WmdedgT – 5.11.2021

Es ist November, es ist der fünfte – auf zum Tagebuchbloggen! Frau Brüllen lädt uns alle dazu ein, und hier finden sich die Beiträge.

Aufgewacht gegen fünf, mit diesem blöden Morgengefühl, dass das Leben schlecht ist. Eine Stunde lang wachgelegen und das wieder eingerenkt. Aufgestanden – erstmals nach der offiziellen Zeitumstellung – um fünf vor sechs. Meine private Zeitumstellung findet ja wöchentlich statt: Ist der Zwölfjährige hier, stehe ich vor sechs auf; ist er bei seinem Vater, kann ich bis mindestens halb sieben schlafen, je nach Tagesprogramm auch gerne etwas länger. Angesichts dieser ständigen Umstellungen stecke ich die offizielle Zeitumstellung dann immer ganz gut weg: im Herbst fällt es mir leicht, später aufzustehen; im Frühjahr fällt es mir leicht, früher ins Bett zu gehen.

Frühstück vorbereitet, das kann ich im Schlaf, denn es steht alles bereit: Kaffeewasser im Kessel, gewaschenes Obst und das Messer daneben, Müslidosen und -schalen auf dem Tisch. Zehn nach sechs wecke ich den Zwölfjährigen, wir frühstücken. Dabei anlässlich der bevorstehenden Klassenarbeit in Biologie interessantes Gespräch über Ein- und Mehrzeller, Eukaryoten und Prokaryoten und die ergoogelte Erkenntnis, dass Pilze enger mit Tieren verwandt sind als mit Pflanzen, nach heutigem Wissensstand bzw. nach dem, was die entsprechende Website als heutigen Wissenstand ausgab.
Kurz nach halb sieben schließt sich uns der Sechzehnjährige an, kurz danach muss der Zwölfjährige sich für seinen Schultag fertigmachen.

An dieser Stelle sollte jetzt der Teil mit dem Morgensport kommen, kommt aber nicht, es fühlte sich viel mehr danach an, mich nochmal ins Bett zu legen. Ich döse ein, rufe gegen acht dem Sechzehnjährigen ein schläfriges Adieu zu und beginne den Tag ein paar Minuten später nochmal, indem ich ziemlich direkt meinen Arbeitsrechner einschalte. Es ist ein wichtiger Tag, eine Deadline, zu der ich Aufgaben habe, die auf „Los!“ schnell, reibungslos und fehlerfrei erledigt werden müssen, damit die nächste Frist eingehalten werden kann. Ich bin gut vorbereitet und voller Tatendrang, allerdings warte ich gerade jetzt – fast zwei Stunden nach meinem Feierabend – noch immer auf das „Los!“, weil der dafür notwendige Input von anderer Seite verspätet/fehlerhaft/vorläufig war und den ganzen Tag über vervollständigt und korrigiert werden musste. Also den Tag in Wartestellung verbracht, andere kleine Aufgaben erledigt, Zwischenstände geprüft, Fehler identifiziert und geflaggt, ungeduldig und wütend geworden, resigniert und auf Überstunden eingestellt.

Zwischendurch irgendwann den Bademantel abgelegt und mich ordentlich angezogen, ein wenig aufgeräumt, mehr Kaffee gekocht. Inzwischen sind die Kinder von der Schule zurück; der Zwölfjährige muss am Wochenende ein Tondokument in die virtuelle Lernumgebung laden, wir haben die dafür notwendige App identifiziert, heruntergeladen und getestet.

Zum Mittagessen hatte ich Salat, denn wir haben Salatwoche. Basis war eine Packung rote Beete und ein Kopf Chinakohl, und mit verschiedenen Beigaben (Äpfel, Tomaten, Linsen, Mozarella, Walnüsse, Erdnüsse, andere Kerne-die-gerade-da-waren) wurden daraus drei verschiedene, sehr feine Salate. Außerdem gab es im Kühlschrank noch ein paar gebackene Kürbisstreifen, dazu Toast – lecker.

Der weitere Nachmittag und der Abend sollten eigentlich der Verarbeitung und dem Verbrauch von Äpfeln (Sie erinnern sich?) gewidmet werden. Gestern habe ich ungefähr drei Kilo Äpfel geschnitten und gekocht und über Nacht den Saft daraus abtropfen lassen; Gläser und Gelierzucker warten schon. Der verbliebene Apfelbrei wird sich – so der Plan – gut auf Eierkuchen machen; ob es soweit kommen wird, ist aber noch unklar, möglicherweise arbeite ich ja gerade dann, wenn die eigentlich gemacht werden müssten. Allmählich stellen sich Kopfschmerzen ein.  

Später mit dem Hannoverliebsten telefonieren, irgenwann schlafen gehen; gerade liegt Fred Vargas‘ „Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“ oben auf dem Lesestapel, weil ich mich erinnert habe, dass die Figur der Mathilde in dem Buch darüber philosophiert, dass Wochen immer zwei ganz verschiedene Phasen haben, Montag-Dienstag-Mittwoch für die ernsthaften Dinge und das Vorankommen; Donnerstag-Freitag-Samstag für Chaos, Unentschlossenheit und Stagnation. Genau so fühlte sich diese Woche bei mir auch an.

Nachtrag: Es ist 18 Uhr, es wurde „Los!“ gerufen, ich konnte meine gut vorbereiteten Abläufe abspulen, geprüft wird am Montag oder vielleicht am Wochenende, mal sehen. Feierabend also. Der Sechzehnjährige rührt den Eierkuchenteig, das Leben ist schön.

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