Aufgabenzettelchen

Dass mein Arbeitgeber mir ermöglicht, auch ab und zu von zu Hause zu arbeiten, ist ein glücklicher Umstand – und einer der Gründe, warum ich von Jobwechselgedanken immer wieder abkomme. Zwei der vielen langen Sommerferienwochen – eine im August und dann nochmal die erste Septemberwoche – verbringe ich also zu Hause und habe zusätzlich halbe Urlaubstage genommen, um Zeit für meine Kinder zu haben.

Diese Halbzeit-Ferienbetreuung probiere ich zum ersten Mal aus, und daraus wird eine ganz entspannte Woche nach unserem Urlaub am Meer. Ach, könnten wir doch immer so leben!
Ich spare die langen Fahrtwege.
Ich verpasse den Schienenersatzverkehr und die 30 Grad, die bei Sommertemperaturen im Büro unvermeidlich herrschen, weil niemand da ist, der nachts durchlüftet.
Ich gehe morgens mit den Kindern auf den Spielplatz und sitze mittags eine überschaubare Zahl an Stunden am Rechner, abends wird gespielt und vorgelesen.

Und ich habe eine Idee, die sich als genial heraustellt: Vor dem Frühstück überlege ich mir, was heute im Haushalt zu tun ist – und dann schreibe ich Aufgabenkärtchen für meine Kinder, jeden Tag sechs Stück.
Einmal Abwaschen. Einmal Abtrocknen. Einmal Einkaufen. Wäsche aufhängen. Tisch decken und abräumen. Nudeln kochen und Soße warmmachen. Glas zum Container bringen. Müll runterschaffen. Küche fegen und wischen. Eine halbe Stunde Hilfe beim Wäschelegen… Für jede erfüllte Aufgabe dürfen die beiden sich für den Abend ein kleines Spiel wünschen – oder auch mal entscheiden, welche Naschtüte aufgemacht werden soll.
Und das funktioniert so gut, dass ich am Ende der Woche ganz fassungslos vor Freude bin.

Eigentlich sind meine Söhne nämlich faul. An vereinbarte regelmäßige Pflichten muss ich ständig erinnern. Bitten um Hilfe werden schon mal mit einem coolen „Keine Lust“ kommentiert, was unweigerlich Streit nach sich zieht. Denn ich mag nicht mehr alle Hausarbeiten allein machen!

Aber als da letzte Woche die Aufgabenkärtchen lagen, was alles anders. Schon beim Frühstück nahm der Zehnjährige sich die Kärtchen vor und entschied mit seinem Bruder gemeinsam, wer welche Aufgabe erledigen würde und welche sie sich teilen wollten. Die meisten Arbeiten haben die beiden dann ganz oder fast ohne Hilfe, mit nur wenig Erinnern von meiner Seite und ohne Diskutieren und Streiten erledigt. Ich habe mich wirklich entlastet gefühlt – nicht zuletzt weil ich, statt mit hohem Energieverschleiß um die Erfüllung regelmäßiger Pflichten zu kämpfen, die an manchen Tagen garnicht notwendig gewesen wären, um Sachen bitten konnte, die ich gerade wichtig fand. Ich habe das, was für mich zu tun übrig blieb, sehr viel fröhlicher gemacht. Meine Söhne fanden es toll, dass ich mich bei ihnen bedankt und ihnen gesagt habe, dass das, was sie tun, eine echte Hilfe für mich ist. Und wenn mal ein Kärtchen für den nächsten Tag liegengeblieben ist, war das nicht so schlimm.

Außerdem gab es jede Menge Lerneffekte: Der Sechsjährige hat begriffen, wie man Socken zusammenlegt und festgestellt, dass er sehr, sehr gerne wischt. Ich weiß, dass ich ihm noch ein paarmal erklären muss, welche Mülltüte in welche Mülltonne kommt. Der Zehnjährige ist stolz, dass er ganz alleine ein Mittagessen auf den Tisch stellen kann – und ich habe gelernt, dass er mit Schmorgurken dann aber doch noch überfordert ist.

Und beide Kinder haben wohl ein bisschen besser verstanden, wie viel Arbeit ein Haushalt Tag für Tag macht. Am Ende der Woche platzte der Zehnjährige beim Abendessen jedenfalls ganz unvermittelt heraus: Mama, du machst so viel für uns! Danke!

Und das hat sich soooooo toll angefühlt.

Wertschätzung, dieser gute alte Zauber, der einfach immer wirkt.

Jetzt sind erst einmal Papawochen. Aber hinterher – wenn der Alltag wieder bei uns einzieht – möchte ich das mit den Aufgabenkärtchen weitermachen. Vielleicht müssen es dann „Wochenkärtchen“ werden, weil meine ganztagsbeschulten Kinder unter der Woche ja wenig unverplante, freie Zeit haben. Vielleicht erfordert es ein wenig Experimentieren, aber versuchen möchte ich es.
Denn dieses Wir-sind-eine-Familie-und-alle-helfen-mit-Gefühl möchte ich dann auch haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s