Times of Trubel

Die Ereignisdichte erreicht auf einer Skala von Eins bis Zehn bedenkliche Achtkommasieben.

Beträchtliche Teile meiner Verwandschaft haben ihre 50. Geburtstage in die ersten beiden Monate diesen Jahres gelegt, so dass ich mit einem Bein eigentlich immer in einem Zug von oder nach Thüringen stecke. Zudem haben meine Eltern den Umzug in ihre neue, altersgerechte Wohnung auf Anfang März terminiert – und ich würde mich schämen, so garnicht zu helfen, weil doch aussortiert und verkleinert werden muss; weil doch die Kräfte meines Vaters und die Menge der in seinem Arbeitszimmer lagernden Bücher, Dokumente und, ähm, Dinge in einem schlechten Verhältnis zueinander stehen.

Hier in Berlin unterdessen werden meine Kinder beide ein Jahr älter, gefühlte Myriaden an Becherküchlein müssen gebacken, glasiert und verzehrt werden; Wunschfrühstücke sind auszurichten, Geschenke rechtzeitig aus abgelegenen Paketshops abzuholen, beim Hochseilgarten muss noch Essen bestellt und das Zeitbudget der Paten des Zehnjährigen mit unseren Feierplänen abgestimmt werden.

Im Büro werden wichtige Termine inzwischen regelmäßig in der Nacht vorher vorbereitet, eher kommen die großen Chefs nicht dazu, ihre Vorstellungen von dem, was überhaupt vorbereitet werden soll, weiterzugeben. In einer Telefonkonferenz am Freitagnachmittag müssen allerhand Kollegen von nah und fern einem Zeitplan zustimmen, der ab März gelten soll und – knapp zusammengefasst – für fast alle jeden Monat doppelt so viel Arbeit in halb so viel Zeit bedeuten wird. „Anyone who is uncomfortable with this should speak up now“, sagt der Organisator, aber offensichtlich sind wir hier bei „Des Kaisers neue Kleider,“ niemand möchte für faul und inkompetent gehalten werden. Der einzige, der aus seiner gesicherten Chefposition heraus einzuwenden wagt, dass der neue Zeitplan „challenging“ ist, wird auch sofort fernmündlich genasenstübert.
Dass in unserem vierköpfigen Team schon seit Jahresanfang eine Vollzeitkraft überarbeitungskrank ausfällt und vertreten werden muss, macht meine Schlaflosigkeit und meine Angst vor den nächsten Erwerbsarbeitsmonaten auch nicht gerade besser.

Umso verbissener verbringe ich selber jede freie Minute in Arztpraxen; lasse mir morgens auf dem Weg zur Arbeit meine allwinterliche Dosis an Vitamin B spritzen; strecke nachmittags meiner Hausärztin und diversen Kinderspezialisten flehend Mutterkindkur-Anträge entgegen, vielleicht argumentiert ja irgendwer so überzeugend, dass sie eine Ausnahme von dieser Vierjahresregel machen.

Ich könnte das brauchen.

 

 

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6 Gedanken zu „Times of Trubel

  1. wildgans

    „Ereignisdichte“ ist gut! Doppelt so viel Arbeit in der Hälfte der Zeit, das ist so typisch für unsere Wirtschaftswelt, so unmenschlich zugleich. Mein Respekt vor Deinem Pensum!
    Habe das früher voll im Beruf und mit drei Kindern auch geschafft, weiß aber nicht mehr, WIE. Bei Dir werde ich immer wieder dran erinnert.
    Gruß von Sonja

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    1. Greta Autor

      Das geht so schnell mit dem Weiß-nicht-mehr-wie: als die Mütter mit Kindern in Schule und KITA neulich über die drei Kita-Schließtage vor den Winterferien klagten, wusste ich auch nicht mehr, wie DAS in den letzten Jahren bei mir ging… Ja, in allen Familien mit Kindern wird ordentlich was gestemmt. Und die Arbeitswelt sollte darauf ein wenig mehr Rücksicht nehmen, finde ich. Erinnere mich mit Bedauern an die „Haushaltstage“, die Frauen in der DDR zusätzlich zum Urlaub bekamen. Würde gern meine Arbeitszeit umstricken, um alle zwei Wochen so einen zu haben! Ein lieber Gruß von Greta

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  2. lieblingsblau

    Wow! Das erinnert mich sehr an meine Zeit als Alleinerziehende, damals ohne Wechselmodell… Auch von mir: größter Respekt! Wann hattest du die letzte MuKiKur? Ich hatte auch mal Glück vor Ablauf der vier Jahre. Gern mehr dazu per Mail, hast du die letzte schon lesen können? Liebe Grüsse! Jela

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    1. Greta Autor

      Liebe Jela, hab Deine Mail schon länger gelesen, aber heute erst Zeit und Muße zum antworten gehabt. Schön, dass das mit Deiner Kur damals schon eher geklappt hat, das ist ermutigend! Mein Antrag ist nun endlich fast fertig und geht nächste Woche zur Post. Liebe Grüße Greta

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    1. Greta Autor

      Danke! Antrag endlich fertig, Dienstag noch zum Arzt: zweimal wegen Arbeit verschoben, das muss den Arzt doch überzeugen, den Antrag sehr überzeugend auszufüllen! Ein lieber Gruß!

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