- und Jugendfahrt; der Dreizahnjährige verbringt eine Woche bei seinem Vater; mein Koffer steht bereit und der Hannoverliebste freut sich, dass ich endlich mal wieder zu ihm komme.

Ferien sind schön.
Noch eine Woche bis zum vollen Alltag.

Von den Stimmungen des Meeres

Silberspiegelglatt mit Schaukelwellen (die dich später in den Schlaf wiegen, wenn du jetzt lang genug schwimmst)

Gänsehautnervös, tief himmelblau

Übellaunig (schwappt dir ins Gesicht)

Unruhig

Wellig, grau und voll Gemüsesuppentang

Mit großen, rauschend brechenden Hüpfewellen (bleibt da, wo ihr stehen könnt!)