Halbschlaf

Unter der Woche wache ich meistens mit dem deprimierenden Wissen auf, dass schon feststeht, was gleich zu tun ist, dass es eine To-Do-Liste gibt, Verpflichtungen, Pläne. Autopilot an – und los.

Heute – Samstagmorgen – ist das anders, das pure Wohlbehagen stellt sich ein, sobald ich mir selber versichert habe dass ich a) nicht arbeiten muss, b) meine Kinder bei ihrem Vater sind, c) die Besuchsfreundin im halben Zimmer schläft und wir d) einen schönen, faulen, gemeinsamen Tag vor uns haben.

Das Wohlbehagen hat mit dem Gefühl von Zuhausesein zu tun: in meinem Körper, meiner Kleidung, meinem Bett, dem Zimmer des Elfjährigen, in dem ich mich einquartiert habe, meiner Wohnung, und, weniger räumlich, aber heute morgen für mein Zuhausegefühl genauso wichtig, der Freundschaft zur Besuchsfreundin. Und weiter: um diese Schichten herum gibt es meinen Kiez, in dem ich den anderen Eltern auf der Straße zunicke und in dem die Reformhausverkäuferin und die Frau hinter dem Tresen der Backstube mich kennen; Berlin, in dem ich nun schon viele Jahre lang ein Netz aus Erinnerungen zwischen Menschen und Orten gesponnen habe, die ich kenne und die ich liebe. Und weiter: Deutschland, dieses Glückslos in diesem 21. Jahrhundert; und die ganze Welt – die lege ich als äußerste Schicht um die Zwiebel aus lauter Zuhausesein, in der ich stecke; die Welt, auf der zu leben mir heute morgen erstaunlich und wunderbar vorkommt.

Ich mache eine kurze Bestandsaufnahme der Dinge, die ich in meinem Leben gerne noch machen möchte – keiner meiner Wünsche ist mir über Nacht abhanden gekommen.

Und dann drehe ich mich um und ziehe meine Decken zureckt und schlafe weiter.
Der Tag muss noch nicht anfangen, noch nicht jetzt.

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